Freitag, 23. November 2012

Interview: Ulrich Wickert

Herr Wickert, Sie sind den meisten Menschen wohl aus Ihrer 15-jährigen Zeit als Moderator der „Tagesthemen“ bekannt, aber Sie haben auch „Wickerts Bücher“ moderiert und Sie schreiben schon lange auch selbst Bücher. Spielten Bücher schon immer eine große Rolle in Ihrem Leben?

Lesen war für mich immer schon ein Vergnügen. Als Kind habe ich natürlich auch Dinge gelesen, die meine Eltern furchtbar fanden, so die Hefte von Pete, dem Cowboy. Aber mir hat’s nicht geschadet, sondern irgendwann bin ich dann bei Enid Blyton und den Abenteuerbänden gelandet, es ging weiter, über Dostojewski einerseits und John Steinbeck anderseits zu Tonio Kröger, Wilhelm Meister, Eichendorff….. Na ja.. und es geht immer noch weiter.

Was lesen Sie eigentlich privat?

Wenn ich an einem Krimi sitze, so wie jetzt gerade, dann lese ich einerseits Sachbücher, die mit der Thematik zu tun haben, lese andere Krimis zum Einstimmen.
Aber sonst ist kaum etwas vor mir sicher: politische, gesellschaftliche, historische Sachbücher, Erzählendes,… aber keine Phantasie, da muss ich passen.

Sie haben bereits 22 Bücher veröffentlicht. Wie sind Sie zum Bücherschreiben gekommen?

Man darf nicht allen dieser 22 Bücher das gleiche Gewicht geben. Zwei habe ich nur herausgegeben mit Texten anderer Autoren, einige sind Interview-Bände, etc… Zum Bücherschreiben kam ich, als ein Verleger mich ermunterte, all das, was ich bei der Sendung Monitor als Autor behandelte, doch einmal als kritischen Essay über die Bundesrepublik zusammenzufassen.

Wurden Sie von einem Schriftsteller/in beeinflusst bzw. haben Sie Vorbilder?

Bei den Krimis haben sicherlich Raymond Chandler und andere Amerikaner Pate gestanden. Aber so wie die einst geschrieben haben, geht es heute nicht mehr. Also bin ich doch ich geblieben.

Sie haben in den letzten 30 Jahren etwa jedes Jahr ein neues Buch veröffentlicht, und das neben Ihrer journalistischen Tätigkeit. Wie entwickeln Sie Ihre Ideen?

Bei Sachbüchern wachsen die Ideen langsam in meinem Bewusstsein. Und plötzlich sage ich: darüber muss ich mal schreiben.
Bei Krimis schaue ich in das tägliche Leben, lese über die größten Gaunereien, dann fange ich an, daraus eine Geschichte zu stricken.

Und wie bringen Sie Ihre Ideen dann zu Papier?

Ich schreibe auf einen Laptop, habe aber rechts und links immer Blöcke (legal pads) liegen, auf die ich Gedanken, etc notiere.

Schreiben Sie ein Buch in kurzer Zeit runter?

Ach, es dauert schon eine ganze Weile, bis ein Manuskript fertig ist. Ich komme auch nicht dazu, einfach ein paar Monate hintereinander zu schreiben, sondern unterbreche wegen anderer Dinge immer wieder. Zum Schreiben brauche ich etwa ein Jahr.

Ihre Bücher haben es häufig auf die Bestseller-Listen geschafft. Glauben Sie, dass es Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, wie Journalisten, einfacher haben Leser zu finden?

Es haben viele Fernsehjournalisten Bücher geschrieben, von denen man nie etwas hörte. Ein Buch muss schon ein Thema ansprechen, das die Leser beschäftigt.

Sie schreiben sowohl Sachbücher als auch Kriminalromane. Was macht Ihnen mehr Spaß?

Beides macht auf unterschiedliche Art und Weise Spaß. Beim Krimi leben Sie in der Geschichte, beim Sachbuch müssen Sie mehr nachdenken, aber Sie lernen dann auch viel.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie angefangen haben neben Sachbüchern auch Kriminalromane zu schreiben?

Ich wollte eigentlich immer schon Krimis schreiben, schon bevor ich mich Sachbüchern beschäftigte.

Könnten Sie sich vorstellen auch noch in anderen Genres Bücher zu schreiben?

Was gibt’s denn noch? Meinen Sie Kinderbücher? Ich habe schon eines für junge Leute geschrieben. Phantasie? Nein, dazu reicht die Lust nicht.

Seit 2003 schreiben Sie Kriminalromane, die in Paris spielen und in denen der Richter Jacques Ricou die Hauptrolle spielt. Warum spielt die Haupthandlung Ihrer Romane gerade in Paris und nicht etwa in New York, wo Sie auch eine Zeit lang gelebt haben, oder auch in Deutschland?

Da mein erster Krimi wegen der Handlung in Paris und Frankreich spielen musste, bin ich dort gelandet.

Können Sie sich vorstellen, Jacques Ricou auch einmal in einem anderen Land ermitteln zu lassen?

Na ja, Jacques Ricou war ja schon auf Martinique, in Angola und auch in Leipzig. Im neuen Fall, an dem ich gerade schreibe, muss er auch mal nach Berlin, wo ein Mord geschieht…

Sie haben selbst auch Jura studiert. Hat Jacques Ricou auch autobiographische Züge?

Nein, hat er nicht. Sonst hätte ich auch die Form des „Ich-Erzählers“ gewählt.

Oder haben Sie die Figur an eine andere reale Person angelehnt?

Jacques Ricou hat mehrere Charakterzüge von einigen französischen Untersuchungsrichtern und –richterinnen.

In "Der nützliche Freund" haben sie die Leuna-Affäre als Hintergrund für ihre Story gewählt. Warum gerade diese Affäre?

Weil sie in Deutschland spielt und sehr verworren ist.

Auf Ihrer Homepage verraten Sie, dass in Ihrem neuen Kriminalroman, der im Herbst 2010 erscheinen soll, erneut die Journalistin Margaux vorkommt. Haben Sie positives Feedback zu dieser Figur bekommen, so dass sie erneut auftaucht?

Ja, letztens beklagte sich eine Leserin, dass in dem dritten Krimi Margaux nach einer Weile gar keine Rolle mehr spielt. Deshalb wird sie diesmal eine viel größere einnehmen.

Können Sie uns noch mehr über Ihr neues Werk verraten? Wird es Jacques Ricou doch noch schaffen in den Urlaub zu fahren?

Er fährt noch in den Urlaub, der aber kein Urlaub wird!

Herr Wickert, wir danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben!


Dieses Interview führte Sascha Kristin Futh für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr Informationen zu Ulrich Wickert findet ihr auf seiner Homepage.

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