Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Der Remburg-Report (Jan Gardemann)

Atlantis
Paperback, 250 Seiten
ISBN: 978-3-941258-03-7
12,90 €


Ein kurzer Einblick

In der Stadt Remburg, die unter einem Strahlenfeld liegt, das sämtlichen Funkverkehr behindert und sie einen Sonderstatus in der technisierten Welt einnehmen lässt, kommt der junge Journalist Michael Neustädter einer heißen Story auf die Spur. Er trifft auf Menschen mit ungewöhnlichen Begabungen, kommt dabei dem Remburger Verbrecherfürsten in die Quere und deckt die Machenschaften einer mysteriösen Gruppe auf, die sich das Konsortium nennt. Dabei hatte er doch eigentlich bloß über den Bau einer neuen Einkaufspassage berichten wollen, die jedoch der Schlüssel zu all den Rätseln zu sein scheint...

Bewertung

Die Ära der Superhelden hat uns noch nicht erreicht. Doch aufgepasst, wir steuern geradewegs auf sie zu. Noch wenige hundert Jahre und die Menschheit wird sogenannte Begabte in ihren Reihen haben. Zumindest die Bürger von Remburg, deren Stadt in einem Strahlenfeld liegt.
„Intelligente“ Science Fiction, die mit Krimi- und Spionageelementen gewürzt und weiterhin mit Retro-Aspekten angerührt ist. Ein feuriger Eintopf, der auf die Leser los gelassen wird und mit seiner Erzählstruktur an Episodenromane erinnert. Gewöhnlich ist das nicht, liest sich jedoch prächtig!
Mit einem kleinen famosen Kniff gelingt es Jan Gardemann eine recht gewöhnliche (mal abgesehen von der kruden Ideenmischung) „Journalist-auf-Informationssuche“-Geschichte das gewisse Etwas abzuringen. Michael Neustädter hat die leidige Angewohnheit bei zu viel Aufregung einfach einzuschlafen. Für die Karriere eines Journalisten ist das alles andere als förderlich; doch Neustädter ist ein Begabter. In Visionen träumt er von Ereignissen an jenen Orten, an denen er eingeschlafen ist, aus der Sicht fremder Menschen. Das mag zwar eine sehr neuartige Art sein, an Informationen für seinen Report zu gelangen, doch auch eine sehr effektive. Zwangsweise wird der Leser immer wieder aus der Handlung herausgerissen und muss sich zunächst in die neue Situation einlesen, doch birgt dies auch einen gewissen Reiz, der aus der Konformität des Bekannten hervorlugt. Nach und nach setzt sich so eine Geschichte zusammen, die die Mafia, Spionageagenten und Außerirdische auf den Plan ruft.
Und alles steuert auf ein böses Ende zu … das etwas bemüht wirkt. So experimentierfreudig der Autor ist, gelingt es ihm nicht einen klaren Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Dies ist weniger der „zerstückelten“ Erzählstruktur zu verschulden, sondern mehr der oftmals in die Länge gezogenen Visionen. Denn so originell das Zusammensetzen der Verschwörung um die Einkaufspassage ist, um die sich der Report Neustädters dreht, wäre eine Fokussierung auf Neustädter deutlich interessanter gewesen. Mit dem Handlungsbogen um A.M, einer Figur, die an Watchmen erinnert, wirkt die Handlung letztendlich überfrachtet.

Fazit

Retro-Telefone, Außerirdische, Superhelden, hypermoderne Vehikel – Jan Gardemann hat scheinbar in den Topf der Ideen gegriffen und wahllos gefischt. Und dennoch hat er eine Geschichte erschaffen, die gerade durch ihre verrückte Zusammensetzung und die Erzählstruktur begeistern kann. Zum Bedauern des Lesers, springt die Handlung zu oft und zu lange von Michael Neustädter weg.

3 von 5 Punkten

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