Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Das Bildnis des Dorian Gray (Oscar Wilde)

Suhrkamp/ Insel Verlag
Taschenbuch, 299 Seiten
ISBN: 978-3-458-35123-8
6 €


Ein kurzer Einblick

Dorian Gray ist ein hübscher Jüngling, den jeder gerne um sich hat. Als er ein fertiggestelltes Gemälde von sich sieht, äußert er die Hoffnung ewig jung und schön zu bleiben und so sein Leben ewig genießen zu können. Das hat ungeahnte Folgen: Statt ihm muss nun sein Bildnis die Last seines Alters und seiner Seele tragen…

Bewertung

Es ist ein wohl bekannter Wunsch, das Streben nach ewiger Jugend, der einem in der Literatur schon das ein oder andere Mal über den Weg läuft. Doch handeln diese Geschichten im Faustchen Sinne meist davon, dass jemand seine Seele an jemand anderen verkauft und dieser andere die Seele irgendwann einfordert.
Doch Oscar Wilde hatte bei seinem einzigen Roman eine außergewöhnliche und einzigartige neue Idee, nämlich die Übertragung des Prozesses der Verbrauchung auf einen anderen Gegenstand, nämlich auf ein Porträt, erschaffen. Im Gegensatz zur Faustchen Variante des Seelenverkaufs ist Dorian Gray dadurch immer wieder mit seinem Verkauf konfrontiert. Er besitzt dieses Bildnis, das irgendwie mit ihm zusammenhängt, und muss sein Leben mit der ständigen Furcht, das Bildnis könnte entdeckt werden, bzw. mit der ständigen Furcht vor dem Aussehen des Bildes, leben. Dies bürgt natürlich eine große Belastung, die im Buch spannend zu verfolgen ist.
Allerdings kann man auch eine Ähnlichkeit zum Faust-Stoff erkennen, denn Dorian Gray lässt sich stark von Lord Henry beeinflussen, der ihn immer mehr zu charakterlichen Schlechtigkeiten verleitet. Dabei ist es interessant zu verfolgen, wie sich eine Person charakterlisch entwickelt, wenn sie weiß, dass sie ihre Schönheit und Jugend ewig behalten wird. Aber auch das Leben eines Menschen, der ohne Bedacht auf die Zeit leben kann, ist spannend mit zu erleben. Allerdings ist es für den Leser auch nicht ganz leicht nicht den zeitlichen Überblick zu verlieren. Da nicht viele Angaben darüber gemacht werden, wie alt Dorian Gray in bestimmten Situationen ist, verliert man schnell den Überblick wie lange bestimmte Dinge in seinem Leben schon zurückliegen und wie alt andere Protagonisten bereits sein müssen.
Da außerdem auf relativ wenig Seiten eine relativ lange Zeit seines Lebens erzählt wird, kommen einige Dinge doch auch sehr kurz und so werden Personen etwa nur kurz erwähnt, so dass es schwierig ist bei der Vielzahl von Personen, über die nur einmal kurz etwas berichtet wurde, diese bei einer späteren erneuten Erwähnung einzuordnen. Als Leser fragt man sich als zudem schon das ein oder andere Mal, wie es sein kann, dass Personen, die Dorian Gray seit seinem Seelenverkauf kennen, nicht stutzig werden und nachfragen, wie es sein kann, dass er immer noch wie ein Jüngling aussieht. Daher wirkt das späte Auftreten dieser Frage doch etwas konstruiert.
Für Leser ohne Französisch-Kenntnisse ist es zudem nicht möglich den kompletten Roman zu verfolgen, da es Passagen in Französisch gibt. Hier wäre eine Übersetzung im Anhang hilfreich gewesen.
 

4 von 5 Punkten

 
Wir danken dem Suhrkamp/Insel-Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

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