Mittwoch, 28. November 2012

Rezension: Republik der Wichtigtuer (Tissy Bruns)

Herder Verlag
Taschenbuch, 224 Seiten
ISBN: 978-3451340826
16,90 €

Ein kurzer Einblick

Als Bonn noch Regierungssitz war, war alles anders. Mit dem Umzug nach Berlin hat sich auch das Verhältnis von Politik und Medien in vielen Aspekten verändert. Wie sich die Medien, sowie die Politik nun verhalten und was das alles mit Alphajournalisten, der Jagd nach Aufmerksamkeit, Selbstinszenierung und Personalisierung zu tun hat, stellt Tissy Bruns beispielshaft dar. Dabei schlägt sie auch die Bogen zur Bevölkerung.
 
Bewertung

Tissy Bruns selbst ist ein alter Hase im journalistischen Geschäft. Sie war bereits in Bonn Teil des Medienzirkus´. Durch Tätigkeiten bei der Welt, der taz und anderen Printmedien war sie immer direkt an der Bundespolitik dran und auch heute als Politische Chefkorrespondentin der Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ ist sie in Berlin immer noch in unmittelbarer Nähe der Politik.
In ihrem Buch beschreibt sie nicht nur, wie sich das Verhältnis von Politik und Medien durch den Umzug des Regierungsapparats von Bonn nach Berlin verändert hat, sondern zieht auch immer wieder Bezüge zu Regierungszeiten anderer Kanzler. Häufig erwähnt sie Konrad Adenauer und Willy Brandt, zu deren Zeiten noch ein völlig anderes Verhältnis zu den Medien bestanden hätte. Damals gab es noch nicht eine so enge Verknüpfung von Politik und Medien und auch das Mediensystem war noch nicht so stark ausgeprägt, dass sich die Medien gegenseitig vorantrieben und so eine Beschleunigung von Politik und deren Berichterstattung herbeiführten, aus der man nach Meinung von Tissy Bruns heute kaum noch entrinnen kann.
Da Tissy Bruns immer vorne mit dabei war, hat sie in ihrer bisher beruflichen Karriere viel erlebt und so ist auch ihr Buch von Geschichten und Anekdoten geprägt. Anhand derer versucht sie nicht nur die selbstverschuldete Schnelllebigkeit des Journalismus aufzuzeigen, sondern geht auch auf einen möglichen Niedergang des qualitativ hochwertigen Journalismus zu Gunsten von Inszenierung und Selbstdarstellung ein. Sie macht deutlich, wie heute immer weniger die Themen, sondern viel mehr Personen im Vordergrund stehen und wie dieses auch von der Bevölkerung nachgefragt wird. Dadurch werden die Medien immer mehr zu einer Bühne der Politiker, die sich wiederum immer weiter vom Volk entfernen. Um in den Medien vertreten zu sein, entdecken die Politiker immer ungewöhnlichere Methoden. So treiben sich Politik und Medien immer weiter gegenseitig voran und dabei verlieren die Medien ihre Rolle als vierte Gewalt und die Politiker die Nähe zur Bevölkerung.
Tissy Bruns erzählt all dies relativ nüchtern und ohne viel auf ihre eigene Rolle innerhalb dieses Zirkus´ einzugehen. Auch die Beispiele führen nicht sehr in die Tiefe, so dass es alles in allem ein angenehm zu lesendes Buch ist, das einen jedoch nicht viel länger beschäftigen wird.

3 von 5 Punkten

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