Sonntag, 16. Dezember 2012

Interview: Bernd Perplies

Lieber Herr Perplies, schön, dass Sie Zeit für ein Interview mit uns gefunden haben. Die meisten Leser werden Sie kennen, daher möchte ich Sie bitten nicht sich selbst, sondern Ihre Romane vorzustellen. Was zeichnet Ihre Romane aus, was andere Romane nicht besitzen bzw. was machen Ihre Romane besser?

Ich muss gestehen, es widerstrebt mir, zu behaupten, dass meine Romane besser seien als die meiner Autorenkollegen. Jeder Autor hat seine eigene Art, Bücher zu schreiben. Und jeder Leser hat seine persönlichen Vorlieben, die zum Stil des einen oder des anderen Autors besser passen. Zu behaupten, meine Romane wären besser als andere, wäre daher eine sehr subjektive Sichtweise (und wenn sie vom Autor stammt, auch noch eine recht selbstverliebte).

Beantworten wir also lieber die Frage: Was gefällt Lesern an meinen Romanen. Den meisten Lesern gefällt, wenn ich das Feedback richtig deute, mein cineastischer Stil. Es ist mir wichtig, dass beim Lesen das viel beschworene Kopfkino anspringt. Denn das benötige ich ebenso, um eine Szene gut schreiben zu können. Darüber hinaus sagen mir Leser immer wieder, dass sie meine Figurenensembles lieben, sei es die exotische Truppe um den jungen Tarean in meiner All-Age-Trilogie „Tarean“, die sich unter anderem aus einem vorwitzigen Irrlicht, einem Vogelmenschen und einem treuen Werbären zusammensetzt, oder das Ensemble um den Journalisten Jonathan Kentham in meiner „Magierdämmerung“-Trilogie, das beispielsweise einen exzentrischen Magierdandy namens Jupiter Holmes umfasst, seine Geisterkatze Watson und einen bodenständigen „Hafenarbeiter“ mit dem Namen Randolph Brown, der ein ungewöhnliches Geheimnis hat.

„Magierdämmerung“ ist ja nun leider abgeschlossen. Wenn Sie auf Ihr Projekt zurückblicken, was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht und was hat Ihnen am meisten Frust bereitet?

Am meisten Spaß hat mir – wie eigentlich immer – das Entwickeln der Figuren gemacht und die Arbeit mit ihnen. Die Wortduelle zwischen Jupiter Holmes und Randolph Brown, zwischen Holmes und seiner Geisterkatze Watson oder zwischen der italienischen Magieragentin Lionida Diodato und der sie umgebenden Männerwelt: Das waren Momente, die beim Schreiben für viel Kurzweil gesorgt haben.

Anstrengender war der Versuch, drei bis fünf parallel verlaufende Handlungsstränge zeitlich so auf Kurs zu halten, dass das Abenteuer am Ende von Band 3 für die einen nicht schon vorbei war, während die anderen sich noch auf halbem Weg befanden. Da ich in der „Magierdämmerung“ mit sehr exakten Zeitabläufen gearbeitet habe und die Protagonisten zudem um die halbe Welt reisen und dabei mehrere Zeitzonen durchlaufen, war das nicht immer ganz einfach.

Die Fadenmagie empfand ich als erfrischende Erneuerung in der Anwendung der Magie. Wie kamen Sie darauf? Wollten Sie die üblichen Zaubersprüche und das bekannte Handgefuchtel schlechthin vermeiden?

In der Tat wollte ich ein Magiesystem in den Romanen haben, das logischer anmutet, als viele Zauberspruchsysteme, die schlicht auf pseudo-lateinische Worte der Macht setzen. Inspiriert wurde ich durch eine Erinnerung an meinen Physikunterricht in der Schule. Es ging damals um Optik, und ich fand den Gedanken faszinierend, dass wir nicht sehen können, weil unsere Augen aktiv etwas dazu beitragen würden, sondern weil Licht von der Sonne oder einer Lampe von Oberflächen reflektiert wird und in unsere Augen fällt. Es existiert also eine Verbindung zwischen den Dingen um mich herum und meinen Augen: in Form von – laienhaft gesagt – „Lichtstrahlen“. Weitergedacht gibt es natürlich auch noch „Verbindungen“ in Form von Schallwellen, Infrarot und mehr.

Phantastisch vereinfacht wurde daraus in „Magierdämmerung“ das sogenannte Fadenwerk, die Gesamtheit aller Verbindungen – oder Fäden – zwischen den Dingen. Ein Magier vermag dieses glitzernde Durcheinander zu sehen, wenn er in die Wahrsicht überwechselt, und er kann die Fäden, je nach Erfahrung und Talent, mehr oder minder gut manipulieren. Dadurch vermag er beispielsweise Gegenstände telekinetisch zu sich zu holen (indem er die Fäden zwischen ihm und – sagen wir mal: einem Buch – zusammenzieht). Er kann sich auch an Fäden von Dächern abseilen oder an ihnen hochziehen, ein wenig wie Spider-Man. Das schöne an diesem System ist, dass es nicht vollkommen willkürlich und wunderbar ist, sondern dass alle „Superkräfte“ der Magier nach gewissen Regeln funktionieren, die man als Leser recht gut nachvollziehen kann.

Die Nautilus, Jupiter Holmes oder Atlantis – Das sind nur drei Querverweise in die Welt der literarischen Phantastik, die Sie in „Magierdämmerung“ verbaut haben. Huldigen Sie damit Vorbildern oder war es der Reiz solch bekannter Gestalten und Orte?

Ich spiele mit den literarischen Vorbildern – und verbeuge mich natürlich gleichzeitig vor den Autoren jener Abenteuergeschichten, um das mal ganz allgemein zu fassen, die zum Vorbild für so Vieles wurden, was heute im Genre der Phantastik geschieht. Dabei übernehme ich jedoch nicht einfach Figuren und Objekte anderer Autoren, sondern setze sie in den Kontext der jeweiligen Werke. So ist die „Nautilus“ ja nicht wirklich das Tauchboot aus Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“, sondern der eine reichen Industriellen, der die „Nautilus“ entwickelt hat, weil er den Roman liebt. Ein anderes Beispiel wäre Jupiter Holmes, der felsenfest davon überzeugt ist, dass sein ehemaliger Herrenclubbruder Arthur Conan Doyle all seine Manierismen (Pfeife, Geige, Morgenmantel) genommen und seinem fiktiven Meisterdetektiv Sherlock Holmes auf den Leib geschrieben hat. Solche Dinge werden dann auch unmittelbar im Roman thematisiert, die Figuren sind sich also der – zu dieser Zeit aktuellen – Literatur bewusst.

Steam-Punk wird gerne um die Jahrhundertwende des 19. Jahrhunderts angesiedelt. War Ihre Wahl der Handlungszeit durchs Genre bedingt oder eine bewusste Entscheidung?

Es war eine bewusste Entscheidung. Denn genau genommen hat mich nicht das Genre Steampunk zur „Magierdämmerung“ bewogen, sondern meine Liebe für die Geschichten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, von „Dracula“ über „Sherlock Holmes“ bis „20.000 Meilen unter dem Meer“, sowie meine Begeisterung, mit solchen literarischen Stoffen zu spielen, wie es beispielsweise auch Alan Moore in „The League of Extraordinary Gentlemen“ gemacht hat.

Die Kapitel sind mit Zeitungsartikeln eingeleitet, die das nähere Weltgeschehen beleuchten. Beruhen diese auf wahren Tatsachen oder sind diese frei erfunden?

Sowohl, als auch. Ich habe einerseits zeitgenössische Zeitungsartikel in den Archiven der New York Times und der London Times recherchiert und diese dann zum Teil leicht abgewandelt, andererseits finden sich natürlich auch völlig fiktive Ausschnitte in den Büchern. Die Zeitungsausschnitte erfüllen dabei in meinen Augen drei Zwecke. Zum einen will ich den Lesern einen Blick über den Tellerrand bieten und ein gewisses Gefühl für die aktuellen Themen der damaligen Zeit liefern, um den realhistorischen Aspekt zu stärken und den Magierplot noch mehr in der Wirklichkeit zu verankern. Zum zweiten begegne ich damit dem Problem, dass das Auftauchen der Wahren Quelle im Grunde eine globale Krise erzeugt, die ich aber zunächst nur sehr lokal – nämlich aus der Sicht Londoner Magier – betrachte. Um zu zeigen, dass der Anstieg des Magieniveaus überall auf der Welt Folgen hat, habe ich nach und nach wundersame Ereignisse ins Tagesgeschehen einfließen lassen. Und zum dritten haben die Artikel im Einzelfall tatsächlich Kommentarfunktion – das gilt etwa für den, der vor dem letzten Kapitel von Band 1 steht. Während die Welt der Charaktere aus den Fugen gerät, erfreut sich Queen Victoria an einem Feuerwerk zu ihren Ehren.

Erst Fantasy, dann Steam-Punk. Nun ein Endzeit-Roman mit Verschwörungselementen? Der Klappentext zu „Arcadion“ lässt zumindest darauf schließen. Was möchten Sie uns über Ihr nächstes Werk verraten?

Viel mehr als den Klappentext darf ich noch nicht verraten. „Flammen über Arcadion“ spielt in einer düsteren Zukunft, in der eine globale Katastrophe stattgefunden und die menschliche Zivilisation nicht gerade in die Steinzeit geworfen hat, aber doch in eine Zeit, in der mittelalterlicher Aberglaube auf totalitärem Fanatismus treffen. Die Welt ist aus unserer Sicht rückständig und (in Teilen) futuristisch zugleich.

Im Zentrum der Geschichte steht ein junges Mädchen namens Carya (das Buch richtet sich, ähnliche wie „Tarean“, im Wesentlichen an eine jugendliche Leserschaft), das einem Bekannten helfen will, der grundlos von der Inquisition gefangen genommen wurde. Dabei gerät sie zwangsläufig mit dem Gesetz in Konflikt und daraufhin fliehen muss. Gemeinsam mit einem Soldaten, der eigentlich ihr Feind ist, aber Dank Carya seine bisherige Lebensweise zu hinterfragen beginnt, muss sie versuchen, sich durchzuschlagen. Natürlich wird das Ganze noch ein wenig komplizierter, aber wer mehr wissen möchte, muss sich noch ein wenig gedulden.

Gab es Ideenanstöße zu diesem Projekt oder war die Idee plötzlich einfach da?

Als sich das Ende der „Magierdämmerung“-Trilogie abzeichnete, habe ich mich mit meiner Redakteurin bei Egmont-Lyx getroffen und wir haben über neue Projekte gesprochen. Ich hatte verschiedene Ideen, was ich als nächstes machen könnte – letzten Endes hat ihnen „Flammen über Arcadion“ am Besten gefallen.

„Einfach da“ sind Ideen eher selten. Sie entstehen vielmehr in einem Prozess des Brainstormens alleine oder mit Freunden. Meist beginnen sie mit einem unglaublich vagen Gefühl für etwas, das man mal machen will und das meist nur in einem Satz zu beschreiben ist. Aus diesem Satz muss dann in mehreren Ausarbeitungsrunden das umfangreichere Konzept erwachsen.

Egmont LYX kündigt „Flammen über Arcadion“ als Band 1 an. Wird auch dies wieder eine Trilogie? Benötigen Sie die Breite einer Trilogie zum Austoben Ihrer Ideen oder wird es vielleicht auch mal einen Einzelroman von Ihnen geben?

Ja, es wird wieder ein Trilogie sein. Und, nein, im Grunde könnte ich genauso Einzelromane schreiben. Tatsächlich sind es die Verlage, die Trilogien lieben, denn diese ermöglichen es dem Marketing, auf einen einmal investierten Werbe-Aufwand aufzubauen, wenn Band 2 und 3 (oder bei einer Reihe Band 4 bis X) erscheinen. Ein völlig neues Produkt erfordert ganz andere Mittel, um es Lesern und Buchhändlern schmackhaft zu machen. Außerdem ist es in der Fantasy und Science-Fiction wohl auch so, dass die Leser eher zu einer „Welt“ zurückkehren, als zu einer konkreten Handlung. Und eine Welt entfaltet sich nun mal am Besten in Reihen oder Trilogien.

Zuletzt möchte ich Ihnen noch ein paar allgemeine Fragen stellen. Welche Autoren ordnen Sie in die Top-Liga der besten Schriftsteller ein? Welche Romane haben Sie besonders und nachhaltig beeindruckt?

Ehrlich gesagt bin ich kein Mensch für Superlative. Ich besitze unglaublich viele Bücher zuhause –meine Vita behauptet 1000, aber es sind eher noch mehr – und habe in den letzten drei Jahrzehnten so viel gelesen, dass ich nicht sagen könnte oder wollte, welcher Autor oder welcher Roman für mich „der Beste“ ist. Zumal ich keinen Roman und keinen Autor kenne, der neben Stärken nicht auch Schwächen hätte. Uneingeschränkte Verehrung erntet niemand von mir.

Es gibt allerdings viele Autoren, deren Wirken mich in Teilen beeindruckt und beeindruckt hat. Wolfgang und Heike Hohlbein beispielsweise bewundere ich für ihre frühen Jugendromane beim Ueberreuter-Verlag, an denen ich als Jugendlicher viel Freude hatte. An Tad Williams liebe ich seine erstaunliche Fähigkeit zur blumigen Sprache. Terry Pratchetts absurder Humor (in seinem Frühwerk) inspiriert mich ebenso, wie H. P. Lovecrafts Gabe, in seinen Kurzgeschichten ein Gefühl schleichenden Grauens zu erzeugen.

Wie gehen Sie mit Kritik um? Ist sie wichtig oder ein notwendiges Übel?

Wenn sie gut ausfällt, freut sie mich. Wenn sie mäßig ausfällt, kommt es darauf an, ob der Rezensent meiner Meinung nach das Buch überhaupt verstanden hat und tatsächlich konstruktive Kritik zu bieten hat (in dem Fall bin ich auch dankbar dafür) oder ob er einfach nur übellaunig ist und das an meinem Werk auslassen will. In dem Fall ärgere ich mich natürlich, aber auch das muss man als Autor hinnehmen. Jeder Leser empfindet ein Buch anders und man kann nie alle gleichermaßen glücklich machen. Aber solange die Rückmeldungen, die ich erhalte, positiv sind, bin ich zufrieden und denke, auf dem richtigen Weg zu sein.

Sind Sie jemand, der sich täglich ein Schreibpensum setzt? Wie sieht Ihre Tagesplanung aus?

Jeder Autor, der regelmäßig Bücher auf den Markt bringen möchte, muss sich ein tägliches (oder zumindest ein werktägliches) Schreibpensum setzen, sonst wird er mit seinem Text vermutlich auf keinen grünen Zweig kommen. Ich weiß das noch aus eigener Erfahrung von früher. Wenn man einfach nur schreibt, wenn man gerade Lust darauf hat, zieht sich eine Geschichte irgendwann so lange hin, dass man völlig das Interesse an ihr verliert. Man muss sich zum Dranbleiben zwingen, dann wird man am Ende auch fertig.

Meine Tagesplanung ist schlicht: Morgens aufstehen (nicht zu früh – irgendeinen Vorteil muss das Leben als Freischaffender ja haben), dann werden E-Mails beantwortet und anschließend geht es los. Ich versuche, jeden Tag etwa 20.000 Zeichen mit Leerzeichen zu schreiben. Wird es mehr, auch gut, fällt die Tagesausbeute geringer aus, kann man leider auch nichts machen (außer auf einen besonders produktiven Tag etwas später zu hoffen). Am frühen Abend gönne ich mir etwas Freizeit, nicht selten setze ich mich nachts aber noch einmal für zwei Stunden hin und tippe ein wenig weiter.

Welchen Tipp möchten Sie angehenden Autoren mit auf den Weg geben (oder auch besser nicht)?

Nur den einen, den ich auch als Motto (und Widmung) meinem Debütroman „Tarean“ vorangestellt habe: „Haltet an euren Träumen fest!“ Hinzuzufügen wäre vielleicht noch: „Koste es, was es wolle.“ Denn wenn man wirklich einen Roman schreiben will, muss man sich auch wirklich hinsetzen und bereit sein, ein paar Dinge dafür zu opfern. Mein Debütroman hat mich damals vier Wochen Jahresurlaub, mindestens ein Dutzend verpasste Kinofilme, die ich gerne gesehen hätte, und ähnlich viele abgesagte Treffen mit Freunden gekostet. Aber am Ende war’s das wert!

Sind Sie für, gegen oder gespaltener Meinung über eBooks?

Ich finde eBook angenehm, wenn man auf Reisen ist oder schnell etwas nachschlagen möchte. Vom Lesegenuss her kommen sie für mich aber nicht an das gute alte Buch dran. Ich mag Bücher als Objekt. Ich mag das Gewicht in der Hand, den Geruch der Seiten, die schön gestalteten Umschläge. Das wird kein eBook der Welt je ersetzen können.

Grundsätzlich muss ich feststellen, dass mir der eBook-Markt (gerade in Deutschland) noch nicht so zusagt. eBooks sind zu teuer. Sie kosten in vielen Fällen beinahe das Gleiche wie das normale Buch. Wenn ich mich so vor die Wahl gestellt sehe, werde ich immer zum Buch greifen – und dann sehr wahrscheinlich nicht noch das eBook kaufen. Die Verlage könnten sich hier eine Scheibe von der Filmindustrie abschneiden. Dort bekommt man die Digital Copy des Films in vielen Fällen gegen einen zu vernachlässigenden Aufpreis zur DVD oder Blu-Ray gleich dazu. Für den Genuss zuhause und unterwegs!

J.K. Rowling hat sich von ihrem Verlag losgesagt. Lassen wir mal die Sache des nötigen Geldes und des vorhandenen Bekanntheitsgrades außen vor. Halten Sie Rowlings Modell der Selbstvermarktung der eBooks generell für zukunftsfähig?

Jain. Der Gedanke ist natürlich verführerisch: Ich schreibe eine Geschichte, konvertiere sie in ein eBook-Format und verkaufe es dann mit enormer Gewinnspanne für mich als Autoren auf irgendeinem Online-Marktplatz. Das kann im Einzelfall sicher funktionieren, birgt aber in meinen Augen einen großen Nachteil. Ohne Verlag ist man als Autor für alles, was neben dem reinen Schreiben noch mit dem Objekt Buch in Zusammenhang steht, selbst verantwortlich. Man muss sich um das Lektorat des Textes bemühen, um den Satz, die Covergestaltung, die Werbung, die Vermarktung, die Rechteverwaltung und noch mehr an Bürokratie. Entweder versucht man das alles selbst zu machen. Hierfür müsste man nicht nur ein Multitalent, sondern auch unglaublich gut vernetzt sein, um am Markt überhaupt wahrgenommen zu werden. Außerdem kostet es viel Zeit, die man als Autor sinnvoller mit Schreiben verbringt. Alternativ heuert man Externe an, die einem helfen, was allerdings Geld kostet, das man zunächst vorschießen muss. Floppt das Buch dann, sitzt man auf seinen Schulden – dabei sollte das kaufmännische Risiko eines Buchprojekts stets beim Verlag und nicht beim Autor liegen!

Natürlich wird die Selbstvermarktung von eBooks in Zukunft zunehmen, aber ich sehe hier nur für zwei Gruppen von Autoren einen nennenswerten Sinn darin: einmal die Independent-Autoren, die ansonsten ohnehin nur mit Kleinstverlagen zusammengearbeitet haben und denen es vor allem darauf ankommt, ihr Geschriebenes der Leserschaft zur Verfügung zu stellen. Die verdienen womöglich sogar mehr Geld, wenn sie sich geschickt selbst vermarkten, weil Kleinstverlage im Grunde auch nicht mehr (eher weniger) Reichweite haben als ein Online-Marktplatz. Außerdem kann man bei einer kompletten Eigenproduktion noch an der Preisschraube drehen, was womöglich die Verkäufe befördert. Die andere Gruppe wären die Bestsellerautoren. Denn die haben sowohl das Geld als auch den Bekanntheitsgrad, um ihre Produkte unabhängig zu vermarkten (diese zwei Aspekte kann man bei dieser Frage nicht einfach ausblenden). Doch ich glaube, selbst Top-Autoren wie Stephen King oder Ken Follett sind dankbar dafür, dass sie sich nicht um jeden Kram selbst kümmern müssen. Für alle Autoren im mittleren Segment wird die Zusammenarbeit mit einem Verlag aus den genannten Gründen ohnehin stets die bessere Entscheidung sein.

Herr Perplies, wir danken Ihnen herzlich für das Interview!
Interview vom 12. Februar 2012

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