Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Der menschliche Makel (Philip Roth)

Rowohlt Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 399 Seiten
ISBN: 978-3-499-23165-0
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Im Jahr 1998, vor dem Hintergrund der Affäre Präsident Clintons mit Monica Lewinsky, wird Coleman Silk, Professor für klassische Literatur, im hohen Alter zum Rücktritt gezwungen. Gegen ihn werden Rassismus-Vorwürfe erhoben, die er auf Grund einer Lebenslüge nicht ausräumen kann…

Bewertung

Philip Roth hat mit „Der menschliche Makel“ einen beeindruckenden Roman geschaffen, der in vielerlei Hinsicht Probleme unserer modernen Gesellschaft behandelt. Auf der einen Seiten ist da der Rassismus-Vorwurf gegen den Professor Coleman Silk, der ungerechtfertigter Weise durch vermeintliche Antipathien innerhalb der College-Belegschaft seinen Rücktritt verursacht. Diese College-Belegschaft ist es aber wiederum, der jedes Mittel recht ist, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Auf der anderen Seite steht aber auch Colemans Geheimnis, dessen Lüftung die ganze Sache aus der Welt schaffen könnte. Coleman Silk ist nämlich ein weißer Afroamerikaner, der sich seit seiner Army-Zeit als Weißer ausgegeben hat und auf Grund von schlechten Erfahrungen auch nie seine Frau und seine Kindern in sein Geheimnis eingeweiht hat.
Damit thematisiert Philip Roth ein interessantes Phänomen und zugleich eine mögliche Umgehungsweise damit. In zum Teil erschreckender Weise stellt er dar, wie Coleman Silk sich dadurch, dass er nicht wie ein Afroamerikaner behandelt werden möchte, von seiner Familie abwendet und sogar in Kauf nimmt, dass sich seine Mutter ihr restliches Leben lang dadurch verletzt fühlt. Gleichzeitig zeigt er aber auch, wie andere Afroamerikaner auf ein solches Verhalten reagieren.
Neben diesem Thema behandelt der Roman auch die Affäre zwischen einem über siebzigjährigen ehemaligen Professor und einer sich zumindest als solche ausgebende Analphabetin, Faunia, die zudem noch durch den Verlust ihrer Kinder und einen früheren gewalttätigen Ehemann geprägt ist. Obwohl sich zwischen den beiden eine Liebe entwickelt, brechen sie damit ein gesellschaftliches Tabu, was auch vor dem Hintergrund der Clinton-Lewinsky-Affäre, die im Roman immer wieder erwähnt wird, keine Akzeptanz finden kann.
Zudem ist diese Affäre durch den gewalttätigen und psychisch-kranken Exmann Faunias gefährdet. Dieser steht nicht nur für die ständige Gefahr, in der sich die beiden Liebenden befinden, sondern zeigt zugleich in erschreckender Weise auf, wie sich Menschen nach einem Kriegseinsatz verändern können. Damit greift Roth zudem das gesellschaftliche Problem der Vietnam-Veteranen auf, die über die Erfahrungen im Krieg zum Teil nicht mehr hinwegkommen.
Erzählt wird der Roman, zumindest in einigen Kapiteln, von dem Schriftsteller Zuckerman, einem späten Freund von Coleman Silk, der zugleich Teil der Geschichte wird, aber am Ende seine Hilflosigkeit ebenfalls erkennen muss. Somit ist Philip Roth ein beeindruckender Roman gelungen, der gleichzeitig mehrere Probleme und Charaktere, mit ihren Schwächen und Stärken, in einer modernen Gesellschaft aufzeigt, aber auch die Hilflosigkeit und Beschränktheit der Gesellschaft darstellt.

5 von 5 Punkten

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