Mittwoch, 19. Dezember 2012

Rezension: Abwärts. Move Underground (Nick Mamatas)

Edition Phantasia
Klappenbroschur, 200 Seiten
ISBN: 978-3-937897-08-0
13,90 €


Ein kurzer Einblick

Jack Kerouac, in die Jahre gekommener Beatnik, der Anfang der 60er in Big Sur seinen Nervenzusammenbruch pflegt, sieht es als Erster. Das sagenumwobene R'lyeh steigt aus den Fluten des Pazifik auf und Cthulhu macht sich auf die Welt zu unterwerfen. Zusammen mit seinen Kumpels Neal Cassady, Allan Ginsburg und William S. Burroughs macht sich Kerouac zu einer Reise quer durch den Kontinent auf, um dem mörderischen lovecraftianischen Kult entgegenzutreten.

Bewertung

Jack Kerouac (* 12. März 1922; † 21. Oktober 1969) war US-amerikanischer Schriftsteller und einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation. Alkohol und Drogen haben ihn auf seinen Reisen mit Neal Cassidy quer und hin und her durch das Land zerfressen. Sein Roman „On The Road“ war Kerouacs Durchbruch, der ihn zur Zentralfigur der Beat Generation stilisierte. Die Medien haben seine Werke verrissen, Fans haben ihn verehrt und verfolgt, sodass er sich mehr und mehr zurückzog.
William S. Burroughs (* 5. Februar 1914; † 2. August 1997) war US-amerikanischer Schriftsteller, Sozialphilosoph und Künstler und wird wie Jack Kerouac der Beat Generation zugerechnet. Süchtig nach Morphin hat er zur Suchtfinanzierung Heroin vertickt. Am 6. September 1951 stellte er mit seiner Frau die Apfelszene aus Schillers Drama „Wilhelm Tell“ nach – und erschoss sie dabei versehentlich. Obwohl er schon jahrelang schrieb und Romane wie „Junky“ (1953), „Naked Lunch“ (1959) oder die „Nova“-Trilogie (1961-1964) veröffentlichte, wurde er erst in den 80er und 90er Jahren zur Ikone der Popkultur.
Jack Kerouac und William S. Burroughs sind lediglich zwei der vier Persönlichkeiten aus der Beat Generation, die Nick Mamatas in seinem Roman verbaut hat. Jack Kerouac sogar als Protagonisten. Es gibt unzählige überzogene Anspielungen und Flashbacks auf das Leben von Kerouac und seine Freunde. So schreibt Kerouac in „Abwärts. Move Underground“ seine Erlebnisse auf Endlospapier. Seinen Roman „On The Road“ tippte er auf eine aus Zeichenpapier zusammengeklebte Rolle, sodass der nervige Papierwechsel wegfiel. Aber auch Schillers Apfelszene, die W.S. Burroughs nachstellte, wird in die Handlung aufgenommen. Zwei Beispiele neben Dutzend weiteren.
„Abwärts. Move Underground“ selbst liest sich wie ein ewiger Fiebertraum, als wäre der Erzähler selbst im Suff des Alkohols versunken. Von der Umsetzung her ist dies ein stilistischer Glücksgriff, ist Kerouac doch selbst im Rausch des Alkohols gefangen. Jetzt lagen keine grauenhaften Traumlande mehr zwischen mir und dem Highway, keine künstlichen Kakteen, die mit Pinzettenfingern nach mir griffen oder Unser entschlossener Vorstoß die Wall Street entlang, um den Großen Alten Gott auszulöschen, der Kalifornien als Vorspeise absaufen ließ und Manhattan als Sorbet entvölkerte (…) lässt wohl erahnen, was einen in diesem verstört psychedelischen Roman erwartet. Biografisch setzt der Roman ein, als Jack Kerouac sich schon längst zurückgezogen hat und seinen Verstand mit – natürlich - Alkohol betäubt. R'lyeh steigt aus den Fluten des Meeres empor und die Menschen stürzen sich wie Lemminge die Klippe hinab. Kerouac ist sich sicher, er muss die Welt vor den Großen Alten retten. Doch zuvor muss er seine Freunde finden und so beginnt abermals eine Reise quer und hin und her durch das Land. Verrückte Groupies verfolgen ihn, insektoide Kreaturen, einst Menschen, breiten sich immer mehr über den Kontinent aus und der lovecraftianische Kult entbrennt. In einer Welt, die kaum noch wieder zu erkennen ist, liegt die Lösung zur Rettung Amerikas manchmal näher als man denkt. Doch bis dahin ist es ein weiter weg ...

Fazit

„Abwärts. Move Underground“ ist mit Sicherheit kein gewöhnlicher Roman, aber ein Roman, dem das betrunkene Sprachgewand wie angegossen zur verrückten Roadmovie-Monsterjagd passt. Allein sprachlich ist Mamatas Roman ein Leckerli. Doch wer nun zugreifen möchte, sollte eventuell vorerst hinein lesen, denn seichte Abendlektüre ist dies mit Sicherheit nicht.

4 von 5 Punkten

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