Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Der große Gatsby (F. Scott Fitzgerald)

dtv
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 978-3-423-13987-8
9,90 €


Ein kurzer Einblick

Jay Gatsby hat ein unbeschwertes Leben. Er lebt in einer großen Villa, feiert regelmäßig große Feste und hat bei diesen jede Menge Leute um sich herum. Doch was von außen so unbeschwert scheint, ist eigentlich das Leben eines einsamen reichen Geschäftsmanns, der seit Jahren einer einzigen Sache nachjagt: seiner längst verlorenen Liebe…

Bewertung

Jay Gatsby scheint ein klassischer Junggeselle der goldenen 1920er Jahre in den USA zu sein. Der Geschäftsmann lebt in einer großen Villa und hat so viele Freunde und Bekannte, dass seine regelmäßigen Partys schon legendär sind. Doch der Schein trügt. Eigentlich ist keiner der Partygäste wirklich sein Freund, sondern vielmehr höchst oberflächliche Bekanntschaften. Diese reden zudem alle hinter Gatsbys Rücken darüber, wie er es wohl zu seinem Reichtum geschafft hat. Dabei kursieren die abwegigsten Gerüchte, die viel dazu beitragen, dass Jay Gatsby solch eine Faszination ausstrahlt. Seinen einzigen Freund findet Jay Gatsby im Erzähler, Nick Carraway, der ihm schließlich auch als einziger beisteht, als sein Leben nicht mit Ruhm gesegnet ist.
Doch ist es keineswegs so, dass Gatsby die Partygäste als seine Freunde ansehen würde. Vielmehr ist er ein einsamer, in sich zurückgezogener Mensch, der niemanden wirklich über den Weg traut und fast nichts von sich preis gibt. Dass er seine große Liebe Daisy während seines Kriegseinsatzes verloren hat, hat er nicht wirklich überwunden.
Jay Gatsby ist eigentlich eine zutiefst tragische Figur, die alles dafür tut, seine große Liebe wieder zu gewinnen. Er ist ein Mensch, der vollkommen von der Vergangenheit geprägt ist und ausschließlich über sie seine Gegenwart definiert. So dient auch sein Geld nur dafür, Daisy zurück zu gewinnen. Sieht dies zunächst auch sehr positiv für ihn aus, wird er bald von der Realität eingeholt und muss erkennen, dass er alle Zeichen nicht immer richtig gedeutet hat. Dies bedeutet für ihn die große Zerreißprobe des Romans.
Neben der Liebesgeschichte Jay Gatsbys stellt der Roman zugleich die Verschwendungssucht der 1920er Jahre dar und wie aller Genuss dieser Zeit die Menschen keineswegs erfüllen konnte. Zudem zeigt er in stark übertriebener Art und Weise, wie Taten, die hauptsächlich aus Langeweile begangen wurden, anderen zum Verhängnis werden.

Fazit

„Der große Gatsby“ ist ein Roman, der die goldenen 1920er Jahre in den USA kritisch betrachtet und zugleich die tragische Geschichte eines Mannes, wie ihn es in dieser Zeit durchaus hätte geben können, erzählt. Er beschreibt einen einsamen Menschen, der seinem gesamten Leben nur einen Sinn gegeben hat, der für ihn zur Zerreißprobe wird.

5 von 5 Punkten


Wir danken dtv für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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