Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Der Prozess (Franz Kafka)

Anaconda Verlag
Hardcover, 208 Seiten
ISBN: 3-938484-777-2
2,95 €


Ein kurzer Einblick


Josef K. wird an seinem 30. Geburtstag aus heiterem Himmel plötzlich verhaftet und verhört. Doch das alles ist sehr mysteriös. Obwohl er verhaftet ist, kann er weiterhin wie gewohnt seinem Leben nachgehen, er erfährt nicht, warum er verhaftet ist und auch das Gericht lernt er nie kennen. Doch trotz aller Absurdität besteht eine reelle Gefahr…

Bewertung

Franz Kafka hat „Der Prozess“ nie beendet, daher ist es schwierig zu sagen, ob er den Stoff, der nun so existiert und veröffentlicht wird, auch so veröffentlichen wollte oder noch einiges verändert hätte. So wie der Roman nun erscheint, sorgt er beim Leser doch einige Male für Kopfschütteln und Unverständnis. Das fängt damit an, dass Josef K. verhaftet wird, aber trotzdem wie gewohnt weiterleben kann, es geht weiter mit einem Gericht, das sich in einem Wohnhaus befindet, und Anwälten, die eigentlich gar nicht verteidigen. Man erfährt nichts vom Prozess an sich und auch nichts vom Urteil und wird daher völlig im Dunkeln darüber gelassen, ob in der gesamten Zeit, in der Josef K. sich mit der ganzen Sache beschäftigt, überhaupt irgendetwas passiert. All dies führt eigentlich dazu, dass man das, was im Roman beschrieben wird, schon kurz nach Beginn des Lesens für einen großen Spaß oder einen Traum hält und auch Josef K. selbst kann eigentlich auch nur zu dieser Einschätzung kommen. Doch trotz aller Absurdität versucht er sich aus dieser Sache, in die er geraten ist, zu befreien. Er probiert alles, um die Situation zu verstehen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Doch egal, was er macht, irgendwie bringt ihn nichts richtig weiter.
Der Weg, den Josef K. einschlägt, um herauszufinden, warum er angeklagt ist, führt ihm dabei von einem zum anderen und birgt trotzdem kein Ergebnis. Dies stellt wohl ein überspitztes Abbild der Bürokratie dar, wo niemand für etwas zuständig zu sein scheint. Josef K. kämpft gegen eine scheinbar nicht zu besiegende Macht. Neben diesen Erfahrungen muss sich Josef K. bei aller Belastung durch den Prozess auch an der Arbeit der Konkurrenz stellen und ist somit zwischen beidem hin- und hergerissen.
Wie der Roman im Ganzen allerdings zu interpretieren ist, lässt sich schwer sagen. So können etwa auch einige Parallelen zu Kafkas Leben gezogen werden. Doch am Ende steht schon eine Erkenntnis. Dann lernt man nämlich, dass man trotz einer Vielzahl von komischen Ereignissen nicht alles zu locker nehmen sollte.

3 von 5 Punkten


Wir danken dem Anaconda Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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