Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Der Palazzo des Doctor Nikola (Guy Newell Boothby)

Wurdack
Klappenbroschur, 184 Seiten
ISBN 978-3-938065-74-4
12,95 €


Ein kurzer Einblick

Der Kreis schließt sich: In Venedig trifft Doctor Nikola wieder mit Richard Hatteras und seiner Gemahlin zusammen. Der Zauber der Lagunenstadt lässt die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verschwimmen. Von Visionen und Prophezeiungen geleitet, führt Nikola einen Rachefeldzug gegen einen Peiniger aus Jugendtagen. Durch seine Unerbittlichkeit verliert er sich in der Heraufbeschwörung eines Ahnherrn aus dem finsteren Mittelalter, dessen Grausamkeit bei der Vergeltung erlittenen Unrechts jedes Maß überschritt. Kann die Liebe einer Frau ihn vor dem Abstieg in die Barbarei bewahren?

Bewertung

Ein letztes Mal (Ein letztes Mal? Dazu später mehr!) lässt Guy Newell Boothby Dr. Nikola die Bühne der Intrigen betreten. Die Suche nach dem ewigen Leben hat der Gentleman und Gauner aufgegeben. In Venedig ist Dr. Nikola nun auf der Spur von und auf Rachefeldzug gegen Don José de Martinos; Dr. Nikolas Peiniger aus vergangenen Zeiten. Zufällig oder nicht – bei Dr. Nikola weiß man nie – sind auch Richard Hatteras, seine Gemahlin mit dem Herzog Glenbarth und Miss Trevor auf Urlaub in Venedig. Auf seinen üblichen geheimnisvollen Wegen erfährt Dr. Nikola, dass Don José de Martinos und Richard Hatteras sich über das Schreiben eines gemeinsamen Freundes kennen lernen und sucht daraufhin den Kontakt zu Hatteras (Wir erinnern uns an ihr letztes eher feindlich gesinntes Zusammentreffen, als es um ein Stäbchen ging). Spoiler? Aber nein! Guy Newell Boothby versucht die Zusammenhänge gar nicht erst zu verschleiern. Selbst Richard Hatteras gelingt es Dr. Nikolas Pläne zu erraten.
Warum sich Richard Hatteras auf Dr. Nikola einlässt, der im einstigen Abenteuer nicht als Freund zu betiteln ist, ist fragwürdig. Vielleicht liegt es an Dr. Nikolas faszinierender Aura, vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass sie sich diesmal nicht als Feinde gegenüberstehen. Knisternde Spannung liegt gerade darum in der Luft, wie die beiden nun miteinander auskommen.
Missbraucht, gefoltert und seiner Ehre beraubt: Dr. Nikola ist alles andere als gut zu sprechen auf Don José de Martinos, seinem Erzfeind aus Kindertagen. Nach drei Romanen dürfen wir Leser nun endlich einen Blick in Dr. Nikolas Kindheit werfen. Ob das gut ist oder eher schadet, darüber möchte ich kein Urteil fällen. Einerseits versteht man Dr. Nikolas Charakter sehr viel besser, andererseits zerstört die Enthüllung etwas seiner mysteriösen Aura: Dr. Nikolas größter Stärke.
Handlungsplatz ist diesmal Venedig. In der Lagunenstadt nimmt sich Dr. Nikola den Armen und den unheilbar Kranken an.
Venedig ist wenig exotisch im Vergleich zu vergangenen Schauplätzen, dafür sind die vielen Gässchen, Brücken, Hinterhöfe und Grachten zum Spionieren und Intrigieren Dr. Nikolas wie geschaffen. Allein sein Palazzo nebst passender Gruselgeschichte vermag die fehlende Exotik in Ansätzen aufzuwiegen.
Während Dr. Nikola seine Pläne schmiedet und Intrigen ausheckt und Richard Hatteras und seine Freunde zu seinem Spielball macht, muss der Leser eine penetrante Liebesgeschichte über sich ergehen lassen, über die die eigentliche Geschichte fast in den Hintergrund tritt. Unaufhörlich sticheln sich Richard Hatteras und Gemahlin neckisch. Aber auch der Herzog Glenbarth verliebt sich in niemanden geringeres als Miss Trevor. Hatteras' Gemahlin spielt natürlich allzu gern die Kupplerin. Und als ob das nicht reichen würde, wirft Don José de Martinos ebenfalls ein Auge auf Miss Trevor, was natürlich zu Eifersucht beim Herzog Glenbarth führt.
Trotz dem mehr als einfachen und vorhersehbaren Storyverlauf ist Guy Newell Boothby ein begnadeter Erzähler; und Michael Böhnhardt ein ebenso begnadeter Übersetzer, sodass auch dieses Abenteuer abermals unterhaltsam und in manch einer Szene gar humorvoll wird.
Dr. Nikola zieht sich in die Berge von Tibet zurück, doch sein Ende ist das nicht. Nach über 100 Jahren setzt Michael Böhnhardt 2012 die Serie mit dem Roman „Das Luftschiff des Dr. Nikola“ fort.

Angehängt ist dem Roman eine waschechte Geisterstory: „Das verwunschene Goldfeld“. Eine klassische Gruselgeschichte, gut geschrieben, nett umgesetzt, mehr aber auch nicht. Als Bonbon aber ist sie tauglich und zudem noch eine nette Dreingabe, die herzlich begrüßt werden darf!

Fazit

Eine aufdringliche Liebesgeschichte, eine Intrige Dr. Nikolas gegen seinen Erzfeind aus Kindertagen und ein Horrorpalazzo mitten in Venedig bietet ein mäßig überraschendes Abenteuer, dafür aber ein sehr unterhaltsames, das seinen Vorgängern in nichts nachsteht.

4 von 5 Punkten

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