Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Amputiert (Gord Rollo)

Otherworld
Paperback, 350 Seiten
ISBN 978-3-8000-9538-4
14,95 €


Ein kurzer Einblick

Michael Fox ist im Begriff, Selbstmord zu begehen, als ihm ein Fremder zwei Millionen Dollar anbietet. Alles, was er dafür will, ist Fox' rechter Arm ... Doch das ist erst der Anfang. Die Pläne des geheimnisvollen Chirurgen gehen weit über einen schlichten Arm hinaus. Und Fox ist nicht der einzige ›Spender‹. Gefangen hinter den Türen des Operationssaals muss Fox feststellen, dass er einem Wahnsinnigen in die Falle gegangen ist ... und es kein Entrinnen gibt.

Bewertung

Den tödlichen Autounfall seiner Familie schreibt Michael Fox sich selbst zu. Nur seine Tochter hat überlebt, die allerdings von ihrem Vater nichts mehr wissen will, als dieser sich in Trauer und Verzweiflung dem Alkohol hingibt, Arbeit und Heim verliert und fortan als Penner unter einer Zugbrücke sein Leben fristet. Als ein Fremder ihm zwei Millionnen Dollar für seinen rechten Arm bietet, überlegt Michael Fox nicht lange und sagt zu – eine Entscheidung, die ihm nicht sonderlich schwer fällt.
Gord Rollo hat es sich einfach gemacht. Warum eine sonderlich originelle Geschichte erfinden, wenn es der mittellose Penner auch tut. Gebt den Armen Geld und sie tun alles – oder wie? Die Entscheidung von Michael Fox mag zwar logisch und sinnvoll sein, denn mit dem Geld könnte er seiner Tochter das College finanzieren und sie vielleicht zurückgewinnen, aber etwas abgedroschen ist die grundsätzliche Idee schon. Oder? Nehmt ein willfähriges Opfer und spinnt darum eine ebenso einfache Geschichte. Ein bisschen Trash, ein verrückter Chirurg, ein einsames Gebäude und der Horror kann beginnen!
Nein, kann er eben nicht! Denn der echte Horror wird mit den 0815-Ideen doch sofort im Keim erstickt. Und das hat Gord Rollo wohl auch erkannt und verlegt sich darum auf kranke Ideen, Perversitäten und Ekelhaftigkeiten. Nichts anderes suggeriert der Titel und nichts anderes wird vielleicht auch vom Autor gewollt.
Nichts anderes als typisch amerikanische Unterhaltungskost wird dem Leser geboten. Klischees und Standardware geben sich die Klinke in die Hand. Der anfangs geniale Wissenschaftler Nathan Marshal entpuppt sich schon bald als geisteskrank und sein Sicherheitschef ist ein schwuler Sadist, der sich an Marshalls Experimenten vergeht. Michael Fox ist unfreiwilliges Opfer und Körperteilspender. War an der Aufzählung irgendetwas überraschend? Wohl weniger, denn die Geschichte ist vorhersehbar und die Charaktere sind oberflächlich.
Der alleinige Reiz von Spannung wird durch die krankhaften Fantasien und ekelhaften Perversitäten ausgeübt, die in ihrer Darstellung aber ruhig etwas expliziter dargestellt hätten werden können. Denn so abschreckend manche Beschreibung sein mag, wirkliche Härte, die von Brutalität ausgeht, fehlt etwas. Etwas, was dem Roman gut zu Gesicht gestanden hätte.
Berühren tun den Leser aber weder die Opfer, noch die Bösen. Berühren tun den Leser auch nicht die ausgeübten Perversitäten selbst. Dafür liest sich der Roman zu klinisch. Das Hoch der Gefühle wird geweckt, als Michael Fox versucht dem Grauen zu entkommen; und auch da ist die Vorstellung seiner Flucht lediglich beängstigend, als er ohne Arme versucht seinen Häschern zu entkommen. Ansätze von Tiefe sind also durchaus vorhanden, werden aber nicht ausgelotet und wirken oftmals sogar fehl am Platz, passt der plötzliche Versuch von Tiefgang doch einfach nicht mehr zur Geschichte. Dafür ist „Amputiert“ von Anfang an zu trashig angelegt.

Fazit

„Amputiert“ ist ein gesichtsloser Horrorroman – ebenso genügsam gestaltet wie das deutsche Cover –, der den anspruchslosen Leser prima zu unterhalten weiß. Trash-Fans und Hardcoreleser wissen diesen Roman sicherlich zu schätzen, Literatur“freaks“ hingegen schütteln mit Sicherheit nur entsetzt den Kopf und greifen zu Mary Shelleys „Frankenstein“.

3 von 5 Punkten

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