Sonntag, 16. Dezember 2012

Rezension: Black Monday (R. Scott Reiss)

Ullstein
Taschenbuch, 480 Seiten
ISBN 9783548281032
7,90 €


Ein kurzer Einblick

Flugzeuge stürzen vom Himmel, Kraftwerke explodieren, Kommunikation und Versorgung brechen zusammen. In kürzester Zeit fällt die zivilisierte Welt zurück ins finsterste Mittelalter, Millionen Menschen sterben. Das Pentagon vermutet eine Welle terroristischer Anschläge. Doch der Virologe Greg Gerard befürchtet Schlimmeres: eine Seuche, die die gesamte Menschheit ausrotten wird. Auf der Suche nach der Ursache der Katastrophe kämpft er sich schließlich allein durch ein Amerika, das in völliger Auflösung begriffen ist. Gejagt von einem perfekten Killer, der alles tun wird, um eine Rettung zu verhindern.

Bewertung

Zwischen 1347 und 1351 brachte die Pest etwa 25 Millionen Menschen um. Schwarze Flecken und Beulen kennzeichneten die erste der acht größten Seuchen Europas. 1494 brachte vermutlich Kolumbus die Syphilis aus Amerika mit, die Schleimhautgeschwüre und geschwollene Lymphknoten verursachte. Am Ende wurde das zentrale Nervensystem zerstört. Das 18. Jahrhundert gilt als Zeitalter der Pocken. Erst regiert das Fieber und der Schüttelfrost, dann wird man von Eiterbläschen verunstaltet. Das Fleckfieber wurde durch die napoleonischen Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts mitgebracht. Fieber, ein rotes, aufgedunsenes Gesicht, Schmerzen in Kopf und Gliedern waren die Folgen. Ende des 19. Jahrhunderts kam die Cholera aus Asien nach Europa. Die Menschen litten an Durchfall und Erbrechen. Typhus brach in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus. Fieber und Bauchschmerzen, manchmal auch Bewusstseinsstörungen waren die Symptome. Ebenfalls in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zerstörte Tuberkulose die Lungen seiner Opfer. Und letztendlich rollte ab 1918 bis 1920 die Spanische Grippe in drei Wellen um die Welt.
Letztendlich? Nein, denn Nanobakterien lösen in unserem Zeitalter eine Seuche aus, die verheerender nicht sein könnte! Industrieanlagen stehen still und Motoren jeglicher Art geben den Geist auf. Die Welt hält wortwörtlich den Atem an. Und sie hat nur 50 Tage bis zum Tod. Treibstoff und Erdöl sind verseucht und legen mit der flüssigen Abhängigkeit alle Maschinerien lahm. Der Klappentext ist in dieser Hinsicht irreführend, denn die Seuche befällt einmal nicht Lebewesen, sondern die Lebensvoraussetzung; sprich: den Verkehr, die Lebensmittelindustrie, Heizanlagen, und und und … Wenn dann noch der Winter bevorsteht, ist die Katastrophe perfekt. Verraten ist damit sicherlich nicht zu viel, denn die Wissenschaftler sind sich von Anfang einig: Das Erdöl ist verseucht!
Doch wer hat die Seuche ausgelöst? Und wie konnte die Seuche innerhalb weniger Tage grassierend um sich greifen? Der Virologe Greg Gerard nimmt sich des Problems an, denn der Verlauf der Verseuchung ist den üblichen Mustern der Epidemien zuzuordnen. In einer Welt, in der die Menschen zunehmend an Hunger leiden, Krankheiten sich aufgrund der katastrophalen Zustände ausbreiten, Banden plündernd und mordend durch Städte ziehen, das Militär und die Polizei Schwierigkeit haben einen winzigen Grad von Menschlichkeit in der Bevölkerung aufrecht zu halten und kaum noch jemand seine Wohnung heizen kann, ist Gerard verzweifelt auf der Suche nach dem Ursprung der Seuche – und damit nach einem Heilmittel zur Vernichtung der Nanobakterie.
Die Medien und die Staaten schielen argwöhnisch in den Nahen Osten und machen die Islamischen Länder für das Chaos verantwortlich, obwohl kein Beweis dafür existiert. Gerard glaubt jedoch keinesfalls an diese einfache Lösung; und hat damit auch vollkommen recht. Hin und her gerissen zwischen Familie und Lösungssuche führt ihn seine Nase immer an die richtigen Orte. Zum einen muss er für die Sicherheit seiner Familie sorgen, zum anderen ist er beständig auf Spurensuche und setzt ein Puzzleteil nach dem anderen akribisch zusammen.
Eine Welt, in der das Erdöl nicht mehr nutzbar ist und zu wenig Alternativenergien vorhanden sind? Vorstellbar und gar nicht abwegig ist das – und gerade dadurch zeichnet R. Scott Reiss ein sehr erschreckendes Szenario, das Ängste schürt und die Lesespannung dramatisch in die Höhe treibt. Sein Gespür für gute Charaktere, packende Schilderungen und der dramatischen Zeichnung einer Welt, die dem Untergang entgegen geht, ist packende Unterhaltung, die man so schnell nicht vergessen wird.

Fazit

Eine Seuche greift um sich, befällt ausnahmsweise einmal nicht den Menschen, sondern die Maschinerien, die die Lebensgrundlage der Menschen sichern. Ein wohltuender Wechsel, von der Grundidee natürlich nicht neu, von der Idee her aber erfrischend! Greg Gerard sichert sich Sympathie und so sind wir doch gerne mit ihm unterwegs – immer auf der Suche nach dem skrupellosen Verursacher der Seuche.

3,5 von 5 Punkten

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