Freitag, 16. November 2012

Rezension: Bel Ami (Guy de Maupassant)

Insel Taschenbuch
Taschenbuch, 415 Seiten
ISBN: 978-3-458-35740-7
9,99 €


Ein kurzer Einblick

George Duroy möchte angesehen und reich werden. Doch besitzt er nur geringe Fähigkeiten, die ihm dazu verhelfen könnten. Allerdings hat er einen großen Vorteil: Er sieht blendend aus. Dadurch gelingt es ihm mit seinem Charme die vornehmen Frauen der Pariser Gesellschaft zu bezaubern. Dies verhilft ihm dazu, dass er rasant Karriere als Journalist macht und sich schnell in den besten Kreisen Paris befindet…

Bewertung

George Duroy ist kein sonderlich begabter Mensch. Als er nach seiner Militärzeit in Tunesien nach Frankreich, genauer gesagt in das blühende Paris, zurückkehrt, steht er praktisch vor dem Nichts. Mit seinem Job kann er sich geradeso über Wasser halten. Doch als er einen ehemaligen Mitstreiter vom Militär trifft, findet er endlich eine Gelegenheit, etwas aus seinem Leben zu machen. Dieser verschafft ihm einen Job bei der aufsteigenden Zeitung „La vie française“, der ihm zugleich einen Zugang zur vornehmen Pariser Gesellschaft ermöglicht.
Getriebenen von seinem Ehrgeiz, ein reicher und einflussreicher Mann zu werden, gelingt es George schnell, sich immer besser zu stellen. Hilfreich ist ihm dabei vor allem eines: sein gutes Aussehen und sein Charme. Denn jeden Schritt seines Aufstiegs schafft er hauptsächlich durch eines: die Unterstützung der Frauen einflussreicher Männer, für die er zum Bel Ami (schöner Freund) wird. 
Skrupellos versucht George immer weiter auf der Karriereleiter hinaufzusteigen und sucht sich dafür seine Unterstützung. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf Freunde, Ehefrauen oder gar seine Liebe. Denn obwohl er die Frauen für seine Zwecke ausnutzt, gibt es doch eine Frau, mit der er sich ohne Hintergedanken trifft. Clotide und er scheinen trotz der gesellschaftlichen Hindernisse zusammen zu gehören und finden ungeachtet aller Schwierigkeiten und Fehlverhalten Georges immer wieder zusammen.
Die Charakterstudie George Duroys zeichnet zugleich ein beeindruckendes Bild der Pariser Gesellschaft am Ende des 19. Jahrhunderts. In überspitzter Art und Weise zeigt Guy de Maupassant auf, wie nicht Können, sondern Intrigen und Korruption einflussreiche Männer in ihr Amt heben. Zugleich wird die Beziehung zwischen Politik und dem ständig nach höheren Auflagen eifernden Journalismus kritisch beäugt und deutlich gemacht, welche Macht der Presse zustehen kann.

Fazit

„Bel Ami“ demonstriert ein ironisches Bild der Pariser Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts. Nicht nur, dass es einem fast unbegabten Menschen allein durch sein Aussehen und die Beziehung zu Frauen einflussreicher Männer gelingt, Karriere zu machen, auch die mächtigen Positionen im Staat werden durch Intrigen und Korruption besetzt.

4 von 5 Punkten



Wir danken dem Suhrkamp Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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