Freitag, 14. Dezember 2012

Rezension: Das Ikarus-Projekt 2. Im Zwielicht (Jackie Kessler / Caitlin Kittredge)

Egmont LYX
Klappenbroschur, 528 Seiten
ISBN 978-3-8025-8355-1
9,99 €


Ein kurzer Einblick

EINST WAREN SIE HELDEN …Eine Gruppe ehemaliger Superhelden droht Amerika in Schutt und Asche zu legen. Für die Everyman Society, die alle Superhelden verachtet, ist das ein gefundenes Fressen. Sie hetzt die Bevölkerung gegen die Außermenschlichen auf – auch gegen jene, die nach wie vor die Menschen zu schützen versuchen. Die beiden Superheldinnen Jet und Iridium müssen sich erneut zusammentun, um ihre Stadt vor dem Chaos zu bewahren …

Bewertung

»Im Zwielicht« ist wie »Schatten und Licht« ein Gemeinschaftswerk der Autorinnen Jackie Kessler und Caitlin Kittregde. In »Schatten und Licht« lüftete sich das Geflecht aus Lug und Trug des weltumspannenden Konzerns Corp-Co, doch noch ist Jets und Iridiums Kampf gegen die Wahrheit nicht gewonnen. Wie gehabt verliert sich die strickte Aufteilung von Schwarz und Weiß in einer Dämmerung des Grautons, in dem das Böse auf der Seite des Guten kämpft und sich das Gute überwinden muss mit dem Bösen zu paktieren, um in diesem Kampf den Sieg davon tragen zu können. So liegt es einmal mehr an Jet und Iridium, den Kampf gegen das Chaos und die Everyman Society anzuführen. Wir erinnern uns: Iridium zerstörte das Kontrollzentrum von Corp-Co, das die Superhelden zu willenlosen Sklaven ohne eigenen Willen degradierte. Mit dem Ende von Corp-Co endete die Versklavung und der Zorn der Außermenschlichen richtete sich gegen die Bevölkerung von New Chicago.
Hier setzt »Im Zwielicht« an. New Chicago versinkt im Ausnahmezustand. Chaos, Zerstörung und Diebstahl liegen an der Tagesordnung. Die Polizei ist gegen die abtrünnigen Superhelden machtlos. Die Bevölkerung verkriecht sich in ihren Wohnungen, in vermeintlicher Sicherheit. Jet und ihre Freunde, die die Wahrheit um Corp-Co kennen, leisten Widerstand, um New Chicago vor dem Zorn der Außermenschlichen zu schützen. Doch ihre Kräfte sind nicht grenzenlos. Die Abtrünnigen sind viel zu zahlreich, als dass ein paar in Ketten gelegte Helden einen Unterschied ausmachen könnten. Zu allem Übel muss Jet gegen ihre eigene Schattenmacht ankämpfen, die sie zu übermannen droht. Die sensationsgeile Presse, die Erschöpfung durch die nicht endenden Kämpfe und durch fehlenden Schlaf treiben Jet an den Rand des Wahnsinns. Die Schattenstimmen belagern ihren Verstand ...
Jet hat keine Wahl: Sie muss ein weiteres Mal ein Bündnis mit Iridium eingehen, die ihre eigenen Pläne ausheckt. Es gilt nicht nur, New Chicago vor den Abtrünnigen zu schützen, sondern auch die Everyman Society aufzuhalten, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, ausnahmslos alle Superhelden zu vernichten. Um dieses Ziel zu erreichen, fährt die Everyman Society schweres Geschütz auf, gegen das Jet und Iridium kaum eine Chance haben.

Am Aufbau des Romans haben Jackie Kessler und Caitlin Kittredge nichts geändert. Kurze, knackige und verdammt spannend inszenierte Kapitel reißen den Leser in einem unerbittlichen Sog mit. Die Superhelden und ihre Kräfte sind kreativ und vielfältig um- und eingesetzt, sodass keine Langeweile aufkommen kann. Ebenso ist die Aufteilung in Heute und Damals geblieben. Alleinig der »Damals«-Handlungsstrang wurde gegen einen neuen ausgetauscht. Vergangenheit und Gegenwart greifen nahtlos ineinander über, sodass Flashbacks nicht die geringste Chance haben den Ansatz von Reizlosigkeit zuzulassen. Der neue Handlungsstrang beleuchtet die Vergangenheit von Jets und Iridiums Eltern. Damit wird nicht nur erklärt, was damals wirklich tragisches vorfiel, sondern auch, warum Jet und Iridium sich so und nicht anders entwickelt haben. Konsequenterweise erhält Iridiums Vater, gefangen im Hochsicherheitstrakt des Blackbird Gefängnisses, denn auch eine Schlüsselrolle.
An der Verzahnung von Vergangenheit und Gegenwart wird aber auch deutlich wie eng verzahnt und durchdacht die Welt der Autorinnen Kessler und Kittregde mit Beginn von »Schatten und Licht« an ist. Freundschaft, Vergebung und Respekt gegenüber allen Mitmenschen und Außermenschlichen sind wichtig; dies wird im Verlauf der Handlung mehr als deutlich. Einzelgänger haben es im Leben schwerer, als wenn feste Freunde unterstützen, helfen und aufmuntern. Die wahre Kraft des Lebens liegt nicht im eigenen Herzen, sondern entsteht durch Vertrauen und gegenseitige Hilfe.

Fazit

Handlung und Qualität knüpfen mühelos an den ersten Roman der Reihe »Das Ikarus-Projekt« an. Kessler und Kittredge bescheren dem Leser ein packend inszeniertes Abenteuer mit faszinierenden, unausgelutschten Charaktereigenschaften von Superhelden im Kampf gegen die Mächte, die das Geschlecht der Außermenschlichen ausrotten möchten. Allein die vielen Perspektiven könnten mit all den Namen gerade anfangs, bis man mit den Charakteren warm geworden ist, verwirren.

4 von 5 Punkten

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