Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Der rote Ozean (Marcel René Klapschus)

Edition Periplaneta
Taschenbuch, 222 Seiten
ISBN: 978-3-940767-62-2
13,00 €

Ein kurzer Einblick

Wir schreiben das Jahr 2027.
Ein Glaubenskrieg erschüttert die Welt und unmittelbar nach der Erscheinung eines wundersamen Riesen in Jerusalem färben sich die Meere tiefrot. Es regnet Blut vom Himmel und riesige Flutwellen begraben erst die Küstenstädte und dann immer größere Länder auf der ganzen Erde unter sich.

In diesem Chaos begegnen sich Brian und Khayra, die sich lieben und hassen lernen, die unsagbares Leid erfahren und deren junge, geschundene Seelen immer lauter nach Vergeltung schreien. Ihre Herkunft und ihr Glaube machen sie zu Feinden und doch führt das Schicksal die beiden jungen Menschen immer wieder zusammen. Sie kämpfen mit ihrem Glauben und ihrem Gewissen in einer Welt, die langsam in den tosenden Fluten des Roten Ozeans versinkt, in der niemand mehr fähig ist, sein Tun zu hinterfragen und in der eine ganze Zivilisation im Begriff ist, sich selbst zu vernichten.

Bewertung

Fantasy, Endzeit und ein weltumspannender Glaubenskrieg – kann das zusammenpassen? Ja, es kann! Die Mischung aus Fantasy, Religion und der möglichen Vorstellung eines wirklichen Glaubenskrieges zwischen Christen und Muslimen (oder glaubt wirklich jemand, dass ein derartiger Krieg absolut unmöglich sei?) lesen sich unkonventionell – Glauben und Krieg sind nichts ungewöhnliches, aber die Einmischung von Fantasy? - und gerade darum erfrischend neu. Das Rad muss nicht neu erfunden werden, aber das Zusammenspiel fremder Genre ist doch zumindest in Europa relativ ungewöhnlich und somit umso mehr zu begrüßen, wenn Autoren wie Marcel René Klapschus diesen Schritt wagen. Die Vorstellungskraft des Lesers gewinnt neue Perspektiven. Die Wirklichkeit wird ausgebaut und gewinnt durch die Fantasy einen phantastischen Reiz, bleibt aber durch das uns Bekannte auf festem Boden stehen.
Jesus ist wiederauferstanden; in Gestalt eines Riesen. Ein Attentäter bringt ihn sogleich um und ein Glaubenskrieg zwischen Christen und Muslimen entbrennt. Der Krieg und seine Gründe bleiben leider Gottes sehr oberflächlich, denn der Konflikt beschränkt sich auf das Töten Jesu und der Frage nach: Wer war es? Da gerade der Glaubenskrieg ein zentraler Punkt ist, hätte dieser etwas weiter ausgearbeitet werden können. Durch eine schnell fortschreitende Handlung gelingt es Marcel René Klapschus jedoch eine Pseudotiefe zu erzeugen, denn wirklich Zeit zum Nachdenken wird dem Leser nicht gelassen.
Brian und Khayra, gerade noch auf der Hochzeit ihrer Verwandten, finden sich unerwartet in einer zerstörten Welt wieder, empfinden Zuneigung zueinander und stehen sich doch auf gegensätzlichen Seiten gegenüber. Ihre Beziehung ist nicht einfach, eher unmöglich und doch begegnen sie sich immer wieder. Brian und Khayra beleben die Handlung ungemein, ist es doch ihre Gegensätzlichkeit und gleichzeitige Zuneigung, die eine Brücke schlägt, die zugleich aber auch unmöglich ist.
Immer weiter schreitet der Krieg voran. Immer mehr Landmassen versinken in den roten Fluten. Statt gemeinsam das menschliche Überleben zu sichern, steigert sich die Menschheit in ihren eigenen Untergang hinein. Ein deutlicher Fingerzeig an den Menschen, aber auch ein Fingerzeig, der glücklicherweise weit im Hintergrund schwebt, ist doch der Glaubenskrieg allgegenwärtig präsent und drängt sich unaufhörlich in den Vordergrund.
Natürlich bauen die Amerikaner eine Arche Noah. Natürlich entsteht im Paradies neues – besseres – Leben. Natürlich ist Gott ein alter Mann. Diese Versatzstücke des christlichen Glaubens mussten wohl aufgenommen werden, passen – so klischeehaft sie auch sein mögen - aber erstaunlich gut in die Handlung hinein.

Fazit

„Der rote Ozean“ ist ein erfrischend andersartiger Roman, der Potential durch Oberflächlichkeit in der Ausarbeitung des Glaubenskrieges verschenkt. Nichtsdestotrotz ist „Der rote Ozean“ aber auch ein Roman, der eben durch seine erfrischende Art sehr zu empfehlen ist.

3,5 von 5 Punkten

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