Samstag, 8. Dezember 2012

Rezension: Arkadien erwacht (Kai Meyer)

Carlsen
Hardcover, 416 Seiten
ISBN: 978-3-551-58201-0
Euro 19,90

Ein kurzer Einblick

Als Rosas Flugzeug auf Sizilien landet, weiß sie noch nicht, dass sich ihr Leben verändern wird. Rosa ist von dem hübschen Jungen Alessandro fasziniert. Was sie nicht ahnt: Ihre Familien, die Alcantaras und Carnevares, sind zwei verfeindete Mafiaclans, die sich bekriegen. Über alle Gefahren hinweg, treffen sich die beiden weiterhin.

Bewertung

Fantasywelten, amerikanische Großstädte und mittelalterliche Settings kennt man. Ebenso sind Zwerge, Vampire und dergleichen ein so gewöhnliches Erscheinungsbild, dass jegliche Abwechslung Not tut. Gestaltwandler, sogenannte Arkadier, Angehörige der sizilianischen Mafia, stechen angenehm ungewohnt aus der breiten Masse hervor. Eindrucksvoll verwischt die Grenze zwischen Wirklichkeit und Phantastik, nicht zuletzt durch die enge Verbindung der Arkadier in den Strukturen der Mafia, was dem Ganzen einen phantastischen Touch gibt.
Scheinbar undurchdringlich scheint der Dschungel an internen Gesetzen der Mafia zu sein, denn einerseits sind Familienbanden „heilig“, andererseits werden besagte Regeln gedehnt und auf Ungenauigkeiten abgeklopft, denn der Hass und das Misstrauen unter den Familien treibt diese zu wahren Kleinkriegen. Diese Detailgenauigkeit an eigenen Gesetzen ist es, die ein verdammt überzeugendes Bild abgibt, zumal innerhalb der Mafia ja die schon genannten Arkadier existieren und somit die Komplexität des Gefüges Mafia noch erhöhen. Spitzel und damit Informationskanäle führen in die Mafia hinein und hinaus und offenbaren ein löchriges Netz aus immer währender Gefahr – denn Spitzeln droht gnadenlos der Tod.
Die Figuren mögen zwar nicht ungewöhnlich sein, so lassen sich Rosa und Alessandro - die obligatorische Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen, versteckt sich aber angenehm unauffällig im Hintergrund und fügt sich sehr stimmig in das Gesamtbild ein. Erst gegen Ende drängt sie doch sehr stark in den Vordergrund, was jedoch nicht den tollen Eindruck des Romans schmälern kann -, aus den verfeindeten Mafiaclans finden, aber auch der Boss der Bosse, der Capo dei capi, der im Hintergrund die Fäden zieht, und der eine große Bösewicht, sind lebendig, ausdrucks- und charakterstark ausgearbeitet.
Als Einzelroman hätte dieser Roman wunderbar funktioniert. Doch Kai Meyer startet mit „Arkadien erwacht“ den Auftakt eines Mehrteilers. Das Ende deutet dies mehr als deutlich an. Muss es derart aufdringlich sein? Muss es immer ein Mehrteiler sein?

Fazit

Mit „Arkadien erwacht“ ist Kai Meyer ein grundsolider Auftakt eines neuen Mehrteilers gelungen, der sich alles andere als zu verstecken braucht. Wieder einmal lässt Meyer die Grenzen der Realität und der Phantastik kongenial miteinander verschmelzen und kann zugleich für jeden Fantasy-Leser etwas bieten. Ein All-Age-Roman, der dieses Prädikat wahrlich verdient hat.

4 von 5 Punkten

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