Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Dämonenfeuer (Michael Laimo)

Otherworld
Klappenbroschur, 272 Seiten
ISBN 978-3-8000-9519-3
12,95 €


Ein kurzer Einblick

Eine vergessene Kirche ohne Gemeinde ... aber nicht leer. Tief unter ihren Gewölben ruht eine Holzkiste, die nie geborgen werden sollte. Als die Kirche jedoch letztlich renoviert wird, stoßen Bauerbeiter darauf ... und entfesseln eine grauenhafte Macht. Pater Pilazzo beaufsichtigt die Renovierung und träumt davon, den alten Glanz der Kirche wiederherzustellen – ein Traum, der sich zu einem Albtraum wandelt, als in den Mauern der heiligen Stätte Menschen gegen Dämonen ums nackte Überleben kämpfen müssen ...

Bewertung

Das Mauerwerk der Kirche St. Peter ist marode, die Gottesdienste sind kaum mehr gefragt und der Stadt ist die Kirche schon lange ein Dorn im Auge. Glücklicherweise gibt es ein Schlupfloch im Vertrag; die Kirche soll nach über 100 Jahren kurzerhand abgerissen werden. Im Vergessenen verborgen, tief unter der Kirche begraben liegt ein grausiges Geheimnis, das niemals mehr das Tageslicht erblicken sollte. Leider scheren sich Bauarbeiter wenig um derlei Dinge … und graben den Rosenkranz Gottes und den Kelch des Bösen aus.
Ich wage zu behaupten, dass das Cover eine Mogelpackung ist und möglicherweise ein Schockerlebnis bei Lesern auslösen könnte; zugespitzt ausgedrückt. Der Klappentext ist schon ehrlicher als das Cover und lässt eine blutigere Handlung vor dem geistigen Auge entstehen. Und warum auch nicht? Blutiger, atmosphärischer Horror ist gern gesehen und immer akzeptiert. Doch was sich letztendlich präsentiert, nennt man im Filmgeschäft B-Movie, im Genre Splatter-Horror und wer es etwas flappsig ausdrücken möchte, nennt es blutige Unterhaltung. Die Atmosphäre geht schon auf den ersten Seiten in den Ruhestand und überlasst Gott und Satan das Schlachtfeld.
Religiös ist „Dämonenfeuer“ allerdings keineswegs. Zumindest nicht in Hinsicht auf Belehrungen und Bekehrungen. Für ein Splatter-Gefecht sind die Krieger Gottes mit dem reinen Herzen natürlich vonnöten. Himmel versus Hölle: Möge der Kampf zwischen Obdachlosen und Bauarbeitern beginnen; den Streitern des Guten und des Bösen. Der Rosenkranz steht den Obdachlosen bei, der (heilige Gral?) Kelch weckt in den Bauarbeitern das Böse, die Lust nach Blut und Gewalt.
Charaktere werden von Michael Laimo nur angerissen. Ihre Ausgestaltung ist unausgegoren. Gleiches gilt für die (teilweise gestelzten) Dialoge und die Handlung gleichermaßen. Tiefe wurde wohl für unnötig befunden, denn die meisten Figuren sind dem Kanonenfutter zuzurechen. Oder: Wo genug Blut fließt, ist für Tiefe kein Platz mehr? Vielleicht hat Laimo dies beabsichtigt; dann aber hätte er die Ansätze zu Atmosphäre und Figurenentwicklung auch gleich weglassen können.
Blut wechselt sich mit Blut ab. Schreie, Todeskrämpfe, Verbrennungen und schlimmste Verletzungen geben sich die Klinke in die Hand. Blutige Stigmata, besessene Bauarbeiter, die jeden und alles Opfern, und apocalyptische Visionen wechseln sich in einem stetigen, schneller werdenden – sagte ich schon: blutigem? - Reigen ab.
Und Pater Pilazzo, Ex-Priester der Kirche St. Peter, der ohne Sünde, ist die letzte Hoffnung der Menschheit. Nur er und die Obdachlosen können das Böse in seine Schranken verweisen.

Fazit

Ob Mogelpackung oder nicht: „Dämonenfeuer“ ist selbst für einen Splatterroman keine echte Empfehlung. Für leichte Unterhaltung zwischendurch langt es. Für jene, die in jedem Satz sinnlose Blutorgien genießen möchten, langt es noch mehr. Doch die Mehrheit sollte lieber zu einem Richard Laymon oder Brian Keene greifen.

2 von 5 Punkten

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