Dienstag, 27. November 2012

Rezension: Lucian (Isabel Abedi)

Arena
Gebunden, 504 Seiten 
ISBN: 978-3-401-06203-7 
18,95 €

Ein kurzer Einblick

Es fühlt sich an … 
... wie ein Riss. Ein hauchfeiner Riss, tief in Rebeccas Innerem. Als ob ihr jemand mit der Pinzette ein Härchen ausgerupft hätte. Was bleibt: ein sonderbares Gefühl von Leere und der Angst. Doch dann taucht Lucian auf, wie aus dem Nichts. Ein Junge ohne Vergangenheit, jemand, der sich nicht erinnern kann, wer er ist oder wo er herkommt. Aber Lucian gibt Rebecca mit einem Mal das Gefühl, dass sie nicht mehr allein ist.

Bewertung

Was passiert, wenn unser Schutzengel nicht mehr über uns wacht, sondern plötzlich „live“ in unserem Leben auftaucht. Eines Nachts hat Rebecca ein komisches Gefühl und unter ihrem Fenster, im Schein einer Lampe, sieht sie eine Gestalt, die zu ihr hochblickt. In den nächsten Wochen und Monaten ist dieser Mensch immer öfter an ihrer Seite und er bekommt auch einen Namen: Lucian. Lucian kann sich an seine Herkunft nicht erinnern, aber er kann sich an Geschehnisse aus Rebeccas Vergangenheit erinnern.
Das Buch zieht einen zugleich in seinen Bann und nur mit Mühe kann man es wieder aus der Hand legen. Man sollte sich auch nicht von seiner Dicke abschrecken lassen, denn an manchem Taschenbuch liest man länger als an diesem Wälzer. Isabel Abedi schafft es den Leser zu fesseln. Auf der einen Seite von Rebecca steht ihr Ex-Freund Sebastian, der auch auf die Leser sehr sympathisch wirkt, und auf der anderen Seite tritt Lucian in ihr Leben, wo der Leser merkt … da ist mehr. Nicht nur Rebecca wird dadurch in einen Gefühlsstrudel gezogen, sondern auch der Leser selbst. Sympathie steht dem Mysteriösen gegenüber und selbst der Leser wird nicht mehr genau sagen können, für welche Seite er sich selbst entscheiden würde.
Auch geht es in Isabel Abedis Roman nicht ganz konventionell zu, so sind Rebeccas Eltern geschieden und ihre Mutter Janne lebt mit ihrer Lebensgefährtin Spatz (Patricia) zusammen. Bisher habe ich noch nicht viele Jugendbücher gelesen, in denen das konventionelle Elternbild durch ein homosexuelles Paar abgelöst wurde, aber dies tut dem Roman keinen Abbruch. Eher ist es so, dass es dadurch transparenter und lebensnaher wirkt und auch durch das Einstreuen verschiedener Textsequenzen, zum Beispiel, dass sie das Spiel „Endless Ocean“ gespielt haben. Dies zeigt noch einmal, dass die Geschichte im Hier und Jetzt spielt und macht die Geschichte, obwohl sie von phantastischen Elementen durchzogen ist, greifbarer. Auch normale Teenagerthemen, wie erste Liebe und Körperscham, werden behandelt und greifen flüssig in die Geschichte mit ein.
Ein guter Schachzug der Autorin war, das Umfeld der Protagonisten zu wechseln. Spielt der erste Teil des Buches in Deutschland, wird die weitere Handlung nach Amerika verlegt. Dieser Ortswechsel verhindert, dass das Buch eingefahren wirkt und macht die Geschichte wieder ein bisschen interessanter
Die Geschichte zwischen Rebecca und Lucian ist bittersüß und auf den Leser werden die ein oder anderen Überraschungen warten. Eins sollte dem geneigten Leser aber klar sein. Hier kann man nicht nur einfach eine Geschichte lesen und sie sich von außen anschauen. Wer dieses Buch liest, leidet mit Rebecca. Dieser Charakter geht an die Nieren und berührt einen. Abstand halten ist hier schwer möglich.

Fazit

Lucian ist ein Roman, der einen fesselt, in Gefühlswelten schubst und einen süchtig werden lässt. Nicht nur für Jugendliche geeignet, sondern auch für Erwachsene, die sich auf Jugendwelten einlassen können. Kurz gesagt: Lucian ist mehr als Unterhaltung Pur, dieses Buch hinterlässt Spuren!

5 von 5 Punkten


Wir danken dem Arena Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar

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