Freitag, 16. November 2012

Interview: Annette Langen

Liebe Frau Langen, seit vielen Jahren wachsen Kinder mit Ihren Felix-Büchern, aber auch anderen Ihrer Bücher auf. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Höchstwahrscheinlich hatte ich frühkindliche Prägung und wuchs mit unzähligen Büchern in einer Buchhändlerfamilie auf. Wie ich zum Schreiben gekommen bin? Nun, da gab es eine prägende Begegnung. Als ich sieben Jahre alt war, war ein Schriftsteller mit seiner Familie nach der Lesung bei uns zu Gast. Bis dahin dachte ich, dass Schriftsteller in einer Art Olymp leben würden. Doch dann kippte der Sohn des Schriftstellers versehentlich seine Teetasse um - und plötzlich erschien es mir nicht mehr unmöglich, Schriftsteller zu werden.

Wollten Sie schon immer Kinderbücher schreiben oder haben Sie sich auch schon einmal an einem anderen Genre versucht?

Seit Anfang an finde ich das Kinderbuch, das Zusammenspiel von Bild und Text, ausgesprochen spannend.


Was lesen Sie eigentlich privat?


Überwiegend Belletristik.

Sie schreiben bereits seit 1989 Kinderbücher. Konnten Sie eine Veränderung im Lese- bzw. Vorleseverhalten von Kindern in dieser Zeit feststellen? Müssen Bücher heute anders geschrieben werden als früher, um bei Kindern Anklang zu finden?

Die Trierer Studie belegt, dass inzwischen in 70% der Familien nicht mehr regelmäßig vorgelesen wird. Das finde ich sehr schade, denn das gemeinsame Vorlesen ist ein wunderbares Ritual. Zugleich ist Vorlesen eine der besten Investitionen in die Zukunft eines Kindes. Oft sagen mir Eltern nach Lesungen, dass sie sich nicht trauen würden, vorzulesen, weil sie es nicht so perfekt wie die Sprecher der Kinderhörspiele könnten. Ihnen sage ich immer: „Das brauchen Sie auch nicht. Nur Sie können Ihrem Kind beim Vorlesen Nähe und Geborgenheit geben, das kann kein Hörspiel dieser Welt.“

Welches der vielen Bücher, die Sie geschrieben haben, ist eigentlich Ihr liebstes Buch und warum?


Ich glaube mit den Büchern ist es wie mit den eigenen Kindern, jedes hat man auf seine Art besonders gern.

Wie sind Sie damals auf die Idee für den Kuschelhasen Felix, der seiner Freundin Sophie Briefe von der ganzen Welt aus schreibt, gekommen? Hätten Sie mit so einem großen Erfolg, sogar mit einem eigenen Club und einem Musical, gerechnet?


Nun, drei wesentliche Elemente aus Felix sind nicht erfunden, sondern sehr gelebt. So bekam ich zu meiner Geburt einen Kuschelhasen, der so wichtig war, wie ein Kuscheltier nur sein kann. Später hatte ich Brieffreunde in aller Welt, die ich auch besucht habe und bin fast so reiselustig wie Felix. Nein, ich habe nicht auf den Erfolg geschielt, sondern den ersten Band mehr für mich selbst geschrieben.

Ihre Felix-Bücher sind in 29 Sprachen übersetzt. Kennen Sie alle anderen Ausgaben? Gibt es dort Abweichungen, etwa von Texten, der Gestaltung oder auch von der Namensgebung her?

Ja, die internationalen Ausgaben und die in Blindenschrift stehen alle in meinem Büro. Felix und Sophie haben in allen Ausgaben, auch in der japanischen, die identischen Namen behalten. In der dänischen Ausgabe wohnt Sophie allerdings nicht in Münster, sondern in Arhus.

Die Felix-Bücher haben neben einem Geschenk immer auch andere Beigaben, wie Fotos. Wie viel Einfluss haben Sie auf die Auswahl dieser Beigaben?

Die Extras schlage ich bereits im Manuskriptstadium mit vor. Manchmal überrascht uns auch der Verlag mit einer tollen Idee, wie z.B. dem Webrahmen von den Sami oder dem Maori-Spiel.

Wenn Sie Felix an einen Ort reisen lassen, besuchen Sie diesen dann des Öfteren vorher, um dort zu recherchieren über was Felix berichten könnte? Oder wie gestalten sich Ihre Vorbereitungen für ein Felix-Buch?

Viele der Orte, die Felix besucht hat, kenne ich auch. Um über Stationen zu berichten, die ich nicht persönlich kenne, nehme ich Kontakt mit den Botschaften auf, spreche mit Menschen, die dort leben, und lese so einiges dazu.

Nachdem Felix schon fast die gesamte Welt bereist hat, macht er in „Mit Felix auf großer Deutschlandreise“ endlich eine ausgiebige Tour durch Deutschland. Warum haben sie sich erst so spät ausgiebig Ihrem Heimatland gewidmet?


Vor sechs Jahren reiste ich zum Weltkindertag in den Schwarzwald und unterwegs fiel mir auf, welche Fülle von Themen Deutschland bietet. Es hat mich sehr gereizt, Felix auf große Deutschlandreise zu schicken.

In „Mit Felix auf großer Deutschlandreise“ gibt es im Vergleich zu den anderen Felix-Büchern einige Neuerungen, wie aufklappbare Seiten, reale Fotos oder auch extra Kästchen mit Erklärungen. Wie kam es zu dieser Veränderung?

Wir wollten Kindern und auch Erwachsenen die Möglichkeit geben, neben der Geschichte weitere spannende Informationen über Deutschland im Buch zu finden. So kam es zu den „Info-Schnipseln“. Die aufklappbaren Seiten hat die Illustratorin Constanza Droop angeregt und ich finde, sie verdeutlichen den Text ganz unmittelbar.

Wie haben Sie bei „Mit Felix auf großer Deutschlandreise“ die Auswahl getroffen, auf welche Orte Sie genauer eingehen?

Mir ist es wichtig, dass die Vielfalt unseres Landes widergespiegelt wird. Ich hatte eine riesige Deutschlandkarte im Büro hängen und habe daran Felix’ Reiseroute geplant.

Könnten Sie sich vorstellen Felix auch einmal so ausgiebig durch ein anderes Land reisen zu lassen?


Felix ist ein reiselustiger Kuschelhase und man weiß nie, was er als Nächstes ausheckt ;).

Was haben Sie in nächster Zeit geplant? Wird es bald wieder ein neues Felix-Buch geben?

Siehe oben. Ansonsten habe ich soeben einen Jugendbuchroman abgeschlossen und warte gespannt auf die Entscheidung des Verlages.

Liebe Frau Langen, wir danken Ihnen herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben.

Dieses Interview führte Sascha Kristin Futh für Legimus. Alle Rechte vorbehalten.

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