Dienstag, 4. Dezember 2012

Rezension: Chronik eines angekündigten Todes (Gabriel García Márquez)

Fischer Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 120 Seiten
ISBN: 978-3-596-16253-6
7,95 €


Ein kurzer Einblick

Weil sie nicht mehr Jungfrau ist, wird Angela Vicario noch in der Hochzeitsnacht von ihrem Ehemann wieder nach Hause geschickt. Nun befinden sich ihre beiden Zwillingsbrüder im Zwang der Traditionen in der Lage, dass sie Santiago Nasar töten müssen, der Angela die Jungfräulichkeit geraubt haben soll, um Angelas Ehre wieder herzustellen. Ob sie wollen oder nicht…

Bewertung

Es ist einmal etwas anderes, wie Gabriel García Márquez in diesem Roman die Handlung beschreibt. Diesmal ist es nicht so, dass der Leser gespannt darauf hin liest, was wohl als nächstes passieren wird bzw. wie das Buch enden wird. Im Gegenteil ist es so, dass man bereits weiß, was am Ende passiert und über 120 Seiten lesen kann, wie es dazu kommt. Diese andere Sichtweise nimmt zwar die Spannung darüber, was am Ende passieren wird, aber trotzdem ist der Roman keineswegs langweilig.
Der Leser kann mit verfolgen, wie es zu einem Mord kommt, der eigentlich von niemand richtig gewollt ist. Dabei ertappt man sich das ein oder andere Mal sogar dabei, wie man für den noch nicht Ermordenden hofft, obwohl man eigentlich weiß, dass es für ihn keine Hoffnung gibt. Zudem ist es spannend zu lesen, wie trotz vieler Versuche den Mord nicht ausführen zu müssen, eine Reihe unglücklicher Zufälle trotzdem das unausweichliche Ende bringt.
Hier ist auch das Verhältnis zwischen dem Zwang der Traditionen, die eigentlich schon völlig überholt sind, und dem Einhalten dieser Traditionen spannend. Obwohl beide Brüder versuchen, die Tradition zu umgehen, können sie sich nicht richtig von ihr lösen. Hierbei spielt auch eine Rolle, dass es sich um ein Duo handelt, das es in der Zwangslage nicht schafft sich gegenseitig von seinem Plan abzubringen. Aber auch die Dorfgesellschaft ist wichtig. Obwohl fast alle von dem geplanten Mord wissen, gelingt es nicht ihn zu verhindern. Dabei wird deutlich, wie auch die gesamte Gesellschaft durch die traditionellen Verhaltensweisen und durch die Beziehung zu bestimmten Personen zwiegespalten ist.
Da zudem alle Dorfbewohner in enger Verbindung zueinander stehen, ist auch die Reaktion der einzelnen Personen, etwa auch des Erzählers, der nach dem Mord in das Dorf zurückgekehrt ist und nun vom Mord berichtet, interessant zu verfolgen. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Schuld Nasars auf Grund der Berichterstattung doch stark angezweifelt werden kann.

3,5 von 5 Punkten


Wir danken dem Fischer Taschenbuch Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar.

1 Kommentar:

  1. Hellooow :D

    Ich liebe die Bücher von Márquez aber "Chronik eines angekündigten Todes" hat bei mir nur Albträume veursacht T_T Was ich toll fand, war es, dass Aureliano Buendia erwähnt wurde :)
    In einem Punkt des Buches wurde es richtig gesagt, man hätte die zwei von ihrer "Pflicht" entlasten können.

    Schöne Lesegrüße,
    Lumina -^^-

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