Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Der mit den Wölfen lebt (Shaun Ellis)

Goldmann Arkana
Gebunden, 384 Seiten
ISBN: 978-3-442-33866-5
19,95 €


Ein kurzer Einblick

Als Shaun Ellis im Zoo zum ersten Mal einem Wolf gegenüberstand, spürte er sofort eine so tiefe Verbundenheit, dass in ihm der Wunsch entstand, für diese Tiere alles zu tun, was ihm möglich wäre. In den Rocky Mountains gelang ihm das Unmögliche. Der Vermutung eines Indianerführers folgend, fand er ein wildes Rudel und schaffte es, als dessen Mitglied anerkannt zu werden.
Dies ist seine Lebensgeschichte. Sie zeugt von erstaunlichem Mut und gewährt uns einen einzigartig spannenden Einblick in das Leben wilder Wölfe.

 
Bewertung

In 33 Kapiteln nebst Vorwort lässt uns Shaun Ellis einen Blick in seine Welt werfen, die unterschiedlicher als die eines Stadtmenschen nicht sein könnte. Er berichtet von seiner Kindheit in einer Gegend, wo auch die Kleinsten von Anfang an schon mit bei der Landarbeit helfen mussten. Durch seinen Großvater geprägt, hat er von klein auf eine enge Beziehung zu Hunden, Füchsen und ein besonderes Verständnis für alle Tiere des Waldes. Er nennt im Laufe seines Lebens Wölfe seine Familie und entfernt sich immer mehr von seinesgleichen. Doch ein Mensch, der sich dem Schutz wilder Tiere verschrieben hat, kommt ohne andere Menschen und auch ohne der modernen Medienwelt nicht aus und so muss sich Shaun Ellis auch mit Drehterminen und dem Druck der Medien befassen, was ihn und seine Lebensgefährtin bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs führt.

Ellis führt den Leser sehr einfühlsam durch seine Welt und gibt die schönen, aber auch die weniger schönen Momente mit den Wölfen wieder. Die Erschöpfung und die Blessuren, die man davonträgt, wenn man mit jungen wie älteren Wölfen rauft, aber auch der Schutz, den die Wölfe ihren Rudelmitgliedern geben, ist atemberaubend und kann einem eine völlig neue Sichtweise ermöglichen. Wenn man z.B. als menschliches Rudelmitglied stundenlang von einem knurrenden Aufpasser an einen Baum gepresst ausharren muss und nicht weiß, ob der Wolf einem gleich an die Kehle springt, obwohl man nur Wasser trinken wollte, kann das sehr beängstigend sein. Doch am Ende des Tages herauszufinden, dass genau dieses Verhalten verhindert hat, dass man mit einem hungrigen Grizzly am Fluss zusammenstößt und einem so das Leben gerettet wurde, lässt einem schon einen gehörigen Schauer über den Rücken laufen.

Mir hat dieses Buch insgesamt sehr gut gefallen. Zum einen, da es sich wirklich erstaunlich schnell lesen ließ, da das Thema an sich wahnsinnig spannend ist und zum anderen, da das Leben von Ellis sehr anschaulich und detailverliebt daherkommt. Ein besonderes Vergnügen waren für mich die 4 Seiten mit Farbbildern in der Mitte des Buches, die Shaun Ellis u.a. mit seiner Wolfsfamilie zeigen.
Störend an dem „Der mit den Wölfen lebt“ fand ich nur, dass das Buch bereits nach 384 Seiten vorbei war, ich hätte sehr gern noch mehr über die Wölfe gelesen. Besonders die Abhandlung über die Rangordnung, die auch bei Hunden gilt, hat mir mehr als einmal einen Aha-Moment beschert.

Fazit
 
Zusammenfassend kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der sich für die Arbeit mit Wölfen interessiert. Es ist auf sehr unterhaltsame Weise lehrreich.

4,5 von 5 Punkten

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