Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Der Dunkle Turm 1. Schwarz (Stephen King)

Heyne
Taschenbuch, 352 Seiten
ISBN 978-3-453-87556-2
7,95 €


Ein kurzer Einblick

Im ersten Band von Stephen Kings epischer Fantasyserie durchstreift Roland, der letzte Revolvermann, auf der Suche nach dem mysteriösen Dunklen Turm eine sterbende Welt. Der Auftakt zur großen Saga jetzt in einer von Stephen King komplett überarbeiteten Fassung mit neuem Vorwort und neuer Einführung.

Bewertung

Einst waren die Revolvermänner die Herren des Lichts, die die Welt unter der Herrschaft des Revolvers anführten. Doch die Welt hat sich gewandelt, nun regiert die Leere - und die Revolvermänner verschwanden. Roland Deschain ist der letzte ihrer Art. Er ist auf der Suche nach dem Dunklen Turm, um sein Geheimnis zu lüften. Um dieses Ziel zu erreichen, jagt er den Mann in Schwarz, um Antworten zu erhalten.
»Schwarz« ist der Auftakt zu Kings Saga und Opus Magnum »Der Dunkle Turm«. Darum sei gleich gesagt, dass »Schwarz« nur ein Splitter eines größeren ist und sich daher unvollständig liest. Erst im Gesamtkontext der kompletten Saga wird sich »Schwarz« - hoffentlich - gänzlich offenbaren und den unzähligen Fragen Auflösungen schenken. In seinem jetzigen Zustand kann »Schwarz« kaum Antworten geben. Die Welt und der Charakter des Revolvermanns entwickeln und bauen sich auf. Wer hier aufgrund mangelnden Weltenbaus und Geschichtsentwicklung aufgibt, verpasst eventuell ein großartiges Werk. Nicht umsonst bezeichnet Stephen King diese Reihe als sein Lebenswerk.
Heruntergekommene Ortschaften, karge Wüsten, ein schier unüberwindbares Gebirge und Hinterlassenschaften einer vergangen Zeit sind Rolands Weggefährten auf der Jagd nach dem Mann in Schwarz. Endzeit-Science-Fiction gepaart mit Western und einem Schuss Horror geben sich als Ambiente die Ehre, wobei die Action ab und an schüchtern um die Ecke schaut. Ein Pageturner ist der Auftakt zur Turm-Saga nicht, dafür aber ein ruhiges und geheimnisvolles Leseabenteuer, das in dieser Manier seinesgleichen sucht. Fragen um Fragen türmen sich auf, quälen den Leser und doch entwickelt sich die Story zwar Stück für Stück, setzt die Welt zusammen, lässt jegliche Fragen jedoch unbeantwortet. Als Splitter eines größeren sei dies gestattet, denn umso mysteriöser wirken all jene Abenteuer, die fern dem Horizont auf Roland lauern. Die Stimmung ist perfekt eingefangen und besitzt eine einmalige Atmosphäre.
Überhaupt: Welche Motivation treibt den Revolvermann voran? Er ist auf der Suche nach dem Dunklen Turm, ok. Aber sonst? Zu viel liegt im Finstren verborgen - und dennoch fesselt die Story. Das liegt darain begründet, dass Fragen auch (noch) nicht zwingend Antworten bekommen müssen, denn Roland bewegt sich wie selbstverständlich durch die Welt. Seine neugierige Seele auf entfernte Geheimnisse muss die Welt nicht erklären, er kennt sie seit seiner Kindheit und durchstreift sie, seitdem er zum Revolvermann geworden ist. Niemals kommt der Verdacht auf, dass der Autor Details weggelassen habe, die vorhanden sein müssten. Die Welt wirkt rund, lebensfeindlich und gleichwohl real. Orakel, Vampire und Mutanten durchstreifen diese Welt, stellen sich Roland in den Weg. Doch dieser räumt mit seinen Revolvern gnadenlos auf. Mitunter wandelt sich eine friedliche Dorfgemeinschaft in ein Blutbad toter Leiber. Die Menschen kämpfen um ihr Überleben, um Hoffnungslosigkeit und verfallen leicht dem religiösen Wahnsinn. Ein strahlender Held ist Roland Deschain nicht. Ein mieser, schießwütiger Gauner ist er aber auch nicht. Roland geht seinen Weg und tut alles dafür, um diesen nicht verlassen zu müssen. Oftmals muss sein Moralempfinden in Frage gestellt werden - doch würden wir anders entscheiden? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Rückblenden in Rolands Vergangenheit geben Einblick in sein Inneres und seine Art. Vor langer, langer Zeit legte er die harte Ausbildung zum Revolvermann ab. So manches Ereignis aus dieser Zeit hat ihn schwer geprägt. Und verfolgt ihn bis heute.
Trotz des fesselnden Stils sind die Erinnerungen stets die großen Momente des Romans. Als Junge wirkt Roland so lebendig, wissbegierig und neugierig in die Zukunft schauend, dass man Roland in seinen älteren Jahren fast nicht mehr wiedererkennen kann. Trotzig und stur stapft er auf seinem Pfad voran. Nur ein Ereignis weckt sein Interesse: der Dunkle Turm.

Fazit

Wie konnte ein Junge des 20. Jahrhunderts in Rolands Welt gelangen? Wer ist der Mann in Schwarz? Was hat es mit dem Dunklen Turm auf sich? Noch längst liegt die Welt nicht komplett ausgebreitet vor den Augen des Lesers. Roland Deschains Reise hat eben erst begonnen. Eine Reise, die alsbald Fragen beantworten muss, denn sonst besteht die Gefahr des Desinteresses seitens der Leser.

4 von 5 Punkten

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