Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Aztech (Lucius Shepard)

Shayol
Klappenbroschur, 112 Seiten
ISBN: 978-3-937897-05-9
11,90 €

Ein kurzer Einblick

Eddie Poe ist Leiter einer Sicherheitsfirma an der mexikanischen Grenze, die vornehmlich desertierte US-Soldaten beschäftigt, die wegen ihrer Abhängigkeit von der Reflexe verbessernden Droge "Samurai" kurz "Sammies" genannt werden. Als Eddie und seiner Leute von der High-Tech-Firma Aztech angeheuert werden, um deren Leiter, eine abtrünnige künstliche Intelligenz des US-Militärs, bei einer Zusammenkunft mit dem Boss des Carbonell-Kartells zu schützen, kommt es zu einer blutigen Eskalation. Einer von Poes Sammies zündet ein Mini-Kernkraftwerk, um die Flucht zu bewerkstelligen, und Poe stellt fest, daß seine eigenen Leute sich gegen ihn gewendet haben und die künstliche Intelligenz "Montezuma" ausschalten wollen ...

Bewertung

El Rayo – ein meilenlanger Elektrozaun trennt die USA von Mexiko von Küste zu Küste. Die reiche USA schottet sich von dem verkommenden Mexiko ab, wo Drogen und Gewalt regieren. Das Sicherheitsrisiko für Amerikas Bevölkerung ist zu groß und so bleibt El Rayo nichts anderes übrig als ein riesiger Moloch an der Grenze dahin zu vegetieren.
Lucius Shepard zeichnet eine realistische Entwicklung des Konflikts Amerika/Mexiko. Doch ein reine Zukunftsvision wird nicht geboten, denn mit Cyberpunkelementen wird es dann doch noch phantastisch. Die Sammies sind Elitesoldaten, die ihre Reflexe durch die Droge „Samurai“ aufgepeppt haben und eine scheinheilige Allmacht ausstrahlen. Doch eigentlich sind sie nur die besseren Krieger, denn sie bleiben seltsam blass und unklar gezeichnet; wie eigentlich alle Charaktere. Die Figurentiefe ist schwach und unausgereift; allein Eddie Poe und Lupe erlangen durch ihre kurzen wie bildhaften Sexszenen eine gewisse Tiefe. Doch Charaktergewinnung durch Sex? Nein, das muss nicht wirklich sein und sollte auf andere Art bewerkstelligt werden können. Zwar haben die Sexszenen auch noch eine weitere Bedeutung, doch bleibt der Sex zu weit in den Vordergrund gerückt und verklärt den Science-Fiction-Roman zu einem Etwas, das Science-Fiction sein möchte, aber die Gewichtung zu sehr auf die erotische Komponente lenkt.
Allein Montezumas Maschinenreich steht dagegen an und kann mit seiner Bizarrheit endlich einen Kontrast bieten, der herzlich willkommen geheißen wird. Zudem ist das Reich eine logische Konsequenz in Hinsicht auf den Stil Shepards, der auf hohem Niveau flüssig lesbar ist; der bisherige Inhalt konnte dem aber nicht gerecht werden. Eine hohe bildhafte Vorstellungskraft entspringt diesem Stil, tut vor allem den Actionszenen gut und kann das Ruder noch etwas weiter in die Richtung Empfehlenswert herumreißen. Ausreichen tut jedoch auch das nicht mehr. Fehlende Höhen und Tiefen, eine etwas zu rasant voranschreitende Erzählung, fehlende Figurentiefe und dem, was ein Science-Fiction-Roman sein möchte, aber etwas völlig anderes – undefinierbares (Science-Fiction, Erotik, Fantasy?) – ist, können lediglich dafür sorgen, dass der Roman dank einiger faszinierender Ideen und einer an sich hervorragenden thematische Umsetzung noch an den Durchschnitt angrenzt.

Fazit

In der Kürze liegt die Würze; oder wie? In diesem Fall ein eindeutiges Ja!, denn so bleibt „Aztech“ trotz der Schwächen lesbar. „Aztech“ ist ein faszinierender Roman, der trotz Schwächen angetestet werden sollte. Vielleicht erst mit einer Leseprobe, bevor man mit Enttäuschung seinem Geld hinterher schaut.

2,5 von 5 Punkten

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