Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Das Haus an der Grenze (William Hope Hodgson)

Festa Verlag
Taschenbuch, 174 Seiten
ISBN 978-3935822428
12,95 €


Ein kurzer Einblick

1877, Westirland: Zwei Wanderer entdecken in einer abgelegenen Gegend ein verfallenes Haus. In den Ruinen stoßen sie auf ein Manuskript, das die Geschichte des Besitzers erzählt. Unheimliche Dinge, unirdische Kreaturen und teuflische Kräfte haben einstens an diesem Ort gewirkt ...

Bewertung

Die Rahmenhandlung der zwei Wanderer ist schlicht, aber effektiv: Stimmungsvoll wird die Landschaft eingeführt und erste unheimliche Aktivitäten treten in Erscheinung. Besagtes Gebäude liegt verborgen in einem kleinen Tal. Unter den Einwohner eines nahe gelegenen Dorfes gilt es als verrucht, denn der Teufel selbst soll es errichtet haben. Als der Ich-Erzähler mit Schwester und Hund Pfeffer in das Haus einzieht, beginnen sich die dunklen Kräfte erneut zu regen. Der Protagonist passt mit seiner sonderlichen Art trefflich in das Gesamtbild der Erzählung. Doch die Ruhe wird gestört als schweinsartige Wesen das Anwesen angreifen. Bösartige Mächte greifen um sich und ein Portal in Zeit und Raum öffnet sich ...
Bis hierher präsentiert sich der Roman als hochspannende Lektüre; das Erkunden der Umgebung, die unheimlichen Vorkommnisse sind eines düster-atmosphärischen Schauerromans würdig. Mit kraftvollen Bildern und einem poetischen Stil fordert William Hope Hodgson nicht geringfügig die Aufmerksamkeit der Leser. »Das Haus an der Grenze« ist sprachlich nicht bescheiden, aber sehr unterhaltend, auch wenn unzählige Fragen offenbleiben. Wer hat das Haus erbaut? Woher kommen die Schweinskreaturen? Dies sind verzeihliche Fragen, kennt der Erzähler doch selbst nicht die Antworten.
Mit der Vision des Protagonisten des vergehenden Universums nimmt die Spannung rasant ab und baut sich eine tödliche Langeweile auf. Jahrmillionen des Sterbens des Planeten Erde und des Sonnensystems werden geschildert. Wortgewaltig setzt der Autor die astronomischen Vorgänge in Bilder um, die einem das Gefühl geben durch Zeit und Raum zu reisen. Die immer wiederkehrenden Beschreibungen von Werden und Vergehen, in leicht abgewandelter Form, beginnen auf Dauer anzuöden. Am Anfang und Ende allen Seins steht das verrufene Haus - doch antworten des Warums werden auch hier nicht gegeben.
Zwar schreibt der Protagonist sein Manuskript selbst, erzählt jedoch aus einer seltsam passiv erzählerischen Sicht, sodass der Leser stets auf Abstand gehalten wird. Eine Dynamik, die den Leser fesselt, gibt es nicht. Stattdessen sind wir auf den Beobachtungsposten verdammt worden und müssen der Ereignisse harren, die da kommen, anstatt aktiv ins Geschehen eingebunden zu werden.

Fazit

»Das Haus an der Grenze« mischt Horror, Phantastik und Science-Fiction. Der Roman vermag einen faszinierenden Handlungsbogen aufzubauen, der leider in endlosen Beschreibungen eines zwar schillernd erzählten, aber todlangweiligen Vergehens des Sonnensystems mündet. Was bleibt ist ein durchschnittlicher Roman, an den der Autor noch kräftig Hand anlegen hätte müssen, um ein abgerundetes Leseerlebnis zu bieten.

3 von 5 Punkten

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