Sonntag, 2. Dezember 2012

Hörbuchrezension: Exit Ghost (Philip Roth)

Sprecher: Peter Fitz
Der Hörverlag
8 CDs, 554 Minuten, vollständige Lesung
ISBN: 978-3-86717-536-4
14, 99 €


Ein kurzer Einblick

Nach vielen Jahren kehrt Nathan Zuckerman für einen ärztlichen Eingriff nach New York zurück. Doch dieser Aufenthalt zieht sich länger hin, als er das geplant hatte. Die Idee für einen Wohnungstausch und das Kennenlernen der jungen Schriftstellerin Jamie wecken nicht nur ungeahnte Gefühle in ihm, sondern auch die Auseinandersetzung mit dem Biographen des von Nathan Zuckerman so geschätzten Schriftstellers E.I. Lonoff lassen ihn nicht so einfach los.

Bewertung

Dem Hörbuch lässt sich gut zuhören, auch wenn man sich zeitweilig etwas konzentrieren muss. Peter Fitz ist ein solider Sprecher. Er hat eine angenehme Erzählstimme, so dass man ihm gut folgen kann. Auch wenn sein Lesen sich nicht durch besondere Kreativität, besonderes Betonen oder jeweils eigene Interpretationen von Personen hervortut, passt seine Stimme gut zu Ich-Erzähler Nathan Zuckerman, so dass man sich gut vorstellen kann, dass Zuckerman selbst die Geschichte vorliest. Schön ist auch, dass es sich bei dem Hörbuch um eine vollständige Lesung handelt, so dass der Hörer wirklich in den vollen Genuss von Philip Roths Erzählstil kommt.
Wie Philip Roth selbst verkündet hat, verabschiedet sich sein Alter Ego Nathan Zuckerman mit „Exit Ghost“ von den Lesern. Zwar ist es keines Wegs so, dass dessen Leben zu Ende wäre, doch das Alter nagt an Zuckerman. Eindrucksvoll kann man beim Hören miterleben, wie sich alternde Personen fühlen müssen, wenn sie immer wieder Dinge vergessen oder sich nicht sicher sind, ob etwas tatsächlich passiert ist bzw. wie es passiert ist. Neben dieser Belastung hat Nathan Zuckerman in „Exit Ghost“ aber noch mit einigen anderen Dingen zu kämpfen.
In hohem Alter entdeckt er wieder etwas, von dem er nicht gedacht hätte, dass es noch irgendwo in ihm schlummert, nämlich das Verliebt sein. Dies bringt ihn zusätzlich zu seinen Aussetzungserscheinungen durcheinander und führt dazu, dass er sich in seiner Phantasie eine Liebesgeschichte ausdenkt und auch aufschreibt. Diese im Dialog gehaltene Geschichte ist allerdings für Hörer etwas unangenehm zu folgen, da jeder Gesprächspart durch ein ständig wechselndes „er“ oder „sie“ eingeleitet wird.
Fast am Ende seines Lebens wird Nathan Zuckerman aber auch noch mit einer lang vergangenen Zeit und einem Schriftsteller konfrontiert, der seit dieser Zeit ein Vorbild für Zuckerman darstellte. Nathan Zuckerman ist hin- und hergerissen zwischen der Bewahrung eines positiven Bildes eines von ihm wohl idealisierten Schriftstellers und dem Drängen eines Möchtegernbiographen, der angeblich E.I. Lonoff wieder in das Gedächtnis der Gesellschaft zurückholen möchte. Dieser innere Zwiespalt wird dadurch verstärkt, dass Zuckerman jemanden wiedertrifft, den er seit Jahrzehnten nicht getroffen hat und der sich völlig verändert hat.
Kurz aus seinem Einsiedlerleben heraus, wird er vor all diese Probleme gestellt und der Leser kann mitempfinden, wie er sich trotz Altersschwächen all diesen Problemen stellt. Doch am Ende muss auch der Leser erkennen, dass sich auch Nathan Zuckerman nicht mehr verändert.

4 von 5 Punkten

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