Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Der Dunkle Turm 3. tot (Stephen King)

Heyne
Taschenbuch, 784 Seiten
ISBN 978-3-453-87558-6
9,99 €


Ein kurzer Einblick

In Band drei nimmt die sterbende Welt, die Roland auf seiner Suche durchquert, immer groteskere Formen und seltsamere Gestalten an. Mit einem neuen Vorwort.

Bewertung

Körperlich ist Roland gesundet, geistig plagt ihn jedoch ein Zwiespalt, der ihn in den Wahnsinn treibt. Durch sein Eingreifen in Jakes Leben gelang dieser niemals nach Mittwelt, um Roland auf seinem Weg in Band 1 »Schwarz« zu begleiten. Des Revolvermanns Erinnerung besteht darauf, etwas nie Geschehenes erlebt zu haben. Doch nicht nur Roland Deschain leidet unter Wahnvorstellungen und Alpträumen. Auch der Junge Jake wird von nicht existenten Ereignissen eingeholt.
Einige Wochen sind vergangen: Roland, Eddie und Susanna sind dem Turm ein beträchtliches Stück näher gekommen. Dennoch trennen sie Meilen über Meilen von ihrem Ziel. Ihre Reise soll noch lange nicht enden. Die Qual der Erzählgeschwindigkeit in der ersten Romanhälfte ebenfalls nicht. Stephen King nutzt die Zeilen aus, um Roland, Eddie und Susanna eingehend zu charakterisieren, ihre Verbundenheit in der Gemeinschaft aufzudröseln und die Wandlung Eddies und Susannas zu Revolvermännern zu schildern. An Kings Ausführungen zum immens wichtigen Zusammenspiel seiner Figuren ist nichts zu mäkeln, die Handlungsarmut trübt allerdings das Gesamtbild, denn es passiert einfach nichts; den Kampf gegen Shardik ausgenommen.
Susanna und Eddie müssen die Grundregeln der Philosophie der Revolvermänner verinnerlichen. Zielgenauigkeit mit der Waffe, unerschütterlicher Mut und eine verschärfte Sinneswahrnehmung werden ihnen von Roland antrainiert. Das ist bitter nötig, denn schon bald müssen sie sich Shardik stellen: einem uralten, atombetriebenen Roboter-Bären. Shardik ist eine der zwölf Kreaturen, die eines der zwölf Portale der sechs Balken beschützt.
Jedes Lebewesen und jeder Landstrich in Mittwelt besitzt kleine Geheimnisse. Daraus baut sich nicht nur eine tiefgehende Spannung auf, sondern entwickelt sich regelrecht eine zum Zerreißen gespannte Atmosphäre, die der postapokalyptischen Endzeitstimmung zugutekommt. Mit der Wiedereinführung von Jake wächst die bisherige Reihe um den »Dunklen Turm« zu einer Gesamtheit zusammen, die zugleich neue Fragen aufwirft. So wie die Gemeinschaft um Roland zusammenwächst, spielt aber auch die Verbindung zwischen der Erde und Mittwelt eine nicht unbedeutende Rolle. Geschichten und Rätsel beider Welten ähneln sich nicht von ungefähr. So wird eine Kindergeschichte um den Zug Charlie Tschuff-Tschuff eine zentrale Rolle in Mittwelt spielen.
In der zweiten Hälfte des Romans zieht die Handlung dann endlich an und Mittwelt bekommt tiefere Gesichtszüge denn jeher. Zog Roland bisher durch karge Landstriche, führt ihn sein Weg nun in die Stadt Lud. Gefahren und Geheimnisse lauern auch hier, doch sein Ka, sein Schicksal will es, dass er die Stadt nicht einfach umgeht. Unversehens stolpert Roland Deschain zwischen die Fronten zweier sich bekriegender Parteien, die, angestachelt von einem intelligenten, uralten Computergedächtnis, in der zerstörten und zerfallen Stadt versuchen zu überleben.

Fazit

Mit neuen Stärken und Schwächen ist »tot« lediglich ein durchschnittlich guter Roman, der vor allem durch seine postapokalyptische Endzeitstimmung und das Zusammenwachsen der kleinen Gemeinschaft aus Roland, Eddie, Susanna und Jake zu überzeugen vermag. Während der erste Teil quälend Altbekanntes zusammenfasst und vertieft, führt der zweite Teil des Romans Neues ein und bringt Roland Deschain dem Dunklen Turm um einiges näher.

3 von 5 Punkten

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