Mittwoch, 12. Dezember 2012

Rezension: Der ganze Wahnsinn (Terry Pratchett)

Piper
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN 9783492267441
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Nur wer sich wirklich in Terry Pratchetts Universum auskennt, darf sich zum Gefolge des Meisters zählen: Dieser Band vereint alle Erzählungen, Artikel und humorvollen Beiträge Pratchetts, vom Beginn seiner Karriere bis zu neuesten – auf Deutsch bisher unveröffentlichten – Geschichten und schwer zu findenden Raritäten. Sie führen nach Ankh-Morpork, ins Kaufhaus der Nomen und in viele weitere haarsträubende Welten. Wahnsinn bis zur letzten Seite und ein unverzichtbares Standardwerk für jeden »Scheibenwelt«-Bewohner.

Bewertung

Als ich „Der ganze Wahnsinn“ in die Hand nahm, habe ich mich tierisch über einen Kurzgeschichtenband, direkt aus der Scheibenwelt importiert, gefreut. Über manche Titel wie „Neil Gaiman: ein erstaunlicher Zauberkünstler“, „Herr der Ringe“ oder „2001: Vision und Realität“ wunderte ich mich zwar etwas, doch sprach ich es vorerst der verrückten Ideen Pratchetts zu. Doch da habe ich mich geirrt, denn „Der ganze Wahnsinn“ ist eine Sammlung von Kurzgeschichten (aus und nicht aus der Scheibenwelt), Kommentaren, Vorwörtern zu PC-Spielen, die auf Pratchetts Scheibenwelt beruhen, und persönlichen Berichten. Der Kurzgeschichtenleser wird enttäuscht, der Otto-Normal-Leser wird enttäuscht, der Fan wird vor Freude leuchtende Augen bekommen. Denn „Der ganze Wahnsinn“ bietet interessante Einblicke und Eindrücke aus Terry Pratchetts Schaffenszeit bis in das Jahr 2007.
Dass die Qualität – oder nennen wir es besser: der Interessegrad des Lesers - dabei herben Schwankungen unterliegt, ist nur natürlich und soll kein Manko sein. Nicht jeder kann etwas mit Vorwörtern zu scheibenweltbasierten PC-Spielen anfangen, nicht jeder wird seine Geschichten außerhalb von Mittelerde interessieren und nicht jeder kann mit Berichten und Kommentaren über Lesereisen, Literaturgattungen oder einer Rezension Pratchetts über William Hope Hodgons „The House on the Borderland“ warm werden. Eins ist aber (fast) allen Texten gemein: Terry Pratchetts Humor. Irgendwo streut er den ironischen Witz irgendwie in seine Texte ein. Verstauben und vertrocknen kann nichts, was Pratchett in den Fingern hatte.
Wer mag eigentlich nicht den Tod? Nun gut, den realen Tod mag wohl niemand, aber Pratchetts Tod dürfte mit die beliebteste Figur seiner Charaktere sein. Der Tod ist in „Der ganze Wahnsinn“ nicht wegzudenken. Immer wieder tritt er auf, immer wieder muss er sich ins Rampenlicht stellen. Er kann noch nicht einmal in der Scheibenwelt verweilen, er treibt selbst sein Unwesen auf unserer Erde: „Scheibenwahn“. Ein ganz besonderes Schmankerl gibt es mit der Kurzgeschichte „Die Hades-Angelegenheit“, die Pratchett bereits mit 13 Jahren schrieb. Es ist erstaunlich wie überaus gut Terry Pratchett schon als angehender Jugendlicher die Fähigkeit des Schreibens beherrschte.
Ach … wer schon immer wissen wollte, wie Pratchetts Hut zum Markenzeichen seiner Person wurde, muss „Ein Wort über Hüte“ lesen.
Einziges Manko der Taschenbuchausgabe gegenüber der vergriffenen Hardcoverversion sind die fehlenden Illustrationen Josh Kirbys, die die Artikel, Berichte und Co ungemein bereichern.

Fazit

Terry Pratchett-Interessierte und der normale Leser sollten die Finger hiervon lassen. Fans dürfen beherzt zugreifen, denn nirgends sonst bekommt man einen so guten Eindruck über den Autor, seine Person und seine Gedankenwelt. Für jeden ist etwas dabei: Kurzgeschichten, Berichte, Kommentare und Vorworte ...

3 von 5 Punkten

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