Dienstag, 18. Dezember 2012

Rezension: Dem Tode nah (Linwood Barclay)

Ullstein
Taschenbuch, 512 Seiten 
ISBN: 978-3548267449
8,95 €

Ein kurzer Einblick

Als die Familie seines besten Freundes verreist, versteckt sich der 17-jährige Derek im Keller, um sich im leeren Haus heimlich mit seiner Freundin zu treffen. Während er noch unter der Treppe kauert, kehrt die Familie überraschend zurück. Derek grübelt, wie er seine Anwesenheit erklären soll. Da klingelt es an der Tür. Der Vater öffnet und wird sofort niedergeschossen. Ein Killer ermordet die ganze Familie. Derek kann entkommen und kehrt völlig verstört nach Hause zurück. Aus Angst verrät er seinen Eltern und der Polizei nicht, dass er der einzige Zeuge des Verbrechens im Nachbarhaus ist. Und so kommt viel zu spät ans Licht, dass der Killer es wahrscheinlich gar nicht auf Adams Familie abgesehen hatte ...

Bewertung

Keine weißen Westen, aber dafür jede Menge Dreck am Stecken. Mit diesem Satz lässt sich das Buch wohl am besten beschreiben.
Linwood Barclay entführt seine Leser in das recht beschauliche Örtchen Promise Falls. Leider ist es nur recht beschaulich und nicht ganz, denn in diesem Ort scheint jeder das ein oder andere Geheimnis zu besitzen.
Der Prolog fängt schon ziemlich spannend an und ist aus der Sicht des 17-jährigen Derek geschildert, der das Haus seiner Nachbarn als „Fickbude“ nutzen möchte, während diese verreist sind. Leider kommt es nicht dazu, denn Derek muss mit ansehen wie die dreiköpfige Familie Langley ermordet wird.
Nach dem Prolog schwenkt die Erzählweise um und der Leser erfährt die Dinge aus der Sicht von Jim Cutter, Dereks Vater.
Dreh und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist auch die Familie Cutter. Alles läuft bei ihnen zusammen, und nicht nur weil ihr Sohn den Mord an der Nachbarsfamilie beobachtet hat. Sie scheinen immer darin verwickelt zu sein, selbst wenn es nur eine angedichtete Affäre von Jim und Donna Langley ist. Das lässt den ganzen Roman arg konstruiert wirken und mildert etwas das Lesevergnügen.
Barclays Schreibstil ist sehr angenehm. Man liest und liest und plötzlich hat man schon wieder 100 Seiten gelesen, ohne es zu merken. Er hält die Spannung fast konstant hoch und man fragt sich schon immer welches Geheimnis um die nächste Ecke lauert.
Seine Charaktere sind auch sehr angenehm geschildert. In vielen Romanen hat man Extremfiguren, die Alkoholiker sind, oder sonst irgendwelche großen psychischen Probleme haben, die ihr Leben oder ihre Beziehung immer wieder bedrohen. Hier hat Barclay gespart und man trifft auf ziemlich normale Menschen, die zwar auch nicht blütenrein sind und das ein oder andere Problem habe, aber die nicht ins Extreme abgleiten.
Was ein bisschen schade bei diesem Roman ist, ist, dass das Ende für geübte Thriller-Leser doch sehr vorhersehbar ist. Spätestens im letzten Drittel des Buches kann der Leser sich schon vorstellen wer die Nachbarsfamilie ermordet hat und warum.
Aufmerksame Leser werden auch feststellen, dass Barclay den einen oder anderen Wink mit dem Zaunpfahl in die Geschichte eingebaut hat, der doch etwas von der Lösung des ganzen Komplotts verrät.
Zu erwähnen ist noch, dass Barclay nicht nur die Morde in seinen Roman eingebaut hat, es gibt sogar noch einen zweiten Komplott, der sogar verschlungener ist als der Mord.
 
Fazit
 
Der Lesespaß ist garantiert.
Preis/Leistung stimmt bei diesem Buch auch. Für 9 Euro bekommt man ein spannendes Buch, das einem schon mal die Nacht kosten kann.

4 von 5 Punkten

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