Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Anonyme Untote (S.G. Browne)

Heyne
Taschenbuch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-453-43496-7
8,95 €


Ein kurzer Einblick

Wer wäre besser geeignet, um über den Zombiealltag zu sprechen, als Andy, der sich selbst in einen dieser vermeintlichen Widerlinge verwandelt hat? Seine Eltern verbannen ihn in den Keller, die Öffentlichkeit meidet ihn. Nur gut, dass es eine Selbsthilfegruppe gibt. Und nicht zu vergessen die – ehemals – attraktive Rita, die ein Auge auf ihn geworfen zu haben scheint. Eine durchgeknallte Satire – zum (Un)totlachen.

Bewertung

Sind Sie schon einmal in einem Autounfall umgekommen und wenige Stunden später aus der Leichenhalle gewankt? Haben Sie schon einmal Selbstmord begangen, nur um festzustellen, dass Sie nun untot sind? Sind Sie gar vielleicht einmal friedlich entschlummert, um Tage später zu bemerken, dass Sie ein Zombie sind? Ein Großteil unserer Bevölkerung kann derartige Geschichten erzählen. Pardon! Ein Großteil der Bevölkerung aus „Anonyme Untote“ - wir wollen ja nicht unsere Welt mit einer parallelen gleichsetzen. Und ich sage auch berechtigterweise ein Großteil, denn manche schweigen für immer, kehren nicht als Zombie in die Welt der Lebenden zurück. Warum? Nun, das ist wohl eine müßige Frage, kann diese doch nicht beantwortet werden. Fakt ist jedoch, dass man als Zombie erkannt wird. Schminke und Parfüm können den Verwesungsprozess und den erbärmlichen Geruch leider Gottes nicht aufhalten. Zur Zielscheibe degradiert besitzen Sie keine menschlichen Rechte und Pflichten, Sie vegetieren als Tier dahin, werden als Versuchsobjekt in Laboren missbraucht und erfahren nie wieder Anerkennung – nun ja, manchmal nehmen einen Verwandte auf, aber von echter Liebe und Zuneigung kann meist nicht gesprochen werden. Ein normales Leben ist definitiv unmöglich geworden.
Andy lebt im Keller seiner Eltern, erträgt den Hass seines Vaters ihm gegenüber, geht regelmäßig zur Selbsthilfegruppe – und demonstriert für die Menschlichkeit der Zombies. Andy ist, was andere schon vor ihm waren: Mahatma Gandhi, Nelson Mandela, Alice Schwarzer oder Rosa Parks. Andy erinnert an die starken Figuren der Weltgeschichte, die großes bewegt haben, aber auch viel Leid ertragen mussten. Trotz vieler Rückschläge gibt er den Traum nicht auf, den Traum eines menschlichen Lebens, eines menschenwürdigen Lebens. Rita, seine Zombie-Liebe, steht an seiner Seite, gibt ihm Kraft und Mut und bestärkt ihn in seinen Taten. Doch Zombie ist Zombie – menschlicher werden sie für die Menschen einfach nicht. Und dann entdecken sie die Köstlichkeit des Menschenfleisches für sich ... Mit Sicherheit kein Genussmittel, dass ihre Akzeptanz in der Bevölkerung steigern wird.
„Anonyme Untote“ ist ein 0815-Abwasch gängiger Klischees, die amüsant in Szene gesetzt sind. Mitnichten ist dies ein ernster und blutrünstiger Roman, der den Film-Zombie zeigt, sondern spaßige Unterhaltung auf ordentlichem Niveau. Mehr will der Roman nicht sein, mehr muss der Roman nicht sein.

Fazit

Unterhaltung par excellence! Ein Spiegel für die Unterdrückung minderer Bevölkerungsgruppen. Unterhaltung, die Menschlichkeit zeigt, sich nicht ernst nimmt, aber ernst sein kann. Ein Roman der zeigt, dass sich zu kämpfen im Leben lohnt. Ein vergnüglicher Spaß, der nicht auf Horror, sondern auf Komödie setzt.

3 von 5 Punkten

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