Dienstag, 4. Dezember 2012

Rezension: Babylon (Frido Mann)

Rowohlt Verlag (rororo)
Taschenbuch, 203 Seiten
ISBN: 978-3-499-24776-7
8,95 €


Ein kurzer Einblick

Auf der Suche nach Material für seine Hobby-Forschung trifft der jüdische Stardirigent Aurelio de Monti den Islamforscher Ahmed Karimi. Dieser begeistert ihn dafür zusammen mit der evangelischen Pastorin Hendrike Hönig einen Dialog der Religionen ins Leben zu rufen. Doch dies ist in einer Stadt, in der Neonazis Aktionen gegen das Asylantenheim ausüben, nicht ohne Probleme möglich. Und als de Monti auch noch die Pastorin näher kennen lernt, entstehen für ihn immer mehr Probleme…

Bewertung

Es ist eine interessante Grundidee, die hinter dieser Story steckt, denn der interreligiöse Dialog ist ein Thema, das Potenzial für einen Roman bietet. Allerdings schafft es Frido Mann nicht dieses Potential auszuschöpfen. Alles, was sich um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Religionen dreht, verläuft sich sehr schnell in Details, denen Menschen, die sich nicht in einem deutlichen Maß mit Religionen beschäftigt haben, nicht mehr folgen können. Leider spricht der Roman vor allem solche Menschen an, die sich mit den Inhalten der Bibel auskennen. Menschen, die sich nicht auskennen, werden häufig mit Namen und Geschichten ohne Erklärung allein gelassen.
Die beiden anderen Handlungsstränge, die der Roman bietet, nämlich die Beziehung von de Monti und der Pastorin, sowie die Neonaziproblematik wirken eher konstruiert. Es ist schade, dass für den Hintergrund des interreligiösen Dialogs hier die Neonaziproblematik gewählt wurde. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn es wäre auch einmal interessant gewesen, wenn Menschen einfach so auf die Idee eines Dialogs der Religionen gekommen wären, einfach, weil Menschen unterschiedliche Religionen zusammen leben und die Religion trotzdem immer noch ein Spaltungselement darstellt. Leider wird diese Chance im Roman vertan, so dass es hier nur zum Dialog kommt, weil bestimmte Religionen offensichtlich befeindet werden.
Auch die Beziehung eines Judens zu einer Christin wird leider durch die Neonazis problematisiert, dabei hätte auch dies Anregung dazu gegeben einmal darzustellen, wie normale Menschen heute auf solche Beziehungen reagieren und ob sie mittlerweile toleriert werden. So wirkt die Beziehung sehr konstruiert, um den Neonazis noch mehr Anstoßpunkte zu geben. In der Beziehung werden keine nachvollziehbaren Gefühle dargestellt, so dass man mit den beiden Figuren mitfühlen könnte. Die Beziehung wirkt eher kalt und ist für den Leser auch nicht nachzuvollziehen. Ohne mitempfinden zu können, dass sich zwei Menschen wirklich lieben, ist es schwer nachzuvollziehen, warum ein Mann mit einer Frau ein Kind zeugen will, ohne mit ihr darüber gesprochen zu haben, ob sie dann ihren Ehemann verlässt. Dies ist nur einer der Punkt in der Beziehung der beiden, die den Leser stark an der Darstellung einer im realen Leben möglichen Reaktion zweifeln lassen.

1,5 von 5 Punkten

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