Montag, 26. November 2012

Rezension: Steve Biko - Schrei nach Freiheit (Donald Woods)

Goldmann Verlag
Taschenbuch, 444 Seiten
ISBN: 978-3-442-08985-7

Ein kurzer Einblick

Steve Biko war einer der führenden Bürgerrechtler gegen das Apartheidregime und die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in Südafrika. Sein weißer Freund Donald Woods erzählt in diesem Buch von dem Menschen Steve Biko und wie er ermordet wurde. Zugleich beschreibt er, welche Risiken er selbst auf sich nehmen musste, um dieses Buch zu veröffentlichen.

Bewertung

Als dieses Buch 1978 erschien, sollte es das grausame und ungerechte Vorgehen der damaligen südafrikanischen Regierung und deren Staatsapparats aufzeigen. Um dies tun zu können, musste Donald Woods zusammen mit seiner Familie aus Südafrika fliehen, da dort das Erscheinen des Buches niemals zugelassen worden wäre und er zudem von der Regierung mit einem Bann belegt worden war, so dass ihm jegliche Schreibtätigkeit untersagt wurde. Doch obwohl sich mittlerweile die Zustände in Südafrika vollkommen geändert haben, ist dieses Buch immer noch ein eindringliches Zeugnis einer Zeit, in der die schwarze Bevölkerung des Landes unter der Apartheid und der ungerechten und oft gewalttätigen Behandlung des Staatsapparates leiden musste.
Donald Woods erzählt darin nicht nur, wie schwierig es für ihn und seine Familie war, mit einem schwarzen Bürgerrechtler befreundet zu sein und anschließend die wahren Hintergründe der Ermordung Steve Bikos zu veröffentlichen, sondern zeigt hauptsächlich ein beeindruckendes Porträt eines beeindruckenden Menschen auf, der leider nur 30 Jahre alt wurde.
Dabei ist das Buch auch für diejenigen, die sich nicht mit der Geschichte Südafrikas und der Zeit der Apartheid auskennen, verständlich und lesenswert. Denn bevor Donald Woods Steve Biko vorstellt, beschreibt er die Geschichte der Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung in Südafrika. Anschließend porträtiert er einen beeindruckenden Mann, über den schon mit Mitte 20 ein Bann erhängt wurde, so dass er sich nur noch mit mindestens einer Person gleichzeitig in einem Raum aufhalten konnte, ein ihm zugewiesenes Gebiet nicht verlassen und sich öffentlich nicht äußern durfte und dem jegliche schriftliche Betätigung untersagt war. Er stellt einen Menschen dar, er sich für seine Mitmenschen einsetzte, sich dabei aber nie in den Vordergrund drängte und der mit seiner Intelligenz und Redegewandtheit viele Menschen beeindruckte. Gleichzeitig zeigt er aber auch auf, dass Steve Biko eben nicht so war, wie ihn die südafrikanische Regierung gerne darstellte, dass er eben nicht zur Gewalt und Terrorismus aufrief, sondern einzig für die Gleichstellung der schwarzen Bevölkerung eintrat.
In erschreckender Weise wird aber auch dargestellt, wie dieser friedliebende Mensch trotzdem in Polizeigewahrsam starb. Ganz detailliert beschreibt Donald Woods den Prozess, in dem der Tod Steve Bikos aufgeklärt werden sollte. Das ist auch das einzige, was man an diesem Buch negativ anmerken kann. Denn diese detaillierte Schilderung des Prozesses ist doch relativ mühselig zu lesen. Bedenkt man allerdings die Gründe für die Erscheinung des Buches, nämlich den Tod Steve Bikos so aufzuzeigen, wie er tatsächlich eingetreten ist und nicht, wie ihn die südafrikanische Regierung dargestellt hat, ist dies wiederum nachvollziehbar. Denn bei der Beschreibung des Prozesses wird in erschreckender Weise deutlich, wie sich der Staatsapparat gegenseitig schützte und die Vertreter der Familie Steve Bikos immer wieder daran gehindert wurden, die wahren Gründe für den Tod Steve Bikos und die Widersprüche in den Aussagen der Beamten der Sicherheitspolizei aufzuzeigen.
Alles in allem ein sehr lesenswertes Buch, dass auch heute noch, nach dem Ende der Apartheid, in erschreckender Weise diese grausame Zeit aufzeigt und zugleich ein beeindruckendes Porträt eines beeindruckenden Mannes liefert. Schade, dass solche Dokumente nicht weiter publiziert werden.

Hinweis

Das Buch wird zur Zeit nicht mehr neu gedruckt, aber es ist noch gebraucht erhältlich. Außerdem gibt es eine sehr gute und vorlagentreue Verfilmung von Richard Attenborough aus dem Jahr 1987.

4,5 von 5 Punkten

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