Sonntag, 16. Dezember 2012

Interview: Atlantis Verlag

Herr Latz, verraten Sie uns doch etwas über die (Entstehungs-)Geschichte Ihres Verlages.

Der Atlantis Verlag firmiert seit rund zehn Jahren unter diesem Namen, vorher hieß er Arkham Press. Er kommt, wie nicht wenige Kleinverlage aus dem phantastischen Bereich, aus dem Fandom. Früher wurden die Titel in erster Linie eher direkt an die Kunden verkauft, oder aber über den so genannten Fachhandel, also Händler, die sich auf Käufer konzentriert haben, die sich für Phantastische Literatur interessieren. Schwerpunkt des Programms waren früher eher Serien. Im Laufe der letzten Jahre hat sich der Absatz verlagert, hin zum Buchhandel.

Ein recht kleiner Verlag wie der Ihrige kann nur eine begrenzte Programmplanung haben. Nach welchen Kriterien wählen Sie einen Roman zur Veröffentlichung aus?

Da kann es nur eine Formel geben: Idee und Umsetzung müssen uns gefallen. Auch wenn wir mittlerweile unsere Titel über den Buchhandel verkaufen, würden unsere Käufer es wohl merken – und uns die kalte Schulter zeigen – wenn wir anfangen würden, zu sehr zu planen, auf vermeintlich gut verkäufliche Titel zu schielen. Also frei nach dem Motto: „Man sagt, dass demnächst Zombie- und/oder Engel-Romane gut laufen, machen wir das doch also auch“. Oder wenn wir Vampir-Romane oder Völker-Romane „in Auftrag“ geben würden. Natürlich werden diese Titel nachgefragt, ich bin mir aber nicht sicher, ob wir die Käufer dieser Titel wirklich erreichen und ansprechen würden.

Mit den Serien „Rettungskreuzer Ikarus“, „Saramee“ und „Harry Holt“ veröffentlichen Sie eine durchaus große Bandbreite an Serien. Sind diese Serien noch immer ein wesentliches Standbein Ihres Verlages?

Mit der Ausrichtung auf den Buchhandel müssen wir eingestehen, dass dort die Titel der Allgemeinen Reihe eher ihr Publikum findet, als Serienprojekte. Diese haben natürlich ihre feste Käuferschaft, aber wie man an „Saramee“ sieht, versuchen wir, uns dem Markt anzupassen. Fanden sich in den ersten elf Bänden je ein Roman, haben wir in den letzten Titeln den Umfang zum Teil verdreifacht und es finden sich mehrere Geschichten verschiedener Autoren in den Büchern.

Zunehmend findet man auch ausländische Autoren wie Michales Warwick Joy, Sharon Lee & Steve Miller oder William Swears in Ihrem Programm. Werden ausländische Autoren in Zukunft einen größeren Platz in der Programmplanung bekommen?

Robert Asprin und Michael McCollum möchte ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen. Von ersterem, dessen aktuelle Bücher bei Bastei-Lübbe erscheinen, erschien bei uns in deutscher Erstveröffentlichung ein SF-Roman aus dem Jahr 1979, und von Michael McCollum, von dem rund ein halbes Dutzend Romane bei Heyne lieferbar ist, erschien ebenfalls ein Frühwerk bei uns.
Mehr Platz als bisher werden wir ausländischen Autoren vermutlich künftig nicht einräumen, ich denke, es fällt im Laufe der Zeit nur auf, wenn sich die Anzahl der ausländischen Autoren erhöht. 

Wie kommt es dazu, dass der Atlantis Verlag den Liaden-Zyklus fortsetzt, sind die Vorgängerromane doch bei Heyne erschienen?

Es kommt vor, dass Reihen oder Zyklen (aber auch Romane) von Verlagen eingekauft und angekündigt werden, und dann doch nicht erscheinen. Als wir davon erfuhren, dass Heyne die angekündigten Bände 4 und 5 nicht bringen würde, bemühten wir uns um die Rechte. Zum einen, weil wir denken, dass die Reihe zum Verlag passt. Und eben, weil sie uns gefällt. 

Mit „Phase X“ erscheint auch regelmäßig ein Magazin für Phantastik. Mittlerweile ist Ausgabe 7 in Vorbereitung. Gibt es heutzutage denn noch ein genug großes Publikum, damit sich ein derartiges Projekt auch rentiert?

Kleinverlage haben den Vorteil, klein zu sein, was bedeutet, dass man Nischen besetzen kann, die andere, größere Verlage nicht bedienen können. Im Laufe der Zeit haben sich die Macher des Magazins eine treue Käuferschaft erarbeitet, daher werden wir weitermachen.

Kürzlich ist die Edition Atlantis an den Start gegangen, die sich hauptsächlich an Sammler richtet. Erzählen Sie unseren Lesern doch bitte, was diese Edition genau auszeichnet.

Im Gespräch mit unseren Kunden hörten wir immer, dass sie sich eine Aufwertung der Verarbeitung wünschten, dass Hardcover was Tolles wären. Aufgrund der fortschreitenden technischen Möglichkeiten kann man heute auch Hardcover in relativ niedriger Auflage zu annehmbaren Preisen herstellen lassen. Im Vorjahr haben wir dann einen Testballon unternommen, mit dem Ziel, den Direktkunden als Alternative zur „normalen“ Paperback-Ausgabe eine Hardcover-Ausgabe anzubieten. Unser Ziel war es dabei, den Preis nicht zu hoch anzusetzen – er liegt in den meisten Fällen 2 EUR pro Buch über dem der Paperback-Ausgabe. Dies erklärt sich dadurch, dass es die Hardcover-Ausgabe nur bei uns gibt, bei der Paperback-Ausgabe (hier läuft der Absatz zum überwiegenden Teil über den Buchhandel) räumen wir dem Zwischenbuchhandel ja einen Rabatt ein.

Wurde die Edition Atlantis Ihren Vorstellungen nach gut angenommen?

Ja. Bislang sind fünf Hardcover erschienen, drei sind ausverkauft und von den beiden anderen Titel sind nur noch wenige Exemplare auf Lager.

Wie entscheiden Sie, welches Buch in der Edition Atlantis aufgenommen wird?

Hier habe ich eine gute Nachricht. Abgesehen von vermutlich wenigen Ausnahmen erscheinen künftig alle Titel parallel auch als Hardcover. Die bereits angekündigten Titel von Matthias Oden („Metamorph“), Stefan Burban („Düstere Vorzeichen“) und Uwe Post („Walpar Tonnraffir und der Zeigefinger Gottes“) erscheinen auch als Hardcover. 

„Kaiserkrieger“ wird als Sechsteiler erscheinen. Ist das für einen eher kleinen Verlag nicht sehr riskant?

Nein. Atlantis ist ein kleiner Verlag, es ist nicht so, dass wir von jedem Buch mehrere tausend Bücher drucken, diese auf Lager legen und dann darauf warten, dass man die Bücher kauft. Und bei Dirk van den Booms „Tentakelkrieg“-Trilogie, einem Military-SF-Projekt, haben wir ja bewiesen, dass wir eine Reihe durchziehen.

Als letztes ist u.a. „Sherlock Holmes und das Uhrwerk des Todes“ erschienen. Warum gerade neue Geschichten um den Meisterdetektiv?

Wenn ich mich recht erinnere, schlug Christian Endres, der Autor, das Projekt vor, bevor Guy Ritchie mit seiner Sherlock-Holmes-Verfilmung loslegte. Neue Holmes-Geschichten gab es ja in den letzten Jahren nicht wenige, wir haben als hier kein Neuland betreten. Eher ungewöhnlich ist der Ansatz, Holmes’ Welt mit der der Phantastik in Verbindung zu bringen, dies geschah in den letzten Jahren nicht so häufig.

Mit „Weltraumkrieger“ liegt eine Science-Fiction-Anthologie vor. Wie wichtig war es Ihnen, den Namen Wolfgang Hohlbein dabei zu haben?

Wir haben uns nicht gewehrt, als wir seine Zusage bekamen... Ich weiß nicht, ob ein „beinharter“ Hohlbein-Fan sich ein Buch kauft, in dem eine Kurzgeschichte von ihm ist, und andere Geschichten von Autoren, die er vielleicht nicht kennt. Wir würden uns sicher freuen, wenn er es täte… Mit der Mischung aus deutschen und internationalen Autorinnen und Autoren dürften wir aber eine größere Käuferschicht ansprechen, als dies üblicherweise bei Anthologien aus kleineren Verlagen der Fall ist. Zudem ist es unserem Wissen nach die erste Military-SF-Anthologie auf dem deutschen Markt.

Nach den Vampiren scheint sich der Trend nun langsam in Richtung der Zombies zu entwickeln. Sehen Sie diese Entwicklung auch?

„Man“ prophezeit Vieles, ob Engel und/oder Zombies wirklich den Vampir- und Völker-Romanen gleich ziehen werden oder den Rang streitig machen können, weiß ich nicht. Ich glaube auch nicht, dass das jemand wirklich weiß. 

Mit William Swears' „Zookland“ wird ein Zombie-Roman von Atlantis auf den Markt geworfen. Hoffen Sie darauf, in den neuen Trend einsteigen zu können oder erscheint „Zookland“ zufällig zur richtigen Zeit?

Wir werfen keine Romane auf den Markt. ;-) Das passt eher auf Verlage, die ihre Bücher mit dem Gabelstapler in die Läden fahren. ;-)
„Zookland“ ist ein schönes Beispiel zur Vorgehensweise bei Atlantis. Ich glaube nicht, dass man schon einen Erfolg von Zombie-Romanen plante, als Dirk van den Boom den Roman zur Sprache brachte. Es ist ja auch nicht so, als wenn erst jetzt jemand auf die Idee kommt, mal einen Zombie-Roman zu schreiben. Nein, es war schon so, wie zu Beginn geschildert. Uns gefielen die Idee und die Ausführung des Autors. Das war der Grund, wieso wir ihn ins Programm nahmen. 

Sind Sie mit dem Jahr 2009 zufrieden?

Die Frage verleitet zu einer kurzen Antwort, die mit „ja“ zu beantworten ist. Ich bin vor allem damit zufrieden, dass – für meinen Geschmack – gute, schöne Bücher erschienen sind, wir damit den Geschmack und die Wünsche der Leserinnen und Leser getroffen haben.

Welches war das erfolgreichste Buch im Jahr 2009?

„Alles bleibt anders“ von Siegfried Langer.

Auf welche Bücher kann sich der Leser als nächstes freuen und wird es neue Ausrichtungen im Programm Ihres Verlages geben wie es kürzlich mit der Edition Atlantis geschehen ist?

Es ist eher so, dass wir auf etwas verzichten künftig, nämlich auf die Klappenbroschur. Mit dem einfachen Paperback und der Hardcover-Alternative haben wir zwei Publikationsformen im Angebot, das halte ich für ausreichend. 

Neben der „Kaiserkrieger“-Reihe wird auch Oliver Henkels neuer Roman („Die Fahrt der LEVIATHAN“) eine Alternativweltgeschichte bieten. Außerdem haben wir unterem anderem einen neuen SF-Roman von Uwe Post eingeplant, eine Horror-Kurzgeschichten-Sammlung von Matthias Oden („Metamorph“) und einen Military-SF-Roman von Stefan Burban („Düstere Vorzeichen“).

Was ausländische Autoren betrifft: Für Mitte 2010 planen wir die Veröffentlichung einer Novelle von Jack Ketchum. Wir konnten uns die Rechte an seiner Novelle „The Crossings“ sichern und werden sie sowohl als Paperback, als auch als Hardcover anbieten. Vorläufiger Arbeitstitel: „Die Schwestern“.

Vielen Dank für das Interview, Herr Latz!


Dieses Interview führte Benjamin Kentsch für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.
Interview vom 06.03.2010

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