Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Der Mann, der nichts vergessen konnte (Ralf Isau)

Piper
Taschenbuch, 464 Seiten
ISBN: 9783492267151
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Tim Labin, Sprachgenie und Schachweltmeister, ist der Mann, der nichts vergessen kann. Doch ausgerechnet ein Schlüsselereignis aus Kindheitstagen ist ihm abhanden gekommen – Die Nacht, in der seine Eltern ums Leben kamen. Unterdessen entschlüsselt er ein Geheimnis, das unsere Welt erschüttern könnte. Und das untrennbar mit dem Tod seiner Eltern zusammenhängt. Mit der Computerspezialistin JJ macht er sich auf den Weg in seine und Amerikas Vergangenheit.

Bewertung

Könnt Ihr Schach? Kennt Ihr die Regeln? Lass Deinen Gegner sich selbst besiegen – das ist das Credo dieses Romans und das Schachspiel zugleich das über der Handlung schwebende Fallbeil. Denn aufgebaut ist der Roman wie ein gigantisches Schachspiel, welches der Leser unweigerlich gezwungen ist mit zu spielen. Er und alle anderen Figuren dieses Romans. Immer wieder taucht das Schachspiel in der Handlung auf, immer wieder verweist es darauf, dass alles Handeln nur ein Setzen der richtigen – oder falschen – Figuren ist. Gebt Acht, dass Ihr Euren König nicht Schachmatt setzen lasst!
Cyberterrorismus und Fälschung historischer Papiere. Ein Mix aus Moderne und geschriebener Geschichte. Waghalsig mag es klingen, funktionieren kann es bestens. Dabei liegt das Hauptaugenmerk noch nicht einmal auf der Entdeckung geschichtlichen Betrugs, es liegt ganz woanders, es liegt in egoistischen Gründen einiger weniger Machtgierigen begründet, die die Welt zusammenbrechen lassen. Es ist beeindruckend wie rasant das Chaos um sich greift, wie fulminant das Ergebnis ist und wie leicht sich so Mancher Nutzen daraus ziehen kann. Es liest sich haarsträubend, aber in der Geschwindigkeit absolut glaubwürdig. Die Ursache des globalen Zusammenbruchs der Aktienmärkte, des Flug- und Straßenverkehrs kann sich keiner erklären. Das Chaos weitet sich unbarmherzig aus. Schuld ist: ein kleines Ereignis wie schon so oft in der Weltgeschichte ...
Tim Labin ist der Einzige, der das Chaos noch stoppen kann. Mit seiner Fähigkeit Bücher innerhalb von Minuten lesen und behalten(!) zu können, arbeitet er emsig an der Entschlüsselung der Beal-Chiffren. Immer wiederkehrende Zahlenspiele lassen ihn lebendig werden. Typische Macken, wie Angst der Nähe fremder Menschen, lassen ihn vor den Augen des Lesers zu einem Menschen, einem Savant, werden, der glaubhafter nicht sein könnte.
Die Handlung und das Ende sind vorhersehbar. Von Anfang an, habe ich mir gedacht, wie der Hase hier läuft. Habe ich nur zufällig sehr früh richtig kombiniert – oder lag es an Emil W. Kogan, dass sein Charakter zu typisch war, als dass es anders hätte sein können? Die ein oder andere Offenbarung wird der Leser aber dennoch haben, denn alles kann natürlich nicht erraten werden. Wäre ja auch langweilig, wenn man des Gegners Züge beim Schachspiel zu sehr voraus ahnen kann!

Fazit

Liest man nur die Inhaltszusammenfassung, könnte man einen gewöhnlichen Verschwörungsroman der Marke Dan Brown erwarten. Doch Ralf Isau hebt sich einmal mehr von der Masse ab und zeigt, dass man auch mit kleinen phantastischen Elementen einen lupenreinen Thriller hoher Wiedererkennbarkeit schreiben kann.

4 von 5 Punkten

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