Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Das Ikarus-Projekt 1: Schatten und Licht (Jackie Kessler & Caitlin Kittredge)

Egmont LYX
Klappenbroschur, 544 Seiten
ISBN: 978-3-8025-8354-4
9,95 €


Ein kurzer Einblick

Die Wahrheit liegt in den Schatten zwischen Gut und Böse

An der Akademie für Menschen mit übernatürlichen Kräften waren Iridium und Jet beste Freundinnen. Inzwischen sind sie jedoch verfeindet bis aufs Blut. Während Jet ihre Kräfte dazu benutzt, die Einwohner von New Chicago zu beschützen, herrscht Iridium über die Unterwelt der Stadt. Doch hinter der strahlenden Fassade der Akademie verbirgt sich ein finsteres Geheimnis. Jet und Iridium finden sich in einem Mahlstrom der Intrigen wieder, in dem die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt …

Bewertung

Sowohl Jackie Kessler, als auch Caitlin Kittredge haben sich bisher im Romantic-Genre heimisch gefühlt. Von daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Autorinnen auch in ihrem ersten gemeinsamen Projekt die Liebe knistern lassen. Der Vollständigkeit halber muss dies erwähnt werden, ködert dies doch sicherlich auch potentielle Leser, fällt ansonsten jedoch unter den Tisch, denn „Schatten und Licht“ ist alles andere als ein romantischer Roman schmachtender Leiber.
Superman, Batman, Iron Man, Spider-Man, X-Man, Fantastic Four – Superhelden und Gruppierungen, die jeder kennt. Es wird Zeit, dass neue Helden die Bühne des Ruhmes betreten: Jet und Iridium!
Kinder sind formbar. Und so bereitet die Akademie für Superhelden die Helden von Morgen schon früh auf ihr zukünftiges Leben als vermarkteter Star vor. Wer nicht im Rampenlicht steht, fristet ein trostloses Superheldenleben im Hintergrund ab. Outfit, Auftritte in der Öffentlichkeit, Interviews im TV – ein Superheld zu sein, ist ein Job und eine Maskerade; immer schön Lächeln für die Kameras und nebenbei die Schurken hinter Gitter bringen. Es ist kein Leben, das Jet sich insgeheim wünscht, doch als gefeierter Star bleibt ihr nichts anderes übrig. Iridium hingegen hat sich dem Medienrummel entzogen und lebt als Abtrünnige in der Unterwelt der Stadt. Einst Freunde – nun erbitterte Feinde, sind die beiden Gegenspieler in einem Geflecht aus Lug und Trug gefangen. Durch die Beleuchtung ihres Lebens (Damals und Heute), gewinnen Jet und Iridium eine Dreidimensionalität, dass beide Figuren dem Leser ans Herz wachsen. Die scheinbare anfängliche Aufteilung von Gut (Jet) und Böse (Iridium), verschwimmt schon, während der Leser mehr und mehr über ihre Kindheit erfährt, bevor sich die beiden Extreme komplett in einem durchwachsenen Grauton verlieren. Geschickt beeinflussen Kessler und Kittredge den Leser, der sich stets in einer recht geradlinigen Handlung wähnt. Umso mehr jedoch Böse und Gut verschwimmen, umso mehr dämmert es, dass etwas viel Größeres hinter der Fassade der Superhelden, der Akademie, der Farce aus Vermarktung und Geldgewinn lauert, denn ein stupider persönlicher Kampf zwischen Jet und Iridium.
In dieser undurchsichtigen Geschichte, viele Handlungsaspekte können natürlich erraten werden, fließen Themen wie das Schwulsein ein, wovon die Autoren damaliger Comichelden doch lange Zeit die Finger gelassen hatten, bevor sie sich langsam - und vorsichtig - an das Thema heran getastet haben. Ein zweites Thema, um bei zwei Beispielen zu bleiben, setzt die Macht der Superhelden in ein fragwürdiges Licht, ist deren Macht doch stets den Menschen überlegen. Es wäre doch so leicht, die Menschen als Sklaven zu halten ...
Erwähnt werden sollte noch das düster gehaltene Cover, das gleich durch seinen comichaften Stil suggeriert, dass Superhelden der Handlungsträger sind.

Fazit

Mit „Schatten und Licht“ ist dem Autoren-Duo Kessler und Kittredge ein Start gelungen, der nicht nur überzeugt, sondern auch beweist, dass das Superhelden-Genre noch lange nicht ausgestorben ist. Glücklicherweise ist dies erst der erste Band einer beginnenden Serie, sodass der Leser sich auf weitere Bände freuen darf.

4 von 5 Punkten

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