Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Cabal (Clive Barker)

Edition Phantasia
Klappenbroschur, 216 Seiten
ISBN: 978-3-937897-15-8
14,90 €

Ein kurzer Einblick

Dr. Decker, vorgeblich ein angesehener Psychiater, ist in Wahrheit ein Serienmörder, der seine barbarischen Taten unter einer Maske verborgen begeht. Als sein Patient Boone die Untaten in Träumen sieht, stellt Decker ihm eine Falle, um ihm die Morde in die Schuhe zu schieben. Doch in seinen Träumen erblickt Boone noch einen anderen Ort, Midian, eine unterirdische Stadt der Ausgestoßenen und Monster, die er verzweifelt sucht. Erst als er auf Betreiben Deckers von der Polizei erschossen wird, findet er jedoch das Ziel seiner Träume und erkennt, welches Schicksal ihm vorherbestimmt ist.

Bewertung

Clive Barker, Autor von „Die Bücher des Blutes“, entwirft in „Cabal“ ein Trauerspiel der Unschuld und eine innige Liebesbeziehung, die über den Tod hinausgeht. Dabei ist Boone doch nur dem falschen Spiel des angeblichen Psychiaters Dr. Decker verfallen, der Boone als Opfertäter für seine eigenen bestialischen Morde ausgesucht hat. Doch – immer und immer wieder wurde es ihm von Dr. Decker eingetrichtert – irgendwann glaubt Boone an seine Schuld, dass er die Morde begangen hat – und will sich daraufhin umbringen. Diagnose Selbstmordversuch: fehlgeschlagen. Doch ... vielleicht kann er Hilfe in Midian finden, einem Ort der Monster, ein Ort der Zuflucht für gestrandete (menschliche) Kreaturen. Midian ist ein Ort der Nachtbrut, das Ziel seiner ganzen Hoffnung, seiner größten Enttäuschung und doch irgendwie auch seiner erfüllte Hoffnung.
Mit einer unglaublich tiefen Dichte an Atmosphäre zeichnet Clive Barker eine düstere und karge Landschaft der Trostlosigkeit, die im starken Kontrast zur ausgefeilten Charaktertiefe steht, sodass man sich unwillkürlich auf die Figuren konzentriert. Barkers Figuren wandeln zwischen Wahnsinn und etwas, das Unbeschreiblich ist. Normalität ist kaum (überhaupt?) vorzufinden. Dr. Decker leidet unter Schizophrenie, der Polizist Eigerman schreitet für seine Karriere über Leichen und Gewissenlosigkeit, Boone hat seine eigenen seelischen Probleme, die stets etwas im unklaren schwimmen und ihn so geheimnisvoll wie die Nachtbrut machen; und auch seine Frau Lori vermag ihre Liebe zu Boone nicht verlieren, selbst als er zum Monster, ein Angehöriger der Nachtbrut geworden ist.
Immer weiter schwingt sich der Kreisel der Gewalt in die Höhe, immer stärker treten die Monster zum Vorschein, geben ihre wahren Identitäten preis. Die Monster sind dort zu finden, wo sie am ehesten erwartet werden sollten; wo der Blick am ehesten beschämt abgewendet wird. Die Menschlichkeit hingegen, ja, sie wird an Orten gefunden, wo man am letzten nach ihr gesucht und sie vermutet hätte.
Zwischen all dem Wahnsinn - menschlichen Abgründen und monströser Menschlichkeit - begründet sich die Handlung auf dem mythischen Boden des Baphomet. Er ist es, der Midian geschaffen hat und dafür sorgt, dass die Nachtbrut ein Zuhause hat, einen Ort der Geborgenheit. So fremd uns das vielleicht auch erscheinen mag ...

Fazit

„Cabal“ ist ein zutiefst bedrückendes Werk der Gewalt und des Monsters im Menschen. „Cabal“ ist aber auch ein zutiefst beeindruckendes Werk, eine Sinnsuche, eine Suche nach dem Grund des Daseins für das Leben; eine Suche nach den Grenzen der Menschlichkeit und der Versuchung diese zu überschreiten. „Cabal“ ist ein beklemmendes Werk, das gelesen werden sollte.

5 von 5 Punkten

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