Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Dein Ende wird dunkel sein (Michelle Paver)

Rowohlt Polaris
Klappenbroschur, 224 Seiten
ISBN 978-3-86252-021-3
13,95 €


Ein kurzer Einblick

London 1937. Eine Gruppe junger Engländer bricht zu einer Forschungsreise in die Arktis auf. Doch die Expedition steht unter keinem guten Stern: Ein Teilnehmer nach dem anderen fällt aus, der Kapitän weigert sich, sie zu ihrem Bestimmungsort zu bringen. Zu dritt erreichen sie endlich Gruhuken.

Die Einheimischen meiden den Ort. Reiner Aberglaube, davon sind Jack und seine Freunde überzeugt. Als einer von ihnen erkrankt und nur Jack zurückbleibt, häufen sich die merkwürdigen Vorfälle.

Der arktische Winter naht. Schon bald ist Gruhuken von der Außenwelt abgeschnitten. Doch Jack ist überzeugt, nicht allein auf der Insel zu sein. Vor den Fenstern lauert etwas ...

Bewertung

Jack Miller stößt 1937 mittellos und mit kaum einem Pfennig in der Tasche als Funker zu einem Expeditionsteam nach Gruhuken, Norwegen. Zusammen mit zwei Forschern richtet Jack sich in ihrer selbst gebauten Unterkunft auf ein Jahr in der grausamen Kälte der Arktis ein. Noch scheint die Sonne, doch schon bald wird es 24 Stunden dunkel sein …
Im Nachwort berichtet Michelle Paver, dass Gruhuken frei erfunden ist und man allein Gråhuken finden könnte, das allerdings wenig mit dem Ort im Roman gemein hat. Die Autorin hat die Gegend Gråhuken selbst besucht und lässt Eindrücke aus erster Hand mit in den Roman einfließen. Eine tote Eiswüste? Schneidender Wind und Leere so weit das Auge reicht? Mitnichten! Rentiere, Eisbären und Robben, Seevögel … Die Arktis ist von Leben erfüllt. Das Eis knackt, als versuche es zu sprechen. Eisbrocken stürzen ins Wasser der Barentssee und die Sonne glitzert auf Schnee und Eis.
Erst mit der Dunkelheit weicht das Leben und kommt das Grauen. Jack fühlt sich beobachtet, von einer ungeahnten Gefahr bedroht. Als einer der Forscher erkrankt und der andere mit zurück in die Zivilisation fährt, bleibt Jack Miller allein mit den Schlittenhunden zurück. In ewiger Dunkelheit. Nur der Mond spendet Licht. Und selbst dieser verschwindet, als die Stürme anfangen zu toben … und das Grauen immer eindringlicher wird.
Die Einheimischen meiden Gruhuken, der Kapitän des Schiffes, das sie nach Gruhuken brachte, warnte sie eindringlich, doch die Forscher und Jack schlugen alle Warnungen in den Wind. Nun muss Jack Miller allein mit Einsamkeit, Dunkelheit und Kälte und der schleichenden Angst fertig werden. Eine tägliche Routine soll ihm die nötige Kontrolle geben, doch als die Huskys verschwinden, dreht Jack Miller allmählich durch.
Die bildhaft-eindringlichen Beschreibungen Michelle Pavers unterstützen den eindrucksvollen und packenden Roman, der durch die Form des Tagebuchs unmittelbar alle Eindrücke und Empfindungen Jack Millers an den Leser weitergibt. Die Atmosphäre, die Lebendigkeit der Arktis gepaart mit der Weite, der Kälte und später der Dunkelheit berühren am Herzen, lassen die Geschichte gleich um ein mehrfaches spannend erscheinen. Dazu bei trägt der leidenschaftliche Stil der Autorin und der gekonnte Schachzug, das Grauen nur langsam Gestalt zu verleihen, ihm aber auch keine endgültige Form zu geben. Erst ganz am Ende wird ein Eindruck vermittelt und doch bleibt das Grauen stets ein diffuser Schimmer am Rande.
Das alles täuscht über die Geschichte hinweg, die einfach gestrickt ist und erst ab der zweiten Hälfte an Tempo gewinnt. Die Handlung ist zwar kein notwendiges Übel, aber sie dient dem Zweck dem Grauen eine Grundlage seiner Existenz zu geben.

Fazit

„Dein Ende wird dunkel sein“ ist ein überraschend düsterer Roman für kalte und dunkle Nächte, zum unter-die-Bettdecke-kriechen und wohligem Grusel. Jugendliche sind das vorrangige Zielpublikum, doch auch Erwachsene dürften sich mit der schaurigen Geschichte bestens unterhalten fühlen. Michelle Paver macht wenig falsch, allein die Handlung wäre ausbaufähig gewesen.

4 von 5 Punkten

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