Sonntag, 2. Dezember 2012

Rezension: Bestseller (Michael Bresser)

BOD
Paperback, 228 Seiten
ISBN-13: 978-3-8370-5331-9
14,90 €

Ein kurzer Einblick

Zwei Freunde, ein Haufen Geld und ein skrupelloser Zuhälter...

Der arbeitslose Szenegänger Horst Stengel träumt von einer literarischen Karriere. Damit könnte er auch seiner Ex Bea beweisen, was in ihm steckt. Doch wie lässt sich das verwirklichen?

Eines Tages erhält er Post von einem Verlag in Offenburg. Die Verlegerin ist von seinem Buch von einem smarten Blutegel im Kampf gegen den erbarmungslosen Kapitalismus restlos begeistert. Knackpunkt: Er muss für die Veröffentlichung dreitausend Euro bezahlen.

Ein irrwitziger Roadmovie durch die skurrilsten Situationen auf der Jagd nach der Romanfinanzierung nimmt seinen Lauf. Horst gerät in die Fänge von bibeltreuen Christen, Kaffeefahrern und eines skrupellosen Zuhälters. Wird er sein Ziel erreichen?

Bewertung

Was fällt mir ein, wenn ich den Namen Hannover höre? Nichts Besonderes jedenfalls. Es ist eine Stadt, die nach dem 2. Weltkrieg fast komplett neu aufgebaut wurde und daher schwerlich mit einer historischen Altstadt oder einem besonders atmosphärischen Stadtbild aufwarten kann. Sicherlich mag auch Hannover seine schönen Ecken haben, auf seine ganz eigene Weise Flair versprühen, doch auf den ersten Blick ist es eine nichtssagende Stadt, die nicht weiter auffällt oder sich hervorhebt. Und dennoch hat sich Michael Bresser gerade diese verkannte Stadt ausgesucht: „Bestseller“ rückt Hannover in ein neues Licht, „Bestseller“ ist eine Hommage an die Stadt – vordergründig; hintergründig bietet „Bestseller“ viel mehr.
So verkannt wie Hannover ist, so verkannt ist auch Horst Stengel. Er selbst hält sich für einen großen Schriftsteller, der gerade an seinem Bestseller schreibt und ihn in Nullkommanichts vermarktet sieht. Er ist mit Blindheit sich selbst gegenüber geschlagen, sieht nur was er will, hat nur seinen großen Traum vor Augen. Er liefert dabei genau das Bild ab, das viele Menschen insgeheim plagt. Er jagt wie tausend Andere seinen Träumen nach, naiv und blauäugig – ohne zu merken, dass er so im Leben nicht voran kommt. Im Charakter Horst Stengel werden viele Wahrheiten verarbeitet, auf die Spitze getrieben, dass es fast schon schmerzt. Frech und mit einem losen Mundwerk wird Stengels Lebensepisode in einer Slapstick-Komödie auf eine Weise verarbeitet, dass man genau weiß, diesen Roman kann und sollte man nicht ernst nehmen; zugleich ist man sich aber auch bewusst, dass gewisse Wahrheiten drin verborgen sind. Eine Buchveröffentlichung ist alles andere als einfach, die einzig wahre große Liebe ist ebenfalls eher eine seltsame Vorstellung und für Geld sollte man garantiert nicht alles tun, besonders dann nicht, wenn man zwielichtigere Jobs annimmt. Immer mehr steigert sich Horst in seine Buchveröffentlichung hinein, immer mehr Pech häuft er an, bis es zwangsweise zum großen Knall kommen muss. Es ist schon fast ein wenig Pech zu viel, wirkt etwas zu künstlich, schrappt aber gerade noch am Geht-nicht-mehr vorbei.

Fazit

Einen Bestseller hat Michael Bresser zwar nicht geschrieben, aber ein Werk, das seinen Platz finden wird. Mit der frechen Sprache wird sicherlich nicht jeder Geschmack getroffen, aber wer auf einen skurrilen Roadmovie steht, ist hier garantiert richtig bedient.

3 von 5 Punkten

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