Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Burgers Tochter (Nadine Gordimer)

Berliner Taschenbuch Verlag
Taschenbuch, 431 Seiten
ISBN: 978-3-8333-0598-6
10,50 €


Ein kurzer Einblick

Rosa ist die Tochter von weißen Apartheid-Gegnern. Nachdem ihre Eltern beide verhaftet werden und im Gefängnis sterben, muss sie sich alleine zurechtfinden. Dabei muss sie versuchen sich vom Vermächtnis ihres heldenhaften Vaters zu lösen und ihr eigenes Leben zu führen.

Bewertung

Es ist eine interessante Grundidee, die Nadine Gordimer in diesem Roman behandelt, denn daran beschreibt sie, wie es wohl für Kinder von bekannten Persönlichkeiten ist damit zu leben, dass sie immer wieder mit ihren Eltern in Verbindung gebracht werden. Da der Roman zudem noch während der Apartheid in Südafrika spielt und Rosas Eltern außerdem noch Apartheid-Gegner waren, die sich entgegen der Mehrzahl der weißen Bevölkerung, für die schwarze Bevölkerung in Südafrika eingesetzt haben und deshalb ihr gesamtes Leben lang unter Beobachtung standen, bürgt der Roman zusätzlich noch einmal ein interessanteres Thema. Diese Grundidee wird allerdings im Roman nur soweit aufgegriffen, dass deutlich wird, dass es Rosa trotz aller Bemühungen nicht gelingt aus diesem ständigen in Verbindung bringen mit ihrem Vaters auszubrechen. Einfach auf Grund ihres Namens steht sie immer unter Beobachtung und obwohl sie eigentlich nicht vor hatte in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten, gelingt es ihr nicht sich von seinem Andenken zu lösen, auch nicht, als sie Südafrika verlässt. Die Erwartungen, dass sie das Werk ihrer Eltern fortsetzt, sind allgegenwärtig und für sie daher schwer zu durchbrechen.
Abgesehen von dieser Aussage, die der Roman enthält, und dem Mut, den man Nadine Gordimer dafür hoch anrechnen muss, dass sie „Burgers Tochter“ noch während der Apartheid in Südafrika geschrieben hat und darin auch die Ungerechtigkeiten der Apartheid anspricht, sticht jedoch nicht mehr Positives heraus. Die Grundidee wird nicht interessant weiterentwickelt, sondern man liest seitenweise Erzählungen, die die Handlung nicht im Geringsten voran bringen und auch um die Persönlichkeit Rosas näher kennen zu lernen nicht bedeutend sind. Als es schließlich mit dem Verlassen von Südafrika eine große Veränderung in Rosa Leben gibt, hofft man, dass zumindest das Leben in Europa nun doch eine Überraschung im Handlungsverlauf bringen wird, doch auch dort plätschert die Handlung so vor sich hin.
Es werden Personen eingeführt und deren Geschichten erzählt, die jedoch für die Handlung an sich nicht interessant sind, so dass der Leser zu diesen Personen keine Verbindung aufbauen kann und es teilweise schwer ist bei der Vielzahl an Namen überhaupt noch die Verbindungen der Personen untereinander zu überschauen. Auch Rosa ist keine Persönlichkeit mit der man sich identifizieren könnte. Zwar handelt das gesamte Buch eigentlich nur von ihr, jedoch wird sie dem Leser nicht in der Weise näher gebracht, dass man sich in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen könnte.
Somit ist „Burgers Tochter“ ein besonders auch geschichtlich interessantes Porträt, dass leider wenig Identifizierungsmöglichkeiten bietet und zudem anstrengend zu lesen ist.

2 von 5 Punkten


Wir danken dem Berliner Taschenbuch Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen