Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Das Haus (Mark Z. Danielewski)

Klett-Cotta
Hardcover, 797 Seiten
ISBN-13: 978-3-608-93777-0

29,90 €

Ein kurzer Einblick

Der Pulitzer-Preisträger Will Navidson zieht mit seiner Familie in das Haus ein. Was den Neubeginn einer Ehe in der Krise markieren sollte, entzweit schon bald die Familie gänzlich, denn das Haus besitzt Dimensionen, Unbegreiflichkeiten und ein unterschwelliges Grauen, die der menschliche Verstand nicht verstehen kann.

Bewertung

Was Mark Z. Danielewski hier zu Papier gebracht hat, ist ein komplexes, lebendes Wesen, das den Leser fordert, an den Rand der Verzweiflung bringt und doch niemals den roten Faden verliert – und damit unentwegt eine gänzlich andere Spannung aufrecht erhält, als ich sie von gewöhnlichen Romanen her kenne.
„Das Haus“ ist zum einen ein fiktiver Film (1. Handlungsebene), zum anderen aber auch die analysierende Beschreibung eben dieses Films aus zusammengetragenen Notizen Zampanòs (2. Handlungsebene) und zum letzten kommentiert Johnny Zampanòs Werk, erzählt aber auch Bruchstücke seines Lebens in Fußnoten (3. Handlungsebene). Was sich so schon kompliziert anhört, greift dennoch kongenial ineinander und wirkt weniger wie ein Roman, sondern tatsächlich wie eine spannend aufbereitete Dokumentation.
Wer dieses Werk genießen will, muss sich drauf einlassen, muss sich mit dem Text auseinandersetzen, muss aktiv lesen und muss sich vor allem Zeit nehmen, sonst wird einen dieses Werk überfordern. Eingebaute Interviews, mehrere hundert Fußnoten, Fußnoten in Fußnoten, Verweise in den Anhang, Sekundärtexte und Aussagen von verschiedensten Menschen lassen den Eindruck entstehen, man lese die Analyse eines Films, die allerdings durchwachsen ist von der darin erzählten Familiengeschichte, und keinen Roman. Doch dabei bleibt es nicht. Damit nicht nur durch die ohnehin schon aufwändige Erzählweise ein Werk monströsen Ausmaßes entsteht, wird der Satzspiegel zusätzlich zur visuellen Darstellung genutzt, sodass der Leser in zweifacher Hinsicht ein phantastisches Abenteuer durchlebt.
Ich erwähnte schon die Spannung. Sie entsteht nicht durch eine flotte Erzählweise, kantige Figuren, Blut und Gewalt, nein, sie entsteht durch die bedächtige Erzählweise, den visuellen Ausdruck und die scheinbare Echtheit durch Interviews und Sekundärtexte. Der Roman baut weniger auf Effekte, sondern viel mehr auf eine bestens gelungene Atmosphäre voller Geheimnisse und dunkler Spannung – voraussehbar ist anders, irreführend ist genau richtig.
Einem Genre zuordnen kann man „Das Haus“ nur schwerlich. Am ehesten steckt man es noch in die Schublade des Horrors, des Grusels, aber auch der Liebesgeschichte.

Fazit

Mark Z. Danielewski ist ein wahres Monster gelungen. Vielschichtig und kongenial erzählt er nicht nur den Zusammenbruch einer Ehe, sondern auch von der Faszination des Unbegreiflichen. Für diesen Ziegelstein von Roman sollte man sich Zeit nehmen – man sollte ihn aber auch gelesen haben.

5 von 5 Punkten

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