Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Arkadien fällt (Kai Meyer)

Carlsen
Hardcover, 448 Seiten
ISBN 978-3-551-58203-4
19,90 €


Ein kurzer Einblick

Geheimnisse lüften sich und Alessandro und Rosa wollen ihre gegenseitige Liebe nicht länger vor den Clans verbergen; eine tödliche Entscheidung. Von ihren Clans gejagt, versuchen sie in beständiger Gefahr das letzte große Geheimnis zu lüften und stoßen dabei auf den Hungrigen Mann, der die Arkadischen Dynastien vereinen möchte, um die Tiermenschen zu ihrer alten Größe, Stärke und Macht zurückzuführen.

Bewertung

Einst wurde König Lykaon von Gottvater Zeus in einen Wolf verwandelt. Der Grundstein der Arkadien Dynastien war damit gelegt. Die Arkadier beeinflussten aus dem Hintergrund heraus die Politik Griechenlands und zweigten Gelder und Reichtümer ab, die allesamt nach Arkadien flossen. Die Götter jedoch, die »Löcher in der Menge«, wie sie heutzutage genannt werden, konnten nicht zulassen, dass Arkadien sich zu einer Weltmacht aufschwang, sodass sie ein Erdbeben auslösten. Arkadien wurde von den Fluten verschlungen und zerstört. Die Herrschaft der Arkadier über das Mittelmeer war zerbrochen ...
Rosa und Alessandro, selbst ein Teil des Planes des Hungrigen Mannes, der nach 30 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird und sich anschickt zum Anführer aller Dynastien zu werden, bekommen den Machthunger schmerzhaft zu spüren. Alcantaras und Carnevares haben sich gegen sie, gegen ihre Capi verschworen. Ihr Heil liegt in der Flucht. Vertrauen ist ein hohes Gut, denn kaum jemanden können sie noch Freund nennen in einer Welt, die sie jagt und zum Feind erklärt hat. In ihrer Verzweiflung nach einem Ausweg jagen sie weiterhin Informationen nach, die ihnen im großen Puzzle der Arkadischen Geschichte noch fehlen.
Bei all den Handlungsfäden, bei all dem geschichtlichen Hintergrund fernster und naher Vergangenheit ist es kein Wunder, dass es mir schwer fiel, den ersten Band in angemessene Worte zu fassen, da sich die Handlungsfäden erst im dritten Band zusammenfügen. Kai Meyer hat seine »Arkadien«-Trilogie auf das Genaueste durchgeplant, falsche Fährten gelegt, überraschende Wendungen eingebaut, Irrwege durch unzureichende Informationen im Sande verlaufen lassen. Ungereimtheiten, geschweige denn Logiklöcher sind schlichtweg nicht vorhanden.
Alten Erkenntnissen können Rosa und Alessandro genauso wenig vertrauen wie neuen, denn stets erstrahlt vieles in einem gänzlich neuen Licht - und wenn es nur eine winzig andere Lichtintensität erhält, kann sich dies auf die Komplexität der Zusammenhänge ferner Geschichte und aktueller Pläne der Dynastien schwerwiegend auswirken. Förderlich sind all die Wendungen und Überraschungen, die immer wieder Neues zu erzählen haben für den Spannungsbogen, der konsequent weit oben gehalten wird.
Um nicht alles Neue der Handlung selbst zu überlassen, tauchen zwei weitere arkadische Geschlechter auf: die Harpyien und am Rande die Arachniden. Die Harpyien verdingen sich als Auftragskiller ihr Vermögen.
Mit der Anzahl der Bände der »Arkadien«-Trilogie, haben sich auch Rosa und Alessandro weiterentwickelt. Rosa, die in »Arkadien erwacht« noch jugendlich naiv und unerfahren aufgetreten ist - kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie von der arkadischen Mafia keinen blassen Schimmer hatte -, verhält sich erfahrener und der Situation gewachsen. Der Blickwinkel der naiven Wünsche und Vorstellungen hat sich hin verschoben zu einer angehenden Professionalität. Bei all ihren Erlebnissen und Wissen über die Arkadier, das sie erlangt hat, ist sie natürlich noch immer kein Capi, die die Strukturen der arkadischen Mafia mit ihren Feinheiten begriffen hat. Da hinein muss sie erst wachsen. Irgendwo in ihr steckt noch immer die naive Jugendliche mit ihren Träumen und Wünschen.

Fazit

Die Machenschaften und Herrschaftspläne der TABULA, Rosas Vater, des Hungrigen Mannes und der Arkadischen Dynastien verdichten sich zu einem Knäuel der Lebensgefahr für Rosa und Alessandro - und zu einem einzigen Faden. Endlich werden all die losen Handlungsfäden, die seit dem ersten Band entstanden sind, in einem fulminanten Ende aufgelöst. Die Liebesgeschichte um Rosa und Alessandro ist ein mafiöses Abenteuer voll Schrecken und Gefahr, voll arkadischer Geschichte und dem Willen der Götter; so man denn an sie glauben möchte an die »Löcher in der Menge«.

4 von 5 Punkten

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