Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Der Elbenschlächter (Jens Lossau / Jens Schumacher)

Egmont LYX
Klappenbroschur, 320 Seiten
ISBN: 978-3-8025-8257-8

9,95 €

Ein kurzer Einblick

Der Elbenschlächter geht um in Nophelet und raubt seinen Opfern auf magische Weise ihr Blut. Ein Fall für das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie. Die Agenten Meister Hippolit, Lichtadept, und Jorge der Troll werden auf den Fall Elbenschlächter angesetzt. Eine Kriminalstory im Fantasygewandt nimmt ihren Lauf ...

Bewertung

Magischer Steampunk in einer Vielvölkermetropole, so könnte man das Setting beschreiben. Genauso zutreffend ist aber auch: Ein blutiger Krimi im Fantasykostüm. Oder: Humoristische Fantasy unter dem Deckmantel einer Detektivgeschichte. All das passt auf die ein oder andere Weise und zeugt schon hier, dass den Leser kein gewöhnlicher Fantasyroman erwarten wird.
Jens Lossau und Jens Schumacher sind ein eingespieltes Autorenduo, haben sie doch schon mehrere Romane unter einer Feder geschrieben. Ihr erster gemeinsamer Ausflug ist es jedoch in die Gefilde der Fantasy – und doch scheint dies kein Problem für die beiden gewesen zu sein. Die Elemente des Krimis und des Thrillers waren ihnen wohl bekannt (u.a. aus: „Das Mahnkopff-Prinzip“, „Der Schädeltypograph“, „Der Rebenwolf“), die Elemente der Fantasy mögen neu gewesen sein, weisen aber keinen Makel auf. Es lässt sich die ein oder andere Parallele zu unsere Welt finden, sind doch Themen wie „Diskriminierung“, „Unantastbarkeit des Adels“ und „Ausgliederung gesellschaftlicher Bevölkerungsgruppen“ auch hier akute Themen, die in die eigentliche Handlung mit einfließen.
Mit Witz und Charme bauen Lossau und Schumacher eine magisch-kriminalistische Handlung aus Spürsinn und einer guten Portion Eigentümlichkeit der Agenten auf.

Weißt du, es gibt da ein Sprichwort bei uns Trollen, und das geht so: (...)

Jorge hat für jede Situation ein Sprichwort auf Lager. Und ein jedes denkt er sich natürlich in eben jenem Moment aus, wo er es gebraucht. Meister Hippolit, schon längst über den Zeitpunkt seines natürlichen Todes hinaus, steckt im Körper eines pubertierenden Jungen, was natürlich einige Probleme in Sachen Autorität bereitet. Und so kämpft Hippolit mit seiner jugendlichen Unzulänglichkeit und Jorge verlässt sich sorglos auf seinen Verstand und seine Kraft.
Gekonnt nimmt das Autorenduo Klischees der Fantasy auf die Spitze. Beispiele gefällig? Aber gerne doch! Elben haben ihre strahlende Macht verloren, was bleibt ihnen übrig? Ein Leben im Rotlichtmilieu, denn derart hübsche Körper lassen sich natürlich gut verkaufen. Die Trolle: dumpf und dumm? Aber keineswegs, lediglich klobig und gewitzt! Muskeln kann man spielen lassen, warum auch nicht, wenn man sie schon hat? Aber dumm macht das noch lange nicht. Und so werden allseits bekannte Figurentypen neu verarbeitet, sodass es richtig Spaß macht, sich den Völkern neu zuzuwenden und Überraschungen in ihrer Art zu entdecken.
Doch auch das Stadtbild ist ein wilder Mix. Vulwoogs, dampfbetriebene Autos, die sich nur zahlkräftige Kunden leisten können, rollen mit viel Lärm durch die Straßen der Stadt Nophelet, die sich sternförmig ausbreitet und geteilt wird von einem stinkenden Fluss, der Kloake Nophelets. Es präsentiert sich ein mittelalterliches Bild, angelehnt an eine im Aufwuchs der Industrie befindlichen Stadt. Saufviertel, ein Ghetto, die Slums und das Viertel der Reichen, das Viertel der Arbeiterschicht – alles ist vorhanden und präsentiert sich zugleich recht bekannt (durch die verschiedenen Versatzstücke), andererseits frisch (durch die Neukombination der Versatzstücke).

Fazit

Mord und Magie – Krimi und Fantasy. Schon Thomas Plischke hat in „Die zerrissenen Reiche“ diese eher ungewöhnliche Mischung gewählt. Lossau und Schumacher gehen jedoch ihre eigenen Wege. Und das sehr erfolgreich. Mit Jorge und Meister Hippolit haben sie ein Agentenpaar erschaffen, das Potential hat und den Leser mit ihrer eigenwillig unterschiedlichen Art fesselt.

3,5 von 5 Punkten

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