Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Der amerikanische Ritter (Tom Wodicka)

Klett-Cotta
Hardcover, 300 Seiten
ISBN: 978-3-608-93608-7
19,90 €

Ein kurzer Einblick

Die Geschichte eines großen Unzeitgemäßen und Met-Trinkers, der mit seinem Mittelalter-Tick bei allen, die ihn kennen, für viel Heiterkeit sorgt. Nur für die Familie ist sein exzentrisches Auftreten oft schwer mit dem Alltag zu vereinbaren. Eine Reise nach Europa gibt ihm Gelegenheit, sich mit seinen Kindern zu versöhnen.

Bewertung

Burt Hecker liebt und lebt das Mittelalter, viele Sachen in unserer modernen Welt sind ihm einfach zu NEE. Zum Beispiel Kaffee, der ist absolut NEE, da es ihn im Mittelalter noch nicht gab. Haupthema des Buches ist aber nicht Burts mittelalterlicher Spleen, der sorgt eigentlich nur für den richtigen Hintergrund. Viel mehr geht es im Buch um seine Familie. Um die Versöhnung mit seinen Kindern und um den Krebstod seiner Frau, den Burt nicht überwinden kann. Burt Hecker ist eine interessante Persönlichkeit. Viele Sachen, die er macht, sind nicht ganz nachvollziehbar für den Leser und man wird sich des öfteren fragen, ob der Mann nicht einfach einen Knall hat oder total unsensibel ist. Je weiter man aber liest, umso mehr wird einem klar, dass Burt nur so auf seine Umwelt reagiert, wie er kann. Das Mittelalter scheint für ihn ein Rückzugsort zu sein, auch in der schweren Zeit, in der seine Frau gegen den Krebs kämpft.

Bei seinen Kindern und seiner Schwiegermutter stößt Burt aber immer wieder an. Das Verhältnis zu seinen Kindern verschlechtert sich, je älter sie werden und seine Schwiegermutter hat ihn schon immer für einen Nichtsnutz gehalten. Über der ganzen Geschichte schwebt eine Melancholie, die manch heitere Passage erdrückt. Ein paar heitere Ansichten stecken trotzdem in diesem Buch. Burts Sicht auf manche Gegenstände der Moderne bringen einen immer wieder zum schmunzeln und mag er noch so ein skurriler Charakter sein, er wächst einem beim Lesen ans Herz.

Ein zweiter Strang der Geschichte zeigt das Leben seiner Schwiegermutter Anna, die nach Amerika immigriert ist und zu dem Volk der Lemken gehört. Immer wieder zeigt das Buch auch ihre Geschichte auf und ihr schwieriges Verhältnis zu ihrem Schwiegersohn.

Fazit
 
Obwohl das Buch nicht so heiter war, wie ich es mir vorgestellt hatte, war es doch schön zu lesen. Interessante und außergewöhnliche Charaktere fesseln einen an die Geschichte und lassen auch die zäheren Passagen interessant werden.

3 von 5 Punkten


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