Samstag, 15. Dezember 2012

Rezension: Das böse Mädchen (Mario Vargas Llosa)

Suhrkamp Verlag
Taschenbuch, 396 Seiten
ISBN: 978-3-518-45932-4
9,90 €


Ein kurzer Einblick

Seit Ricardo das böse Mädchen im jugendlichen Alter in Peru kennen gelernt hat, scheinen ihre beiden Lebenswege irgendwie miteinander verbunden zu sein. Im Laufe seines Lebens trifft er sie immer wieder, allerdings in den verschiedensten Rollen. Auch wenn sie nicht lange bleibt, scheinen beide doch irgendwie zusammen zu gehören, zufällig oder gewollt…

Bewertung

„Das böse Mädchen“ ist keine Liebesgeschichte im klassischen Sinne. Zwar scheint Ricardo Zeit seines Lebens in das böse Mädchen verliebt zu sein, doch ob dies auch auf Gegenseitigkeit beruht ist nie recht klar. Auch wenn das böse Mädchen immer wieder in sein Leben tritt, ist dies doch zumindest in einigen Fällen doch eher zufällig und wenn es doch von ihr so arrangiert wirkt, ist man sich nie ganz sicher, ob sie ein Wiedersehen aus Liebe herbeiführt hat oder eher, um aus Ricardos Verliebtheit Nutzen zu schlagen.
Im Grunde ist sich auch Ricardo ihrer Beweggründe nie richtig bewusst, doch schafft er es nicht sich von ihr zu lösen. Dabei ist für den Leser eigentlich weniger verständlich, woher diese Liebe oder auch nur Fasziniertheit ruht, die er für das böse Mädchen empfindet. Nicht nur, dass die beiden komplett verschieden sind, zudem ist das böse Mädchen auch noch die meiste Zeit sehr hochnäsig und herablassend zu Ricardo und nie gelingt es ihr sich ihm richtig zu öffnen. Doch gerade das scheint es zu sein, was ihn so sehr an ihr fasziniert.
Allerdings spielt auch die Sexualität eine entscheidende Rolle. Meist ist ihr Verhältnis, zumindest am Beginn des Wiedersehens, doch sehr stark durch eine sexuelle Verbindung geprägt, auf die zum Teil doch etwas zu ausführlich eingegangen wird. Doch auch darauf scheint vor allem Ricardo aus zu sein, wohingegen das böse Mädchen meist gleichgültig wirkt. Daher kann man sich als Leser nie richtig sicher sein, ob Ricardos Liebe wirklich durch tiefe Gefühle geprägt ist oder nicht eher durch eine sexuelle Anziehungskraft.
Trotz all dem ist das Leben der beiden miteinander verbunden und egal, was passiert, irgendwie treffen sie immer wieder aufeinander. Das bewirkt natürlich auch, dass sie sich mit der Zeit immer besser kennen lernen und sogar einzelne Momente erleben, in denen das böse Mädchen sich kurzzeitig öffnet und verliebt wirkt. So kommt man am Ende doch eher zu der Einschätzung, dass es mehr Schicksal als Kalkül sein muss. Allerdings weckt diese Ungewissheit gerade auch die Spannung beim Lesen und lässt den Leser neben dem wunderbaren Erzählstil Mario Vargas Llosas nur so über die Seiten fliegen.

Fazit

Eine etwas andere Liebesgeschichte, die zwei Menschen zwar über viele Jahre verbindet, bei der man sich aber nie über die Quellen der Liebe bzw. über die tatsächlichen Gefühle von beiden sicher sein kann. Trotzdem fasziniert diese wunderbar erzählte Geschichte.

3,5 von 5 Punkten

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