Sonntag, 9. Dezember 2012

Rezension: Ash (Malinda Lo)

PAN
Hardcover, 272 Seiten
ISBN: 978-3-426-28344-8
12,99 €

Ein kurzer Einblick

Als Ashs Vater stirbt, beginnt ihre Stiefmutter, sie wie eine Sklavin zu behandeln. Wann immer Ash entkommen kann, schleicht sie sich in die Wälder – denn dort, so heißt es, suchen Feenmänner nach Frauen, die sie als ihre Geliebten entführen können. Und obwohl dies ihren Tod bedeuten würde, erscheint es Ash besser als das Leben, zu dem sie verdammt zu sein scheint. Doch dann ändert sich alles, als der Königssohn beginnt, Brautschau zu halten, und sein Hofstaat in Ashs Dorf kommt …

Bewertung

Aschenputtel kennt jeder. Die Figur des armen Mädchens, das von ihrer Stiefmutter nicht angenommen und als Magd missbraucht wird, am Ende aber den Prinzen ehelichen darf. Es ist eine jener klassischen Ideen, die auch dem amerikanischen Traum zugrunde liegt: Vom Tellerwäscher zum Millionär. Alles ist möglich! Doch zurück zu Aschenputtel. Malinda Lo hat sich des grimm'schen Märchens angenommen und konstruiert eine Neuerzählung, die die klassischen Elemente beibehält, aber neue, eigene Ideen einbringt; auch der Handlungsfaden orientiert sich zwar am Märchen, nimmt aber selbst einen etwas anderen Pfad, der die Erzählung erst richtig spannend macht. Spannung ist hier weniger im Sinne von Thrill gemeint, sondern mehr im Sinne von: Wie hat Malinda Lo den Handlungsfaden angelegt, welche Figuren spielen bei ihr eine wichtige Rolle, was hat sie im Vergleich zum Märchen verändert?
Entführt in eine märchenhafte Welt, die einen träumen lässt, verirrt man sich gerne im verschneiten Wald, um auf Feen zu treffen. In ihren silberkalten Gewändern üben sie eine Faszination auf Ash aus, der sie sich nur schwer entziehen kann. Immer wieder zieht es sie zu den mythischen Geschöpfen hin, insbesondere zu Sidhean, mit dem ihr Schicksal verflochten ist, der ihre Wünsche erfüllt. Mit Sicherheit wird ein Teil des märchenhaften Gefühls allein durch das Wissen stammen, dass „Ash“ auf „Aschenputtel“ basiert. Und dennoch kann die Stimmung nicht allein daher stammen. Landschaften, Beschreibungen ... sie sind stimmig und fügen sich perfekt ins Bild ein. Die Fantasie des Lesers, verführt durch die weite Stille im Elfenwald, rundet die Atmosphäre ab und erweckt eine ganz eigene Vorstellung von einem Märchen. Einem Märchen, das weiß wie es verführt und bezirzt.
Trotz der gelungenen Umsetzung, muss die Erwartungshaltung einer großartigen Neuerzählung zerstört werden. Malinda Lo gelingt es nicht den Leser in die Geschichte eintauchen zu lassen, mit Ash mitfiebern und sich mit ihr zu verlieben – bzw. nur im Ansatz. Natürlich ist man gespannt, wie Ash ihr Leben unter der gestrengen Hand ihrer Stiefmutter meistern wird, wie sie ihrer Stiefmutter letztendlich entkommen und ob sie ihren Prinzen bekommen wird. Natürlich drückt man Ash die Daumen, dass ihre Stiefmutter und ihre Stiefschwestern sie auf den königlichen Veranstaltungen nicht erkennen werden. Und dennoch bleibt stets eine Distanz bestehen, die den wirklichen Genuss dieses Romans viel zu sehr schmälert.

Fazit

Malinda Lo ist eine gelungene Neuerzählung des grimm'schen Märchens „Aschenputtel“ gelungen. Die Umsetzung im modernen Fantasygewandt liest sich erfrischend, doch die erzählende Distanz zwischen Ash und dem Leser lässt die Geschichte nur noch halb so märchenhaft wirken, wie sie eigentlich sein müsste; übrig bleibt leider nur ein netter Roman.

2,5 von 5 Punkten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen